Kommentar: Tedesco und schwächelnde Konkurrenz | Kommentare | DW | 05.05.2018
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Bundesliga

Kommentar: Tedesco und schwächelnde Konkurrenz

Der FC Schalke 04 zieht als Vizemeister in die Champions League ein. DW-Redakteur Tobias Oelmaier sucht nach den Gründen für den Erfolg und hat Zweifel, dass es in der kommenden Saison so weitergeht.

Nach vier Jahren ist der FC Schalke 04 wieder zurück in der Champions League. Und noch besser: Die Qualifikation gelang nicht mit Ach und Krach auf den letzten Drücker, sondern souverän als deutscher Vizemeister schon am vorletzten Spieltag. Rang zwei in der Bundesliga ist den Schalkern nicht mehr zu nehmen. Weder vom Dauerrivalen aus Dortmund, noch von den Neureichen aus Leipzig und Hoffenheim, und auch Leverkusen konnte Königsblau in dieser Saison nicht das Wasser reichen.

Vor einem Jahr hatte das noch ganz anders ausgesehen. Da beendeten die Gelsenkirchener die Spielzeit als enttäuschender und enttäuschter Zehnter, weit weg von den internationalen Plätzen.

Was ist seither geschehen? Zum einen konnten weder Leipzig noch Hoffenheim ihre Erfolge wiederholen. Sowohl die Sachsen als auch die Mannschaft von Julian Nagelsmann mussten erkennen, dass es viel schwieriger ist, Leistungen zu bestätigen, als einfach mal zu überraschen. Die Konkurrenz also hat Schwächen gezeigt. Die Kunst der Schalker war es, diese zu nutzen. Schon jetzt haben sie 17 Punkte mehr geholt als nach dem 34. Spieltag der Vorsaison.

Oelmaier Tobias Kommentarbild App

DW-Redakteur Tobias Oelmaier

Und das trotz eines im Spitzenfußball völlig unbeleckten Trainers: Domenico Tedesco hatte mit seinen damals 31 Jahren nur in der 2. Bundesliga bei Erzgebirge Aue für ein paar Monate Profi-Luft geschnuppert, als Schalke ihn verpflichtete. Selbst war er nur in der Kreisliga aktiv, aber beim DFB-Fußballlehrer-Lehrgang machte er als Jahrgangsbester mit der Gesamtnote 1,0 auf sich aufmerksam. Er gehört zu den hochgelobten, aber auch kritisch beäugten "Konzept-Trainern". Besessen von der Videoanalyse, taktisch versiert, schaffte er es, sein Team auf die meisten Gegner richtig einzustellen.

Champions League könnte Kraft kosten

Und wenn das mal nicht klappte, dann war auf seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten Verlass, so wie beim Revierderby Ende November. Schalke lag zur Halbzeit mit 0:4 gegen Dortmund zurück, nach Tedescos Pausenansprache reichte es noch zum Unentschieden. Das schafft nur einer, der die Sprache der Spieler spricht.

So träumen die Fans in Gelsenkirchen von Europapokal-Nächten gegen Madrid oder Manchester. Ausruhen sollten sich die Macher auf diesem Erfolg aber nicht. Der Überraschungseffekt wird verpuffen, die beiden wohl begabtesten Spieler im Kader, Leon Goretzka (zu Bayern) und Max Meyer (Ziel noch unbekannt), werden den Verein verlassen. Mark Uth (aus Hoffenheim) und Selif Sané (aus Hannover) sind die bisher einzigen namhaften Neuverpflichtungen. Hier muss Manager Christian Heidel noch viel unternehmen, Qualität und Quantität einkaufen. Denn die Mehrfachbelastung durch die Champions League wird die Spieler auslaugen. Immerhin kann Heidel ab jetzt mit Mehreinnahmen von mindestens 30 Millionen Euro aus dem internationalen Wettbewerb rechnen. 

Das klingt nach viel Geld. Legt man derzeitige Maßstäbe an, bekommt man dafür allerdings nur ein bis zwei wirklich gute Spieler. Und die Dortmunder, die Leipziger, die Leverkusener, sie alle werden sich sicher alle Mühe geben, im kommenden Jahr mindestens "best of the rest" zu werden. Ob Schalke da wieder mithalten kann? Es wäre eine noch größere Überraschung als Platz zwei in diesem Jahr.

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