Komm endlich an! | Sprachbar | DW | 09.09.2015
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Sprachbar

Komm endlich an!

Kleine Silbe, große Bedeutung: Ohne Präfixe würde unser Wortschatz drastisch schrumpfen. Die vielen Vorsilben bereiten jedoch so manchem Nichtmuttersprachler Kopfzerbrechen — peinliche Missverständnisse inklusive …

Audio anhören 05:26

Komm endlich an! – die Folge als MP3

Die deutsche Sprache beherbergt sehr, sehr viele Verben und Substantive, die nach einem Präfix rufen. Zu ihnen gehört auch kommen. Wer allerdings das falsche Präfix benutzt, kann seine Zuhörer mitunter in größten Aufruhr versetzen. Rumkommen und umkommen ist so ein Beispiel. Hier macht sogar nur ein einziger Buchstabe den Unterschied aus. Und der ist nicht gerade klein, ganz im Gegenteil! Zwischen den Bedeutungen der beiden Verben liegen Welten – oder sollte man besser sagen: Leben? Merke: Man kommt nicht unbedingt um, wenn man rumkommt. Isst man allerdings auf seiner Weltreise falsch zubereiteten Kugelfisch, sieht das schon ganz anders aus … Bei den vielen Verben mit lauter unterschiedlichen Präfixen kommt man schnell mal durcheinander – und ein Deutschlerner schnell an seine Grenzen.

Komm schon!

Eine Kaffeetasse steht auf einem roten Teller. Der Schaum hat die Form eines Herzens.

Süßer Flirtversuch im Café – meistens kommt das gut an!

Bekommen Sie noch etwas, junge Frau?“ fragt mich der überaus freundliche, leider gänzlich unattraktive Kellner und zwinkert mir zu. Zum zweiten Mal antworte ich bestimmt: „Nein, danke. Ich bin versorgt.“ So langsam überkommt mich das Gefühl, er versucht mit mir zu flirten ... Männer – sie kommen und gehen. So auch in dem Café, in dem ich gerade sitze, meinen Latte Macchiato schlürfe und froh bin, dass mein schreckliches Blind-Date ein jähes Ende gefunden hat. Aber wie kommt es eigentlich, dass es so schwer ist, auf Dauer mit ihnen auszukommen? „Komm schon, so schwer ist das nicht!“ bekomme ich dann immer von meinen bereits verheirateten Freundinnen zu hören.

„Ich komme bestens alleine zurecht!“ setze ich ihnen stets entgegen, wenn sie mal wieder versuchen, das Ruder in die Hand zu nehmen und mich „an den Mann zu bringen“. Doch ist das Thema erst einmal aufgekommen, gibt es kein Entkommen. Ich müsse von meinem hohen Ross herunter- und von meinen Idealvorstellungen loskommen. Man könne sich seinen Traummann eben nicht backen, müsse Kompromisse eingehen, sagen sie immer, wenn ich mal wieder von einem meiner katastrophalen Dates wiederkomme.

Komm mal runter!

Ein Mann im Amzug steht mit verschränkten Armen zwischen lauter Geldscheine, die auf ihn herabregnen.

Horrorszenario: Männer, denen es nur ums Geld geht.

Während also bei meinem heutigen Katastrophen-Date mein überaus unsympathisches Gegenüber unaufhörlich von seinem schicken Wagen, dem Wahnsinns-Job und seinem immensen Einkommen spricht, ist der einzige Gedanke, der mir dabei durch den Kopf geht, möglichst schnell von hier wegzukommen. Nach einer Stunde, in der ich kaum zu Wort komme, entscheide ich mich allerdings für die ehrliche Variante: „Könntest du bitte innerhalb der nächsten fünf Minuten für eine Zigarette nach draußen gehen und einfach nicht mehr wiederkommen? Du bist der mit Abstand arroganteste Typ, der mir seit langem untergekommen ist.“ Er schaut mich völlig entgeistert an und zischt: „Hast du sie noch alle? Komm mal runter!“ – und weg ist er. Ich bin wohl nicht diejenige von uns beiden, die „mal runterkommen“ sollte.

Zu groß, zu klein, zu laut, zu leise, zu langweilig, zu aufregend. Irgendwas ist es immer, das in mir Zweifel an der Beziehungstauglichkeit meines Date-Partners aufkommen lässt. Wenn es dann aber tatsächlich – zur großen Begeisterung meiner Freunde – mal vorkommt, dass ich mit einem Mann zusammenkomme, hält es meist nur wenige Monate. Dann komme ich gemeinhin zu dem Schluss, dass es einfach nicht passt zwischen uns beiden.

Trennungsschmerz

Eine Frau hält zwei Karten vor ihre Augen, auf denen jeweils ein halbes, zerbrochenes Herz abgebildet ist. Sie reißt den Mund auf.

Ohne Worte ...

Apropos, Trennung: Auch das Verb kommen mit seinen vielen Präfixen kann sich innerhalb eines Satzes, also in seiner finiten Form, von diesen lösen. Aber Achtung: Nicht alle Präfixe lassen sich so mir nichts, dir nichts von ihrem Stamm trennen. Das Verb verkommen steht zwar für Verwahrlosung und Verfall, Präfix und Verb sind hier jedoch fest miteinander verbunden, sozusagen unzertrennlich. Es kommt aber zum Beispiel auch oft vor, dass ein Verb wie vorkommen in seine Einzelteile zerlegt wird. Verstanden?

Ob sich zusammengesetzte Wörter, sogenannte Komposita, nun trennen lassen oder nicht, kann man ganz einfach anhand der Betonung herausfinden. Wird wie bei nachkommen der erste Teil des Verbs, also die Vorsilbe betont, lassen sie sich in aller Regel von ihrem Stamm trennen. Ist der erste Teil jedoch unbetont, wie zum Beispiel bei entkommen, gilt das Verb als untrennbar.

Ankommen

Was man von mir und meinen Partnern ja leider nicht behaupten kann. „Du wirst sehen“, sagt meine Freundin, „hast du endlich deinen Traummann gefunden, fühlt es sich an wie das Ankommen nach einer langen Reise.“ Naja, dann lass ich es wohl mal darauf ankommen




Arbeitsauftrag
Im Text wird die Unterscheidung zwischen trennbaren und untrennbaren Präfixen erläutert. Erstelle eine Liste mit allen Variationen des Verbs kommen aus dem Text und entscheide bei jedem einzelnen, ob es trennbar oder untrennbar ist. Im Text finden sich drei Konstruktionen mit kommen, die nicht aus Präfix und Verb bestehen. Findest du sie?

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