Kommentar: Trumps Corona-Rhetorik beeindruckt nicht | Kommentare | DW | 13.03.2020
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COVID-19

Kommentar: Trumps Corona-Rhetorik beeindruckt nicht

Das Einreiseverbot für Europäer ist nur ein Beispiel für den chaotischen Umgang mit der Corona-Pandemie der Regierung von US-Präsident Donald Trump, meint Christina Bergmann. Das könnten nun auch seine Anhänger spüren.

Es ist nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet die Corona-Pandemie den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump ins Straucheln bringt. Ihn, der sich selbst für ein Genie und medizinisches Naturtalent hält, und sich damit brüstet, angeblich so viel über das Virus und seine Folgen zu wissen. Unter dessen Regierung aber systematisch wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und entsprechende öffentliche Ämter abgeschafft werden. Das rächt sich jetzt.

Niemand habe wissen können, sagte Trump, dass es so eine Pandemie geben werde. Niemand außer Luciana Borio, Direktorin für medizinische und biologische Abwehrbereitschaft des Nationalen Sicherheitsrates des Präsidenten. Vor zwei Jahren erklärte sie: "Die größte Sorge ist die Gefahr einer Grippepandemie." Ob man auf so etwas vorbereitet sei? "Ich fürchte nicht", ergänzte sie. Das war einen Tag, bevor ihr Posten und der ihres Chefs von Trumps damaligen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton abgeschafft wurden.

Fehlende und fehlerhafte Tests

Und die USA sind tatsächlich nicht nur nicht vorbereitet, sondern derzeit völlig überfordert, auf die aufziehende Krise zu reagieren, obwohl Trump in seiner Rede an die Nation in dieser Woche das Gegenteil behauptete. Es herrscht ein chronischer Mangel an Tests für das Virus - was auch die noch verhältnismäßig geringe Zahl an (erkannten) Infizierten erklärt. Die ersten Test-Sätze, die die zuständige Behörde verschickte, funktionierten nicht. Über Wochen konnte sich das Coronavirus zum Beispiel im US-Bundesstaat Washington unbemerkt ausbreiten.

Kommentarbild Christina Bergmann PROVISORISCH

DW-Redakteurin Christina Bergmann

Das Versprechen von Trump, dass jeder, der will, getestet werden kann, musste umgehend wieder zurückgenommen werden.

Auch mehrere Aussagen in seiner Rede - die er vom Teleprompter ablas - mussten von seiner Administration umgehend korrigiert oder präzisiert werden: Nein, Handelswaren sind nicht von dem Einreiseverbot betroffen, das Trump für Europa verhängte. Nein, Krankenversicherungen haben nicht die private Zuzahlung bei der Behandlung von Corona-Erkrankten aufgehoben. Und ja, Amerikanerinnen und Amerikaner, die aus Europa kommen, sind genauso von dem Verbot ausgenommen, wie Menschen mit einer US-Aufenthaltserlaubnis (Green Card) und ihre Angehörigen.

Das Kartenhaus stürzt ein

In Zeiten einer Krise ist es die Aufgabe eines Präsidenten, die Nation zu beruhigen - vor allem durch klare und eindeutige Aussagen. Trump dagegen verbreitet derzeit nur Unsicherheit und Chaos. Seine Lügen zerfallen in aller Öffentlichkeit wie ein Kartenhaus. Trumps Hinweis, angesichts von Corona brauche man die Mauer zu Mexiko mehr denn je, wurde vom Direktor des Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention umgehend korrigiert. Eine Mauer hilft nicht gegen ein Virus. Und im Übrigen hat Mexiko nur einen Bruchteil der Corona-Fälle im Vergleich zu den USA.

US-Präsident Trump spricht über die Reaktion der USA auf die COVID-19-Coronavirus-Pandemie (Reuters/D. Mills)

Starrer Blick des US-Präsidenten Donald Trump auf den Teleprompter

Und warum die Ausnahme für Großbritannien? Die britische Insel hat mehr Corona-Infizierte als einige der anderen europäischen Länder, die von dem Bann betroffen sind. 

Der Nutzen für den Präsidenten

Doch Logik und Fakten interessieren Trump ebenso wenig wie Menschen - das ist keine neue Erkenntnis, aber sie tritt jetzt offensichtlicher denn je zu Tage. Abgesehen davon, dass man die Rede kaum empathieloser hätte vortragen können - auch andere Äußerungen Trumps entlarven sein Denken: Die 3500 Menschen an Bord des vor San Francisco gestrandeten Kreuzfahrtschiffes Grand Princess hätten, wenn es nach ihm ginge, doch besser an Bord bleiben sollen - sonst würde sich ja eventuell die Zahl der Corona-Infizierten in den USA erhöhen. Und das könne er ja nun gar nicht gebrauchen.

Es ist gut möglich, dass Trumps Blendwerk durch die Corona-Pandemie auch bei seinen Anhängern immer weniger verfängt. Denn anders als eine abstrakte Bedrohung etwa durch eine angebliche Migranten-Karawane, gegen die vorgeblich nur der Bau einer Mauer zu Mexiko hilft, ist eine COVID-19 Erkrankung sehr real. Sie trifft Nachbarn, Freunde, Verwandte. Sie führt auch jetzt schon in den USA zur Schließung von Schulen und Universitäten, zur Quarantäne von Städten. Und wenn keine Tests vorhanden sind, wenn Menschen nicht angemessen behandelt werden können, weil das Gesundheitssystem überfordert ist, dann spricht sich das in Zeiten der Sozialen Medien wie ein Lauffeuer herum.

Das Coronavirus lässt sich von Trumps großspuriger Rhetorik nicht beeindrucken.

Zu Häme besteht aber kein Grund. Denn den Preis für das Versagen der US-Regierung zahlen die Menschen, für die das Virus zur lebensgefährlichen Bedrohung wird.

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