Kommentar: Präsident Trump nimmt Amerikanern ihren Feiertag | Kommentare | DW | 05.07.2019
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Independence Day

Kommentar: Präsident Trump nimmt Amerikanern ihren Feiertag

Panzer und Politik: Donald Trump hat Amerikas Nationalfeiertag an sich gerissen, ohne sich um die apolitische Tradition des 4. Juli zu scheren. Das zeigt, wie wenig Respekt er vor seinem Volk hat, schreibt Carla Bleiker.

Der Unabhängigkeitstag der USA ist ein Großereignis für die Amerikaner. Ob an der schicken Ostküste, im ländlichen Mittleren Westen oder in den liberalen Großstädten Kaliforniens - überall ist der 4. Juli für die Menschen ein Grund, zusammenzukommen, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen und sich ein Feuerwerk anzuschauen. In einem Land, das an den meisten anderen Tagen im Jahr entlang ideologischer Gräben zutiefst gespalten ist, verbindet der Nationalfeiertag die Menschen.

Deswegen ist es besonders verstörend, dass Donald Trump ausgerechnet Amerikas Geburtstag für seine Zwecke missbraucht. Nochmal zum Mitschreiben: Nein, es nicht normal, dass ein amtierender Präsident am Tag der Unabhängigkeitsfeier eine Rede in Washington hält. Das geschah bisher erst ein einziges Mal: 1951, als Präsident Harry S. Truman in einer Ansprache am Washington Monument das Publikum über den aktuellen Stand im Koreakrieg informierte.

Carla Bleiker APP Kommentarbild vorläufig

Carla Bleiker, DW-Kor­re­s­pon­den­tin in Washington

Am diesjährigen 4. Juli befindet sich Amerika nicht im Krieg. Trotzdem hat Präsident Trump beschlossen, in seiner "Salute to America"-Feier das Militär zu ehren. Schwere Panzer wurden extra aus Georgia mit dem Zug geliefert, sehr zum Leidwesen der Stadtverwaltung und anderer Kritiker, die besorgt darüber waren, dass die Panzer Straßen beschädigen oder sogar eine Brücke zum Einsturz bringen könnten.

Doch das war Donald Trump egal. Schon lange wollte er eine Militärparade in Washington abhalten, und ohne Panzer ist es für ihn nun mal keine echte Militärparade. 

Keine Regierung des Volkes

Paraden mit Panzern und Politikern verbindet man eher mit autoritären Staaten wie Nordkorea oder Russland - beides Länder, denen Trump in jüngster Vergangenheit zugetan schien. Dass Trump seinen Bürgern jetzt den apolitischen Nationalfeiertag wegnimmt, um seinen Willen durchzusetzen, zeigt, dass er sich keinen Deut um Zusammenhalt und Unparteilichkeit schert. Für ihn zählen nur große Gesten und Macht.

Seine Rede beginnt mit dem Gedenken an das militärische Heldentum von George Washingtons Truppen, die sich im Unabhängigkeitskrieg gegen die zahlenmäßig überlegenen Briten durchsetzten. Auch über die Abschaffung der Sklaverei spricht der Präsident vor dem Lincoln Memorial. Und davon, dass eben jener Präsident Abraham Lincoln in seiner Gettysburg Address 1863 eine "Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk" auslobte.

Doch das hat einen schalen Klang auf einer Feier wie dieser, der viele Hauptstadt-Anwohner aus Protest fernblieben, weil sie das Verhalten ihrer Regierung am Nationalfeiertag "beschämend" oder "widerlich" finden, wie sie in den sozialen Medien schrieben.

Schlachthymne am Unabhängigkeitstag

Es spricht nichts dagegen, die Männer und Frauen in der Army, der Navy und den anderen Zweigen des US-Militärs zu würdigen. Aber der 4. Juli, Feiertag des gesamten amerikanischen Volkes, ist der falsche Tag für so eine Feier und die National Mall im Herzen Washington ist der falsche Ort für Panzer und Kampfjets. Präsident Trumps Lobeshymnen auf die Militärangehörigen an diesem Unabhängigkeitstag sind ein durchsichtiger Versuch, von ihrem hohen Ansehen in der US-amerikanischen Gesellschaft, speziell unter konservativen Amerikanern, zu profitieren.

Das politisierte Militärbrimborium endet mit der "Battle Hymn of the Republic". Dieser Nationalfeiertag wird vielen Amerikanern noch lange in Erinnerung bleiben - und nicht auf gute Art und Weise.

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