Kommission soll Verschwinden von Studenten klären | Aktuell Amerika | DW | 04.12.2018
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Drogenkartelle und korrupte Polizisten

Kommission soll Verschwinden von Studenten klären

Mexikos neuer Präsident löst damit sein Wahlkampfversprechen ein, die Strafverfolgung zu verschärfen. 43 Lehramtskandidaten waren vor vier Jahren spurlos verschwunden. Die Hintergründe sind bis heute nicht geklärt.

 Lopez Obrador Pressekonerenz Mexiko (picture-alliance/Zumapress/A. Nava)

Verwandte der verschleppten Studenten waren in den Präsidentenpalast in Mexiko-Stadt geladen worden

Zur Gründung der "Wahrheitskommission" unterzeichnete der neue mexikanische Präsident Andres Manuel Lopez Obrador ein Dekret. Damit leitete der linksgerichtete Politiker die erste seiner im Wahlkampf versprochenen Maßnahmen zur Bekämpfung von Straflosigkeit und Menschenrechtsverletzungen in dem mittelamerikanischen Land ein.

"Ich hoffe, dass wir schnell die Wahrheit herausfinden werden und dass Gerechtigkeit geschieht", sagte Lopez Obrador, der am Samstag sein Amt übernommen hatte. Der Fall werde so lange weiterverfolgt, bis die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden und "alle Mexikaner wissen, was tatsächlich passiert ist".

 Lopez Obrador Pressekonerenz Mexiko (picture-alliance/Zumapress/A. Nava)

Präsident Andres Manuel Lopez Obrador (M) hatte seinen Erlass im Beisein von Hinterbliebenen unterzeichnet

Die Kommission soll innerhalb von 30 Tagen zusammengesetzt werden. Mitwirken sollen Eltern der verschwundenen Studenten, Regierungsmitglieder und Experten.

Der Fall hatte in Mexiko für Entsetzen gesorgt. Die 43 Studenten einer als links bekannten ländlichen Lehrerschule im südmexikanischen Ayotzinapa waren im September 2014 verschwunden, als sie zu einer Demonstration in Mexiko-Stadt reisen wollten.

An Drogenbande ausgeliefert

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wurde die Gruppe in der Kleinstadt Iguala im Bundesstaat Guerrero von korrupten Polizisten verschleppt und an die Drogenbande Guerreros Unidos ausgeliefert. Bandenmitglieder sollen sie für Angehörige eines verfeindeten Kartells gehalten, auf einer Müllkippe ermordet und verbrannt haben.

Die Hinterbliebenen werfen den Behörden vor, Beweismaterial unterschlagen und Ermittlungen bewusst verhindert zu haben. Auch eine von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission eingesetzte Expertengruppe erhob schwere Vorwürfe gegen die Arbeit der mexikanischen Strafverfolger.

Auch international sorgte der Fall für Schlagzeilen, weil er die Zusammenarbeit von Politikern, Polizisten und Gruppen der organisierten Kriminalität in Mexiko exemplarisch aufzeigte. Die Regierung von Lopez Obradors Vorgänger Enrique Pena Nieto wurde wegen der schleppenden Aufarbeitung des Falls international kritisiert.

uh/qu (afp, dpa, epd)

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