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Politik

Absurder Vor-Wahlkampf

Kommentarbild Christina Bergmann PROVISORISCH
Christina Bergmann
13. September 2019

Wer fordert Donald Trump heraus? Joe Biden, Bernie Sanders, Kamala Harris oder doch eher Elizabeth Warren? Der Präsidentschafts-Vorwahlkampf in den USA ist zur reinen TV-Show verkommen, meint Christina Bergmann.

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USA TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber
Bild: Getty Images/W. McNamee

Wenigstens passten sie diesmal alle auf eine Bühne, die zehn Präsidentschaftsbewerber und -bewerberinnen der US-Demokraten, die sich für die dritte Fernsehrunde qualifiziert hatten. Bei den ersten beiden Debatten mussten die Sender das Feld noch in zwei Gruppen aufteilen, weil sie die 20 Männer und Frauen nicht an einem Abend unterbrachten. 

Dabei konnte man auch dieses dritte TV-Spektakel, diesmal in Houston, Texas, nicht wirklich Debatte nennen. Denn die Regeln waren ähnlich absurd wie zuvor: Eine Minute und 15 Sekunden blieb den Kandidatinnen und Kandidaten, um auf eine Frage zu antworten, 45 Sekunden für die Antwort auf eine Nachfrage. Niemand konnte so ernsthaft eine substanzielle Auseinandersetzung mit den Krisenthemen des Landes und der Welt erwarten. Gefragt waren wieder einmal allein "Soundbites" - kurze Clips, die möglichst reißerisch daherkommen und im TV- und Social-Media-Universum in Endlosschleifen abgespielt werden können.

TV-Sender wollen Quote, nicht Qualität

Der Prozess, der eigentlich dazu führen soll, den oder die für das höchste US-Amt qualifizierteste Person zu finden, ist schon im vergangenen Wahlkampf zu einer TV-Show verkommen. Wen wundert es, dass das Land derzeit von einem TV-Star regiert wird, der keinerlei Führungsqualitäten, sondern die für eine solche Show notwendigen Eigenschaften mit sich bringt: Narzissmus, Oberflächlichkeit und eine Vorliebe für Dramatik. 

Kommentarbild Christina Bergmann PROVISORISCH
Christina Bergmann war mehrere Jahre als DW-Korrespondentin in den USA

Dass die TV-Sender an einer solchen Inszenierung Interesse haben, hat rein kommerzielle Gründe. Leslie Moonves, der Chef des Senders CBS, erklärte schon 2016 ganz unverblümt angesichts der Kandidatur von Donald Trump und der damaligen Schlammschlachten der Republikaner im Fernsehen: "Es mag nicht gut fürs Land sein, aber es ist verdammt gut für CBS." Die Quoten gingen hoch und mit ihnen die Werbeeinnahmen.

Demokratische Partei will nicht entscheiden

Aber warum spielt die demokratische Partei dieses Theater weiter mit? Ist es doch weder gut fürs Land noch für die Demokraten. Das Motiv ist nachvollziehbar: Mit dem System der Vorwahlkämpfe und der Abstimmungen durch die Bevölkerung in den Bundesstaaten - den Primaries und Caucuses - soll verhindert werden, dass wenige Parteigrößen in Hinterzimmern beschließen, wen sie ins Präsidentschaftsrennen schicken. Aber inzwischen sieht es so aus, als ob sich die Parteiführung einfach nur vor der Entscheidung drücken will, die Herausforderer für Präsident Donald Trump zu bestimmen. Das will die Partei den Amerikanerinnen und Amerikanern überlassen.

Doch auf welcher Grundlage sollen die Wählerinnen und Wähler der Demokraten ihre Wahl treffen bei über 20 Kandidaten? Allein aufgrund von einminütigen "Soundbites" in einer dreistündigen TV-Show? Fundiert kann eine solche Entscheidung nicht sein!

Und was sagt das über die Partei? Dass sie selbst nicht weiß, ob sie nun für radikale "demokratisch-sozialistische" Ideen wie von Bernie Sanders steht oder für das "zurück zur guten alten Zeit" von Joe Biden? Für oder gegen Atomenergie? Wie genau nun das Versprechen der Krankenversicherung für alle umgesetzt werden soll? 

Allein Präsident Trump profitiert

Die Demokraten präsentieren sich als kopfloser Haufen, in dem sich alle gegenseitig beharken. So bieten sie dem gemeinsamen Gegner Angriffsfläche und eben auch jene "Soundbites", die Präsident Trump mit Begeisterung gegen die Kandidatin oder den Kandidaten nutzen wird, die oder der ihn schließlich herausfordert. 

Dabei sollte es so einfach sein. Der amtierende Präsident wird von weniger als der Hälfte der US-Amerikanerinnen und Amerikaner positiv beurteilt. Die Demokraten könnten sich als klare Alternative präsentieren: als eine Partei, die den Klimawandel ernst nimmt und ihn verhindern will, welche die Umwelt schützt, auf internationale Allianzen und auf humanitären Umgang mit Flüchtlingen und Einwanderern setzt und auf vernünftige Waffengesetze. 

Doch das alles geht unter im Klein-Klein der "Debatten"-Gemetzel. Es tut weh, das ansehen zu müssen. Was die demokratische Partei dringend benötigt, ist Führung. Doch die ist nicht in Sicht.