Kommission prüft Unterrichtsmethoden der Staatlichen Ballettschule Berlin | Kultur | DW | 23.01.2020
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Tanz

Kommission prüft Unterrichtsmethoden der Staatlichen Ballettschule Berlin

Magersucht, Demütigungen, Drill. Das sind dramatische Vorwürfe gegen die Staatliche Ballettschule. Mitarbeiter und Schüler wollen sich die Zustände nicht länger bieten lassen. Darf Ausbildung in Angst umschlagen?

Traum oder vielleicht doch eher ein Alptraum? Dass Ballettprofis eine harte Ausbildung in Kauf nehmen müssen, ist bekannt. Aber darf sie die Gesundheit gefährden? Die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik (SBB) soll zu weit gegangen sein. Die Liste der Vorwürfe, die gegenüber der Eliteschmiede für junge Talente laut wurden, ist lang. Es gibt den Verdacht, dass dort jahrelang das Kindeswohl der Schülerinnen und Schüler missachtet wurde. Nach Recherchen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) soll das Leistungssportzentrum seine Schützlinge gedemütigt, schikaniert und sogar körperlich misshandelt haben.

Schikanen gegen Nachwuchstänzer

So hätten beleidigende Bemerkungen über das Körpergewicht dazu geführt, dass Kinder in die Bulimie getrieben worden seien. Lehrer hätten ihnen immer wieder klar gemacht, dass Tänzerinnen und Tänzer nicht viel Gewicht auf die Waage bringen dürfen. Nach dem Motto: Kein Essen ist das beste Essen, bekamen einige Kinder deshalb den Rat, eine Woche mit dem Abendbrot auszusetzen. Sätze wie "Du bist zu fett!" können vor allem im Teenageralter seelischen Schaden anrichten. Darüber hinaus sollen sie massive Mangelernährung mit nur 100 Kalorien am Tag verursacht haben.

Eltern, die diese Praxis hätten kontrollieren können, befinden sich allerdings oft in weiter Ferne. Viele der Schülerinnen und Schüler kommen aus Übersee und ziehen in ein Internat der Staatlichen Ballettschule in Berlin. Im Anschluss an ihre Ausbildung stehen die Tänzerinnen und Tänzer auf den großen Bühnen der Welt: Moskau, New York oder London. Dafür bietet die Staatliche Ballettschule nicht nur eine Berufsausbildung zur Tänzerin oder zum Tänzer, sondern auch die Möglichkeit die Schule mit dem Abitur und sogar dem Bachelor abzuschließen.

Fuß einer Balletttänzerin (picture-alliance/dpa/S. Schuldt)

Geschundene Füße und geschundene Seele - Was müssen angehende Tänzer in Kauf nehmen?

Jugendschutz nicht eingehalten

Ein geschlossenes System, in dem sich alles um das Tanzen dreht und in das Außenstehende nur selten Einblick finden. Sonst hätte der Jugendschutz oder die Berliner Senatsschulverwaltung vielleicht Alarm geschlagen angesichts der langen Arbeitstage, die oft morgens um 7.50 Uhr beginnen und erst nach 23 Uhr in der Nacht nach Auftritten enden. Sogar in den Ferien sollen die Schülerinnen und Schüler aufgetreten sein. Erholungszeiten soll die Ballettschule nämlich nicht gewährt haben. Ob krank oder verletzt: Getanzt wurde immer, heißt es in dem Bericht des RBB.

Schon im Dezember schlossen sich rund 60 Mitarbeiter aus der Staatlichen Ballettschule zusammen, um einen "Antrag auf Gewährleistung der Fürsorgepflicht" zu stellen. Sie kritisierten darin auch die viel zu hohe Arbeitsbelastung und die mangelnden Konzepte für den Gesundheitsschutz. Es herrsche in der Staatlichen Ballettschule eine "Kultur der Angst", die das Wohl der Schüler gefährde, hieß es.

Skandal auch an Ballettakademie Wien

Berlin scheint kein Einzelfall zu sein. Im Dezember 2019 musste die künstlerische Leitung der Wiener Ballettakademie zurücktreten. Dort wurde eine Sonderkommission eingesetzt, um herauszufinden, wie es passieren konnte, dass Kinder in Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie getrieben wurden. Auch dort kam es zur Missachtung von Jugendschutzzeiten. Die Sonderkommission bemängelte, dass die medizinisch-therapeutische Versorgung an der Akademie nicht ausreichend sei, deshalb solle ein Kinderschutzbeauftragter eingestellt werden.

Und wie geht es jetzt in Berlin weiter? Die Leitung der Staatlichen Ballettschule war bislang zu den Vorwürfen nicht zu erreichen. Die Bildungsverwaltung des Senats Berlin kündigte an, eine Kommission aus sieben Experten verschiedener Bereiche einzusetzen, um alle im Raum stehenden Vorwürfe aufzuklären.

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