Kommentar: Was nun, Niko Kovac? | Sport | DW | 06.10.2018
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Meinung

Kommentar: Was nun, Niko Kovac?

Was bislang geleugnet wurde, ist nach der Pleite gegen Gladbach Fakt: Der FC Bayern steckt in einer Krise. Und auch wenn er am wenigsten dafür kann, muss jetzt der Trainer Antworten liefern, meint Andreas Sten-Ziemons.

Ratlosigkeit war Bayern-Trainer Niko Kovac nach dem enttäuschenden 1:1 in der Champions League gegen Ajax Amsterdam nachgesagt worden. Ein Vorwurf, den er weit von sich wies und eher "zum Schmunzeln" fand. Umso ratloser muss sich Kovac drei Tage später gefühlt haben, als er beobachten musste, wie groß die Ratlosigkeit seiner Spieler in der Partie gegen Borussia Mönchengladbach war. Eigentlich sollte dieses Spiel alle etwaigen Zweifel an der Klasse der Bayern, alle Diskussionen in Richtung "Bayern-Krise" wegwischen. Das hat überhaupt nicht geklappt, und nun ist guter Rat teuer.

Zu langsam, zu selten direkt nach vorne, zu wenige zündende Ideen und insgesamt viel zu harmlos: Die Bayern kamen ihrem eigentlichen Niveau gegen Gladbach noch nicht einmal in Ansätzen nahe. Bei aller lobenswerten Disziplin, mit der die Borussia das taktische Konzept ihres Trainers Dieter Hecking umsetzte - eine Bayern-Mannschaft in Normalform und ohne Knacks im Selbstbewusstsein hätte dieses Spiel mit Sicherheit nicht 0:3 verloren. Der Auftritt der Münchener erinnerte stark an die Leistung, die man vor etwa einem Jahr in der Champions League bei Paris St. Germain ablieferte, in jenem Spiel, nach dem der damalige Trainer Carlo Ancelotti entlassen wurde.

Beispiellose Negativserie

Andreas Sten-Ziemons

Andreas Sten-Ziemons

Bei den Bayern klappt derzeit gar nichts. Dass der einzige Treffer gegen Gladbach wegen knappem Abseits nicht gegeben wurde, dass sich David Alaba kurz nach einem Bayern-Doppelwechsel zu Anfang der zweiten Halbzeit verletzte und dass Leon Goretzka wegen rutschigen Fingern einen falschen Einwurf fabrizierte, sind nur drei Beispiele dafür, dass den FCB-Profis momentan das Pech an Händen und Stiefeln klebt.

"Wir machen zu viele Fehler, die bestraft werden", analysierte Kovac und wurde fast ein wenig philosophisch: "Mal hat man gute Zeiten, mal hat man schlechte. Wenn man keinen Erfolg im Spiel hat, fängt man an nachzudenken. Dann ergibt das eine das andere. Und dann kommt dieses Ergebnis heraus. Es ist im Moment nicht so, dass wir es gemeinsam auf den Platz kriegen."

Wie wahr! Nach dem 1:1 gegen Augsburg, der 0:2-Pleite in Berlin und dem Remis in der Königsklasse gegen Ajax war die Heimniederlage gegen die Borussia nun schon das vierte schwache Spiel der Bayern in Folge. Eine Negativserie, wie sie sich der Rekordmeister bislang nur selten geleistet hat. Damit steigt der Druck auf Kovac immer mehr. Schon vor dem Gladbach-Spiel hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der seinen Tribünenplatz gegen Gladbach direkt nach dem Abpfiff mit hochrotem Kopf verließ, seinen Coach mit einigen unbedachten Äußerungen ohne Not in die Schusslinie gebracht.

Kovac-Diskussion wird laut werden

Doch spätestens jetzt ist es natürlich der Trainer, der Antworten liefern muss, wie sein Team wieder auf Kurs kommen soll. Dass in der Mannschaft momentan irgendetwas nicht stimmt, war gegen Gladbach mehr als greifbar. Dass wegen der Länderspielpause zwei lange Wochen verstreichen werden, bevor die Bayern die schlechten Eindrücke der vergangenen Spiele mit Positiverem überdecken können, macht es nicht einfacher. Erst am 20. Oktober steht beim VfL Wolfsburg das nächste Pflichtspiel an. Die Diskussionen um den Ex-Frankfurter Kovac, bei dessen Verpflichtung im Sommer bereits laut darüber nachgedacht wurde, ob er nicht eigentlich noch zu "unreif" für den Job beim großen FC Bayern sei, werden lauter werden.

Wichtig für Kovac ist jetzt, dass die Vereinsführung keinen Zweifel daran lässt, dass Kovac weiterhin ihr Mann ist. Schließlich gab es bis vor elf Tagen überhaupt keinen Grund, nicht dieser Auffassung zu sein. Unter Kovac hatten die Bayern ihre ersten sieben Saison-Pflichtspiele allesamt gewonnen. Zu erklären ist der aktuelle Einbruch daher eigentlich nicht. Kovac muss gegenüber seinen Vorgesetzten dennoch eine Erklärung liefern. Im eigenen Interesse am besten eine gute.

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