Kommentar: Der scheinheilige Klima-Aktionismus | Kommentare | DW | 11.04.2019
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Klimawandel

Kommentar: Der scheinheilige Klima-Aktionismus

Der Greta-Hype, ein spezielles Klima-Kabinett und jede Menge grüne Ideen, was man alles verbieten sollte. Die deutsche Klima-Hysterie entbehrt inzwischen jeder Sachlichkeit, meint Henrik Böhme.

BdT Deutschland Berlin | Fridays for Future - Protest (Reuters/M. Tantussi)

"Fridays For Future"-Protest vergangene Woche in Berlin - die große Blase als Sinnbild

Deutschland war ja nie wirklich ein Klima-"Vorreiter", wie immer wieder behauptet wird. Und also war auch Angela Merkel nie wirklich eine "Klima-Kanzlerin". Nur zufällig dient das Jahr 1990 als Berechnungsgrundlage für CO2-Reduktionsziele - und da hatte Deutschland einfach unverschämtes Glück, dass im Osten des Landes noch die ganzen schmutzigen Fabriken liefen. Die mussten dann nach der Deutschen Einheit recht schnell schließen, was die CO2-Bilanz natürlich mächtig aufgehübscht hat. In den vergangenen zehn Jahren hingegen sind die Emissionen von Treibhausgasen hingegen kaum noch gesunken.  

Hätte es den GAU von Fukushima nicht gegeben, würden die deutschen Kernkraftwerke weiterhin ungestört Strom erzeugen. Aber die Schockwellen aus Japan führten bei der selbsternannten Klima-Kanzlerin zu einer doppelten Kehrtwende. Den im Jahr 2000 von Sozialdemokraten und Grünen ausgehandelten Atomausstieg hatte sie bald nach ihrem Amtsantritt 2005 wieder gekippt, noch ein Jahr vor Fukushima sprach Merkel von der "Kernkraft als Brückentechnologie", um dann im Sommer 2011 ein erneutes Atom-Moratorium zu verkünden.   

Ein Milliarden-Desaster namens "Energiewende"

Seither kämpft Deutschland mit den Folgen der von der Bundesregierung ausgerufenen "Energiewende". Die hat zwar in der Tat dazu geführt, dass der Anteil des Stroms, der aus regenerativen Quellen erzeugt wird, deutlich zugenommen hat. Aber zu welchem Preis? Milliarden und Abermilliarden an Kosten. Genauer: 160 Milliarden Euro in den vergangenen fünf Jahren! Ergebnis: Die höchsten Energiepreise in Europa (was zum einen die privaten Verbraucher trifft, aber auch der Wirtschaft im Lande schadet). Allein: Dieses verdammte Kohlendioxid will trotzdem nicht weniger werden. Deswegen soll jetzt auch noch eine Verkehrswende her. 

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Da kann man schon mal fragen: Hätte man die 160 Milliarden (oder jedenfalls einen großen Teil davon) direkt in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur gesteckt - wäre das nicht ein viel effektiverer, weil direkterer Weg gewesen, um die CO2-Bilanz zu verbessern? Wo sich doch die grüne Klientel dieser Republik derzeit geradezu fanatisch auf den Verkehrssektor eingeschossen hat, der ja angeblich Schuld ist am ganzen Klimaübel? (Dabei macht der Verkehrsbereich nur 18 Prozent der CO2-Belastung insgesamt aus - aber das nur nebenbei.) Was da derzeit grüne Partei-Funktionäre von sich geben, lässt einen angst und bange werden: Verbot von Kurzstreckenflügen, Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2030 - auf in den ökologischen Sozialismus!

Wie wäre es stattdessen mit einem marktwirtschaftlichen Ansatz? Sprich: einem marktgerechten Preis für CO2

Und nun auch noch ein Klima-Kabinett! Da müssen Minister nachsitzen, weil sie nicht in der Lage sind, ressortübergreifend zu agieren, um Klimaschutzziele zu erreichen. Richtig lustig wird die Sache, wenn, wie geplant, die Ministerien Strafen zahlen müssen, wenn sie Klimaschutzziele verfehlen. Klimakabinett? Wohl eher ein Grusel-Kabinett! Fehlt bloß noch, dass sie die neuen jungen Klima-Stars einladen wie Greta Thunberg oder deren deutsches Pendant Luisa Neubauer. Das wäre der Gipfel der Verlogenheit.

Wider der Klima-Panikmache!

Nicht, das wir uns falsch verstehen: Ich finde es großartig, dass junge Menschen auf die Straße gehen, und ihre Sorgen artikulieren. Die Jugendlichen bekommen schließlich tagein, tagaus in der Schule, in den Nachrichten, die Angst vor der kurz bevorstehenden Apokalypse eingeimpft. "Wir fahren den Planeten an die Wand!", ist einer der Kernsätze der Klima-Populisten, die aus dem gigantischen Netzwerk der Welt-Klimaforscher noch hervorstechen durch ihre andauernde Medien-Präsenz. (Wer so argumentiert, duldet übrigens keinen Widerspruch.)

Wenn die Klimaforscher jetzt glauben, mit der "Fridays for Future"-Bewegung Verbündete gewonnen zu haben: Falsch! Die jungen Menschen sind nur Opfer der großen, sich selbst verstärkenden Klima-Blase. Hinter dieser Klima-Blase steckt in Wirklichkeit noch etwas viel grundsätzlicheres: Es ist eine unverhohlene Kritik am vorherrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem (welches Schuld sein soll, dass der "Planet an die Wand fährt").

Nein, ich kann dieser Klima-Panikmache wirklich nichts abgewinnen. Es geht nicht darum, den Klimawandel zu leugnen. Es geht darum, sich eine eigene Meinung zu bilden, zu schauen, was man selbst tun kann. Ich halte es mit dem großartigen, leider zu früh verstorbenen, Wissenschaftler Hans Rosling. Der Schwede hat mit "Factfulness" das optimistischste Buch der letzten Dekade vorgelegt. Darin heißt es: "Wenn ich gesagt bekomme, etwas müsse sofort geschehen, beginne ich zu zögern. Meistens steckt der Versuch dahinter, mich vom Denken abzuhalten."

Dem ist nichts hinzuzufügen. 

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