Kommentar: Kovacs Meisterstück | Kommentare | DW | 19.05.2018
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DFB-Pokal

Kommentar: Kovacs Meisterstück

Niko Kovac vergießt nach dem sensationellen DFB-Pokalsieg Freudentränen. Nicht nur Frankfurt, ganz Fußball-Deutschland ist dem künftigen Bayern-Trainer zu Dank verpflichtet, meint DW-Sportredakteur Stefan Nestler.

Auch in der Stunde des Triumphs blieb Niko Kovac ein fairer Sportsmann. Als er im ARD-Interview in aller Ruhe die umstrittene Szene in der Nachspielzeit ansah, in der Schiedsrichter Felix Zwayer beim Stand von 2:1 für Eintracht Frankfurt auch nach Videobeweis nicht auf Strafstoß für den FC Bayern entschieden hatte, sagte Kovac: "Ich bin der Meinung: Das war ein Elfmeter." Kevin Prince Boateng hatte Javi Martinez am Fuß getroffen. Hätte Zwayer auf den Punkt gezeigt, wäre das Pokalspiel in die Verlängerung gegangen, Ausgang ungewiss. Stattdessen schob wenig später Mijat Gacinovic den Ball sogar noch zum 3:1 für die Eintracht ins leere Tor, nachdem Bayern-Torwart Sven Ulreich nach vorn geeilt war, um vielleicht doch noch den Ausgleich zu erzwingen. Frankfurt ist DFB-Pokalsieger. Das darf man getrost als Sensation bezeichnen, liegen doch finanziell und auch sportlich Welten zwischen der Eintracht und den Bayern.

Konter im ICE-Tempo

Aber der Erfolg der Hessen an diesem Abend war nicht unverdient. Niko Kovac hatte seine Mannschaft perfekt eingestellt. Hinten stand die Eintracht meist sicher und ließ nur so viel zu, wie man eben zulassen muss, wenn man gegen die Münchener spielt. Mit ein bisschen Glück überstanden die Frankfurter einige heikle Situationen. Doch Frankfurt mischte nicht nur Beton an, sondern setzte auch Nadelstiche. Gleich der erste führte zum 1:0 durch Ante Rebic nach einem blitzschnellen Konter. Die Bayern hatten gute Chancen zum Ausgleich, doch die Eintracht rettete mit Glück und Geschick die Führung in die Pause.

Nestler Stefan Kommentarbild App

Stefan Nestler, DW Sport

Als früh in der zweiten Hälfte der Ausgleich durch Lewandowski fiel, dachten die meisten wohl, dass die Frankfurter jetzt einbrechen würden. Doch wieder schlugen sie gnadenlos zu, erneut durch Rebic, wieder nach einem Angriff im ICE-Tempo. Auch hier wurde der Videobeweis wegen eines vermeintlichen Handspiels bemüht, doch Schiedsrichter Zwayer gab den Treffer - in dem Fall zurecht.

Bayern ist besiegbar

Die schon beschriebene Schlussphase war turbulent. Doch auch hier galt: Die Eintracht verlor nicht die Ordnung, hatte dazu das nötige Quäntchen Glück und die Abgebrühtheit, um die Partie endgültig zu entscheiden. Niko Kovac hat den Bayern, seinem künftigen Arbeitgeber, an diesem Pokalabend den Zahn gezogen und allen Kritikern bewiesen, dass er bis zur letzten Minute bei der Eintracht alles für deren Erfolg gegeben hat.

Der 46-Jährige lieferte eine taktische Meisterleistung ab und bescherte nicht nur den Frankfurter Fans einen unvergesslichen Abend. Kovac bewies, dass selbst die beste deutsche Fußballmannschaft - und das bleiben die Bayern auch nach der bitteren Niederlage im DFB-Pokalfinale - von einem entschlossen und clever aufspielenden Gegner besiegt werden kann. An einem Tag, an dem alles zusammenpasst. Ohne Kovac wäre dieses kleine Fußballwunder nicht zustande gekommen.

Guter Anfang

Fußball DFB Pokal Finale Bayern München Eintracht Frankfurt (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Ex- und Bald-Bayern-Trainer: Heynckes (l.) und Kovac

"Mit dem Pokalsieg lässt es sich gut in München anfangen", gab Bayern-Trainer Jupp Heynckes seinem Nachfolger Kovac mit auf den Weg, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte. Der 73-Jährige hatte sich seinen Wiedereintritt in den Ruhestand selbstverständlich anders vorgestellt, stellte aber fest: "Die Eintracht ist ein würdiger Sieger." Heynckes ist eben auch ein fairer Sportsmann - wie Niko Kovac. 

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