Kommentar: Schalke-Krise an allen Fronten | Sport | DW | 20.06.2020
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Bundesliga

Kommentar: Schalke-Krise an allen Fronten

Wohl kaum ein anderer Verein wünscht so sehnlich das Ende der Bundesliga-Saison herbei wie der FC Schalke. Sportlich läuft es derzeit überhaupt nicht, aber das ist nicht das einzige Problem, meint Andreas Sten-Ziemons.

15 Spiele in Folge ohne Sieg - der FC Schalke 04 dehnt seine Negativ-Rekordbilanz aus und erinnert in keiner Weise mehr an den Spitzenklub, der er selbst gerne wäre. Auch der 33. Spieltag brachte keine Wende zum Besseren. Mit 1:4 verloren die Schalker gegen den VfL Wolfsburg und wurden dabei phasenweise regelrecht vorgeführt.

Trainer David Wagner wird seit Wochen nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, dass er viele verletzte Spieler ersetzen muss, und wie jung und unerfahren die Spieler sind, die auf dem Platz die Kohlen aus dem Feuer holen sollen. Daran mag etwas Wahres sein, allerdings wirkt es hilflos, ja fast ein wenig peinlich, wenn Wagner auch dürftigste Auftritte seiner Elf mit den Worten kommentiert: "Zu einer anderen Leistung sind wir momentan nicht in der Lage."

Lange Zeit ohne Europa

Kommentarbild von Andreas Sten-Ziemons (Slawa Smagin)

Andreas Sten-Ziemons

Abgesehen von der enttäuschenden sportlichen Leistung hat die Corona-Krise offengelegt, dass es beim Revierklub auch sonst nicht überall zum Besten bestellt ist. Vor allem die Schalker waren darauf angewiesen, dass - egal wie - wieder Fußball gespielt wird, damit die TV-Gelder fließen, die man längst ausgegeben hat. Dass es sportlich in der aus Geisterspielen bestehenden Restsaison überhaupt nicht lief und Schalke sich weit aus den Europapokal-Rängen herauskatapultiert hat, birgt dabei eine gewisse Ironie. Wäre die Saison nach dem 25. Spieltag abgebrochen worden, wäre Schalke als damaliger Sechster möglicherweise in der Europa League dabei gewesen.

So aber wird die nächste Teilnahme am Europapokal wohl einige Zeit auf sich warten lassen. Schalke kann sich in näherer Zukunft keine größeren finanziellen Sprünge erlauben. Der unausgewogene Kader kann nicht mit herausragenden Akteuren verstärkt werden. Rund 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasten die Schalker. Und die Spieler, die man einst teuer geholt hat, die man jetzt aber gerne loswürde, können nicht mit Gewinn veräußert werden, weil sie ihren Marktwert auf Schalke nicht gehalten haben.

Wie geht es weiter?

Ohnehin ist momentan noch nicht klar, wer sich im Vereinsvorstand künftig um das Thema Finanzen kümmern wird. Anfang des Monats endete die Ära von Finanzvorstand Peter Peters, nach 27 Jahren im Verein. Vorausgegangen waren peinliche Aktionen wie die Regelung, dass die Fans nur im Härtefall Geld für Dauerkarten zurückfordern durften. Oder die Entlassung von 24 Fahrern, die im Auftrag des Vereins auf 450-Euro-Basis Jugendspieler zum Training und wieder nach Hause kutschieren. Bei vielen Fans haben die Vereins-Oberen um Clemens Tönnies, der momentan wegen zahlreicher Corona-Fälle in seinem Schlachtbetrieb in der Kritik steht und zuvor bereits mit einem Rassismus-Eklat für Negativschlagzeilen gesorgt hatte, einiges an Vertrauen kaputtgemacht.

Kurz gesagt: Sportlich, finanziell und kommunikativ ist diese Saison eine zum Vergessen für den FC Schalke 04. Allerdings wird sie auch die nähere Zukunft des ehemaligen Spitzenklubs noch prägend beeinflussen.

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