Kommentar: Das ganz feine Streich-Orchester | Kommentare | DW | 05.10.2019
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Bundesliga

Kommentar: Das ganz feine Streich-Orchester

Er sprang nach dem Ausgleich umher, als wäre es ein Sieg. Kaum jemand freut sich so über das Team wie Freiburgs Trainer Christian Streich. Marko Langer freut sich mit und empfiehlt dringend eine Reise in den Schwarzwald.

Waren Sie schon mal in Liverpool? Fußball-Fans, die das Vergnügen hatten, die "Reds" an der Anfield-Road und dort ihren Manager Jürgen Klopp zu erleben, schwärmen noch Monate später von der besonderen Atmosphäre, die sich dort entfaltet. Über den Segen des großen Geldes, das in der Premier League eine Rolle spielt, decken wir hier einmal für ein paar Zeilen den Mantel der Fußball-Fan-Nachsicht.

In Deutschland sollte man, um in Sachen Liverpool-Gefühl mitreden zu können, bald an die Schwarzwaldstraße 193 in Freiburg fahren und sich eine der 24.000 Eintrittskarten für ein Spiel der Heimmannschaft besorgen. Der SC Freiburg unter seinem Trainer Christian Streich schickt sich an, zu einer wirklichen Attraktion im deutschen Fußball zu werden. Es liegt auch an der ganz besonderen Atmosphäre, die sich hier entfaltet. Ganz ohne den erwähnten Segen. 

Achten Sie auf das Spielgeschehen!

Wenn Sie als Fan denn eine der 24.000 Eintrittskarten ergattert haben, können Sie - je nachdem, wo Sie stehen - entweder auf die altmodischen Säulen schauen, die das Dach über der Tribüne halten. Oder Ihr Blick fällt auf die Berge, die sich hinter dem Stadion auftun. Nicht umsonst heißt der Bau Schwarzwald-Stadion. Aber achten Sie lieber auf das Spielgeschehen!

Fußball Dreisam-Stadion SC Freiburg Fans (Reuters/K. Pfaffenbach)

Tribüne im Freiburger Stadion

Dass der FC Freiburg so famos in diese Saison gestartet ist und sich völlig zu Recht auf Platz zwei der Tabelle wiederfindet, hat natürlich nicht ausschließlich mit der pittoresken Stimmung zu tun. Es liegt an einer Mannschaft, die sich nicht aufgibt, die kämpft, die an den Sieg glaubt oder wenigstens an ein Unentschieden, wie an diesem Samstag gegen Borussia Dortmund. Es liegt an Leistungsträgern wie Torwart Alexander Schwolow und an Torjägern wie Luca Waldschmidt oder Nils Petersen. Es liegt auch am gegenwärtigen Kapitän Christian Günter, der an der linken Außenbahn auch an diesem Samstag wieder ein großes Spiel machte.

Marko Langer Kommentarbild App PROVISORISCH (Sarah Ehrlenbruch)

Marko Langer, DW-Autor

Alles nach vorne

Und dann ist da noch dieser Christian Streich. Kantig, kauzig, kompetent. Als seine Freiburger Jungs am Samstag zwischenzeitlich gegen den nominell viel besser besetzten BVB unter Druck gerieten, da gab der Trainer kaum eine Minute Ruhe. Der Coach könnte nach solchen Spielen mit Fug und Recht behaupten, die Partie mit gewonnen oder verloren zu haben. Diesmal gewann er auch, weil er mit den eingewechselten Nils Petersen und Vincenzo Grifo in den letzten 20 Minuten der Partie alles nach vorne warf.

So einen hätten andere auch gerne 

Ein Trainer, der etwas riskiert. Einer, der das Spiel lebt. Der hier in Freiburg unangefochten das Sagen hat. So einen gibt es sonst nur an der Anfield Road zu Liverpool. Man kann sich nicht recht vorstellen, dass der 54-Jährige da einmal arbeiten will, den englischen Titel "Manager" tragend. Doch klar ist: Einige große Klubs würden schon jetzt große Schecks ausstellen, um so einen wie Streich zu haben. Schecks? So etwas Altmodisches könnte Streich doch gefallen. Ach, und das Geld? Da hätte der Mann sicher einen Spruch parat.

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