Kommentar: Wat soll dä Kwatsch? | Sport | DW | 18.03.2018
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Bundesliga

Kommentar: Wat soll dä Kwatsch?

Die Meisterschaft ist entschieden, spannend ist dagegen der Abstiegskampf. Und da zeigt sich: Wer sich an einige grundsätzliche (Rheinische) Regeln hält, lebt und spielt besser, meint DW-Redakteurin Sarah Wiertz.

Et kütt, wie et kütt - das ist der zweite Artikel des Kölner Grundgesetzes. Es kommt, wie es kommt, so die Übersetzung ins Hochdeutsche. Es zeugt von der rheinischen Gelassenheit und bedeutet: Habe keine Angst vor der Zukunft. An dieses Motto hält sich auch der FC. Seit dem dritten Spieltag dümpelte er als Letzter im Tabellenkeller der Bundesliga und war dem Abstieg bisher deutlich näher als der Hamburger SV.

Und trotzdem: Während der HSV hysterischen Aktionismus betreibt, nicht nur Trainer sondern auch Vereinsfunktionäre regelmäßig wechselt wie andere Menschen die Unterwäsche, während die Fans randalieren und ihrem Team eher Angst einjagen als sie unterstützen, während einige Spieler ihren Egoismus vor das Wohl der Mannschaft stellen, bleiben der 1. FC Köln und sein Umfeld besonnen. Einmal wurde der Trainer ausgetauscht, gegen einen internen Jugendtrainer, mit dem man auch in die Zweite Liga gehen würde. Das war’s.

Der HSV taugt nicht als Vorbild

Der Lohn für die Besonnenheit und den Zusammenhalt des Vereins: Köln überholt am 27. Spieltag den Bundesliga-Dino und übergibt ihm damit die Rote Laterne. Sieben Spieltage vor Saisonende trennen den FC fünf Punkte vom Relegationsplatz, den derzeit Mainz innehat. Köln, zuletzt 1978 Meister, hat den Abstiegskampf angenommen und konzentriert sich auf das Wesentliche. Ein Sieg, wie der 2:0-Erfolg gegen Leverkusen, gelingt zwar selten, aber man arbeitet jede Woche in Ruhe darauf hin.

DW Kommentarbild Sarah Wiertz

DW-Redakteurin Sarah Wiertz

Als die Rheinländer bis nach dem zehnten Spieltag nur magere zwei Punkte gesammelt hatten, dachten viele an den HSV. Der hatte im Vorjahr schließlich dieselbe Punktzahl nach derselben Anzahl von Spielen. Und rettete sich bekanntermaßen sogar ohne Relegation. Als Vorbild taugen die Norddeutschen dennoch nicht. Denn sie spielen schon seit Jahren nur noch gegen den Abstieg, retten sich oft nur in allerletzter Sekunde. Personell gibt es ständig Veränderungen, dabei müsste struktureller Wandel her. Aber da traut sich keiner ran.

Hysterischer Blick auf die Uhr

In Köln arbeitet man seit der Winterpause an einem zweigleisigen Konzept - eines für die erste, eines für die zweite Liga. Das heißt nicht, dass man sich schon aufgegeben hat. Im Gegenteil, im Rhein-Derby zeigten die Spieler eine leidenschaftliche Moral und gewannen so gegen die qualitativ besseren Gegenspieler. Aber es macht deutlich, dass man beim FC - wie Artikel eins (Et es wie et es) des Rheinischen Grundgesetzes auch vorschreibt - der Realität ins Auge blickt, während man in Hamburg davor die Augen verschließt.

Der FC hat gegenüber dem HSV den Vorteil, dass er in seiner Vereinsgeschichte schon fünfmal abgestiegen ist und eine gewisse Routine hat. Der Sportverein aus Hamburg dagegen ist der einzige Verein in der 1. Liga, der noch nie eine Klasse runter musste. Die Panik, diesen Nimbus zu verlieren, ist nachvollziehbar, der Sache jedoch abträglich. Dieser ständige Blick auf die Uhr im Stadion, die seit dem Bundesliga-Start läuft, deren Zeit seit einigen Jahren stehen zu bleiben droht, hat den HSV zum Hypochonder gemacht. Es lähmt, statt zu motivieren.

Beim FC lebt man dagegen getreu Artikel drei des Rheinischen Grundgesetzes: Et hätt noch emmer joot jeange - es ist bisher noch immer gut gegangen. Das wird schon mit dem Klassenerhalt. Und selbst, wenn es am Ende doch nicht reichen sollte. Dann kommt eben Artikel sieben zur Anwendung: Wat wells de maache? (Füge Dich in dein Schicksal) oder gar Artikel zehn her: Drinks de ejne met?

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