Kommentar: Trumps Rückzug vom Klimaschutz - nicht wirklich schlimm | Kommentare | DW | 05.11.2019
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Klimaschutz

Kommentar: Trumps Rückzug vom Klimaschutz - nicht wirklich schlimm

Es überrascht nicht, dass der US-Präsident das Pariser Klimaschutzabkommen jetzt kündigt. Aber die Entscheidung macht Schlagzeilen. Doch der internationale Klimaschutz ist stabiler, als viele vermuten, meint Jens Thurau.

COP23 UN Klimakonferenz in Bonn Protest (Reuters/W. Rattay)

Proteste gegen Donald Trump bei der Weltklimakonferenz COP 23 vor zwei Jahren in Bonn

Das ist wieder so eine Frontstellung, wie viele Medien sie lieben: Auf der einen Seite warnen Wissenschaftler immer drängender vor den Folgen des Klimawandels, gehen hunderttausende Jugendliche weltweit auf die Straße und fordern, dass endlich etwas passiert. Und auf der anderen Seite stehen ignorante Staatenlenker wie der US-Präsident, welche die alte, die fossile Welt und ihre Profite verteidigen. Nationalismus und Populismus verhindern außerdem, dass die Welt wirklich zusammenarbeitet beim Abbau der Klimagase. Musste nicht ganz aktuell Chile die Ausrichtung der jährlichen UN-Klimakonferenz absagen, weil wegen der Unruhen im Land eine sicheres Treffen mit vielen tausend Menschen nicht mehr gewährleistet werden kann?

187 von 193 Staaten machen mit

Ja, das stimmt alles, aber überraschend schnell fand sich mit Madrid eine Stadt, die einsprang für Chiles Hauptstadt Santiago. Und Donald Trump hatte schon vor rund zweieinhalb Jahren angekündigt, aus dem Pariser Vertrag auszusteigen, eine wirkliche Überraschung ist der Schritt deshalb nicht mehr. Weniger beachtet wird hingegen, dass 187 von 193 UN-Mitgliedsstaaten den Vertrag mittlerweile sehr wohl angenommen haben, zuletzt Russland. Auch wollen Frankreich und China als Reaktion auf Trumps Absage an den Klimaschutz ganz bewusst eine Erklärung verabschieden, wonach die Ziele des Vertrages von Paris von 2015 "unumkehrbar" sind.

Thurau Jens Kommentarbild App

DW-Klimaexperte Jens Thurau

Der Klimavertrag von Paris ist nicht ausreichend. Ob seine Bestimmungen dazu führen, den Temperaturanstieg auf der Erde im Schnitt tatsächlich auf zwei, besser noch auf 1,5 Grad zu begrenzen, das ist unsicher. Aber inmitten der immer hysterischer werdenden Debatte weltweit um den Klimaschutz sei doch mal daran erinnert, dass es diesen internationalen Rahmen nach wie vor gibt. Die Fortschritte bei den jährlichen Klimatreffen mögen oft minimal sein, und es gibt auch Rückschritte. Aber das kann eigentlich gar nicht anders sein bei dem Versuch, die Interessen fast aller Staaten der Erde unter einen Hut zu bringen.

Dem Klimaschutz ist nicht geholfen, wenn sich die Debatte darüber, wer ihn am besten betreibt, oder ob es den Klimawandel überhaupt gibt, immer weiter aufheizt. Von der Aufgeregtheit profitieren am ehesten die Rechtspopulisten, die das Nein zum Klimaschutz neben der Ablehnung der Migration gerade zu ihrem nächsten großen Thema machen.

Kompromisse bleiben auch in Zukunft nötig

Donald Trump verachtet internationale Einigungen - nicht nur beim Treibhauseffekt. Die jugendlichen Demonstranten fordern schnelle Änderungen. Fatal wäre es, wenn die Positionen beider Seiten dazu führen, dass die Menschen mühsame Kompromisse für nicht mehr zeitgemäß halten.

Der Aufstand der Jugendlichen gegen das Nichtstun ihrer Eltern ist richtig und wichtig. Denn er erhöht den Druck auf die Verantwortlichen, weniger zögerlich zur Sache zu gehen und endlich auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Eine Frontstellung wie: Donald Trump, der Bösewicht auf der einen Seite, Greta Thunberg, die Klimaaktivistin auf der anderen, ist aber wenig hilfreich. Es bleibt dabei: Der internationale Klimaschutz ist ein hochkomplexes Geschäft, zu dem es im Moment jedenfalls wenig Alternativen gibt. Ein polternder Klimagegner wie Trump ist für diesen Prozess schlicht irrelevant.

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