Kommentar: Bewährung für Kruse! | Kommentare | DW | 23.04.2017
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Kommentare

Kommentar: Bewährung für Kruse!

Werder-Profi Max Kruse sollte nach seinen elf Rückrundentoren wieder eine Chance in der Nationalelf bekommen, kommentiert Tobias Oelmaier - wenn auch auf Bewährung. Der Confed-Cup wäre eine gute Gelegenheit.

Max Kruse hat schon einigen Mist gebaut in seiner Karriere. Vor anderthalb Jahren ließ er 75.000 Euro in einem Berliner Taxi liegen, ein paar Monate später zoffte er sich mit einer Bild-Reporterin, die ihn bei seiner Geburtstagsfeier in einem Club ohne Erlaubnis fotografiert hatte. Und irgendwann hat er wohl auch ein Video verschickt, in dem er sein bestes Stück massiert - und es war nicht sein starker linker Fuß.

Zum Schuldnerberater oder für das Amt des Bundespräsidenten taugt man mit so einer Vita wohl nicht mehr. Aber Max Kruse ist Fußballprofi. Und Bundestrainer Joachim Löw nimmt es mit der Kinderstube und der Moral seiner Kaderkandidaten manchmal sehr genau. So strich er Kruse aus der Auswahl der Bewerber für die Europmeisterschaft 2016.

Oelmaier Tobias Kommentarbild App

Tobias Oelmaier: "Andere haben auch Mist gebaut"

Strafbar, das muss man festhalten, war weder der Disput mit der Boulevard-Journalistin noch das Verschlampen eines fünfstelligen Geldbetrages und wohl auch nicht das Nacktvideo. Da haben sich andere DFB-Kicker schon Gravierenderes geleistet. Marco Reus zum Beispiel fuhr jahrelang mit gefälschtem Führerschein und durfte bleiben. Lothar Matthäus plauderte Nationalmannschafts-Interna aus und wurde später ebenso zurückgeholt wie Stefan Effenberg nach seinem Stinkefinger während der WM 1994.

Klar - diese drei haben oder hatten sich durch Leistung unverzichtbar gemacht. Kruse dagegen wäre ohnehin nur als Ergänzungsspieler mit nach Frankreich gefahren. An so einem lässt sich leicht ein Exempel statuieren. Dass Kruse damals in der Rückrunde auch noch sportlich nachgelassen hatte, machte Löw die Entscheidung sicher einfacher.

Jetzt aber ist Kruse plötzlich wieder top. Fast im Alleingang hat er seinen neuen Arbeitgeber Werder Bremen aus dem Abstiegskampf auf einen Europa-League-Platz geführt. Gegen Ingolstadt schnürte er am Samstag den ersten Werder-Viererpack seit drei Jahrzehnten. Keine Frage - sportlich hätte sich der 29-Jährige eine Einladung zum DFB-Team verdient.

Jetzt müsste nur noch Joachim Löw über seinen Schatten springen. Er muss abwägen, ob er Kruse trotz dessen Vergangenheit noch eine Chance gibt. Denn eine erfolgreiche Mannschaft, das weiß Löw nur zu gut, setzt sich nicht aus elf oder 23 Einzelkönnern zusammen. Er braucht Teamplayer, auf die er sich verlassen kann und vor allem welche, auf die sich die Mannschaftskameraden verlassen können.

Nun steht der Confed-Cup in diesem Sommer vor der Tür. Die großen Stars sollen dann eh eine Pause bekommen, auf die Reise nach Russland haben sie keine große Lust. Im Angriff herrscht beim Vergleich der Kontinentalmeister mit dem Weltmeister und dem kommenden WM-Gastgeber besonders große Not. Da liegt es doch auf der Hand, Kruse einzuladen, ihn drei Wochen aus nächster Nähe zu beobachten. Im schlimmsten Fall kann Löw ihn ja ganz einfach wieder nach Hause schicken.

 

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