Kommentar: DFB und Frauenfußball - Taten statt großer Worte! | Sport | DW | 31.10.2020
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Meinung

Kommentar: DFB und Frauenfußball - Taten statt großer Worte!

Seit 50 Jahren gibt es auch beim Deutschen Fußball-Bund offiziell Frauenfußball. Doch die konsequente Rückendeckung durch den Verband fehlt noch immer, meint Jasmina Schweimler. 

Der deutsche Frauenfußball stagniert bereits seit einiger Zeit, die Kritik von außen und innen wird immer größer. 50 Jahre ist keine lange Zeit. Die Rückblicke auf die Anfänge und historischen Momente sind zwar schön, aber es wäre doch ein viel wichtigeres Zeichen gewesen, ein Versprechen für die kommenden Jahre zu geben und die Energie stattdessen in die Verbesserung und Gestaltung der Zukunft zu stecken. Es muss sich endlich etwas bewegen.

FC Bayern- und Nationalspielerin Lina Magull sagte erst vor kurzem, dass der DFB sich zwar augenscheinlich Mühe gebe, die Prioritäten des Verbandes aber klar auf dem Männerfußball lägen und der Frauenfußball des Öfteren zu kurz komme. Torfrau Almuth Schult forderte derweil im Interview mit dem NDR mehr Aufmerksamkeit. Auch in der Vergangenheit hatten sich Spielerinnen und Verantwortliche immer wieder so geäußert, doch getan hat sich nicht viel.

Viel Kritik, wenig Konsequenzen

Die Frauen-Bundesliga ist für nationale und internationale Fans kaum erreichbar. Eine eigene Homepage hat die Liga beispielsweise nicht. Warum eigentlich nicht? TV-Präsenz ist Mangelware, Reporter müssen sich bei Spielen oft auf einen Liveticker verlassen und auf Unterstützung der Vereine vor Ort hoffen.

Dass die Ligaspiele nur zweite Garde sind, zeigte sich erst Anfang des Monats, als die Partie zwischen 1899 Hoffenheim und Werder Bremen aufgrund einer Überschneidung doch nicht gezeigt wurde. Der Sender hatte den DFB bereits im Vorfeld über diese Möglichkeit informiert, doch erst als viele Fans ihren Unmut kundgetan hatten, folgte eine Reaktion auf Twitter. Ein kurzfristiges Switchen der Live-Spiele auf andere Sender oder generelle Übertragungen auf DFB-TV lasse die Rechtelage nicht zu, doch der DFB arbeite intensiv an einer Lösung, hieß es.

Im Juli spielten Titelverteidiger VfL Wolfsburg und die SGS Essen ein packendes und spannendes DFB-Pokalfinale aus, das sich erst im Elfmeterschießen entschied. Unmittelbar danach stieg die ARD aus der Übertragung aus und zeigte stattdessen den Vorlauf zum Männer-Pokalfinale. Interviews, Pokalübergabe und die emotionalen Feierlichkeiten gab es stattdessen nur als Livestream. Zwar kann man in beiden Fällen dem DFB keinen Vorwurf machen, allerdings wäre hier mehr Unterstützung für den Frauenfußball wünschenswert gewesen. Die Spielerinnen hätten sie verdient.

Männer haben immer noch Priorität

Die Frauen-Bundesliga zählt spielerisch seit Jahren zu den besten Ligen der Welt, doch es ist ein deutlicher Trend zu erkennen: Top-Akteurinnen wagen immer öfter den Schritt ins Ausland. In England geht es nicht nur um Geld - es geht auch um Anerkennung. In Sachen Präsenz und Vermarktung werden da neue Maßstäbe gesetzt, in den USA spielten die Portland Thorns im August vergangenen Jahres vor über 25.000 Zuschauern. Auch andere Länder haben das Potential erkannt.

Es ist an der Zeit, dass den Spielerinnen, Verantwortlichen und Fans endlich zugehört und gehandelt wird. Die Wünsche sind doch simpel: Es geht um grundlegende Akzeptanz, Respekt und Betreuung. Dass wir in 2020 noch nicht weiter sind, ist traurig - und inakzeptabel.

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