Kommentar: Armutszeugnis für die Bundesliga | Kommentare | DW | 07.04.2018
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Bundesliga

Kommentar: Armutszeugnis für die Bundesliga

Der FC Bayern ist deutscher Meister - zum sechsten Mal in Folge. Diese Dominanz rührt allerdings nicht nur daher, dass die Münchener so gut sind, sondern die Konkurrenz so schlecht, meint Andreas Sten-Ziemons.

Mal ernsthaft: Wer findet das noch unterhaltsam? Die Bayern sind zum sechsten Mal in Folge deutscher Meister, zum sechsten Mal in Folge mit mehr oder weniger riesigem Vorsprung vor Rang zwei. Eine Woche nach dem 6:0-"Erdrutschsieg" gegen peinlich auftretende Dortmunder reichte dem deutschen Rekord- und Serienmeister ein 4:1-Sieg beim FC Augsburg zum neuerlichen Erfolg. Jubel, Trubel, hoch die Tassen!

Dass die Bayern sich über ihren 28. Meistertitel in ihrer 53. Bundesliga-Saison freuen, sei ihnen gegönnt, aber auch die Münchener selbst werden nicht leugnen, dass es ihnen momentan extrem einfach gemacht wird, und ein Verpassen der Meisterschaft wohl nur dann möglich wäre, wenn nicht nur Torhüter Manuel Neuer, sondern 16 oder 17 weitere Profis monatelang mit Mittelfußbruch ausfallen.

Schrottliga mit Schrottfußball

Die Gründe für die erneute Meisterschaft des FC Bayern liegen nicht nur darin, dass er selbst so gut ist, sondern auch darin, dass der Rest der Liga so schlecht ist. Borussia Dortmund, selbsterklärte Nummer zwei im deutschen Fußball, ist nur noch ein Schatten vergangener Zeiten. Mag sein, dass die Folgen des Bombenattentats immer noch eine Rolle spielen, aber unabhängig von diesem Schicksalsschlag ist in den vergangenen 18 Monaten beim BVB so viel falsch gelaufen und sind so viele Fehlentscheidungen getroffen worden, dass es ein Wunder wäre, wenn die Dortmunder in der nächsten Saison wieder ein ernstzunehmender Bayern-Konkurrent wären.

Andreas Sten-Ziemons

Andreas Sten-Ziemons findet die Bundesliga langweilig

Den weiteren angeblichen Bayern-Jägern, Schalke, Leipzig und Leverkusen, fehlt die Konstanz, um die Münchener über die Dauer einer gesamten Spielzeit unter Druck zu setzen. Es ist schön, dass die Leipziger den FC Bayern mit 2:1 schlagen, aber was nützt es, wenn man ansonsten zum Beispiel gegen Abstiegskandidat HSV nur 1:1 spielt und gegen das damalige Schlusslicht Köln sogar verliert. Neben Leipzig haben es nur Hoffenheim und Mönchengladbach in dieser Saison geschafft, die Bayern zu besiegen.

Wer heute noch behauptet, die Bundesliga sei eine der besten Ligen Europas, hat keine Ahnung. Die Bundesliga hat mit Bayern München einen der besten Klubs in Europa, soweit stimmt es. Aber der Rest der Liga ist Schrott. Und - siehe die Leistungen von Schalke oder Dortmund unter Peter Stöger - schafft es, sich mit "Schrottfußball" einen Platz in der Champions League zu erkämpfen. Was nur den Schluss zulässt, dass die Vereine, die weiter unten stehen, noch schlechter sind.

Nur Langeweile, keine Hoffnung!

Schlecht ist auch das passende Stichwort, wenn man sich die Qualität der meisten Bundesligaspiele anschaut. Überall wird nur noch das Spiel zerstört, selber Fußball spielen möchte fast keine Mannschaft mehr - oder noch schlimmer: sie möchten, können es aber nicht. Ein Armutszeugnis!

Hoffnungszeichen für die kommende Saison? Leider keine, außer, dass es bei Bayern München anfangs ein paar Reibungsverluste geben könnte, weil ein neuer Trainer das Zepter von Jupp Heynckes übernimmt. Aber glaubt irgendjemand ernsthaft, dass ein paar Startschwierigkeiten ausreichen könnten, um die siebte Bayern-Meisterschaft in Folge zu verhindern? Ich nicht!

So macht es keinen Spaß mehr, die Bundesliga anzuschauen. Aber vielleicht sollte man Deutschlands beste Fußballliga und die Bayern-Dominanz nicht als Makel betrachten, sondern als Chance: Eine Langzeitwette auf die Meisterschaft der Bayern im Jahr 2019 bringt zu Saisonbeginn je nach Anbieter eine Quote von 1,5 bis 2,0 - vielleicht sogar noch mehr. Zu Zeiten, in denen keine Bank mehr vernünftige Zinsen auf Sparguthaben zahlt, kann man sein Geld wohl kaum sicherer anlegen als mit einem Meistertipp auf die Bayern im Wettbüro.

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