Knapp zwei Milliarden Boni für Deutsche Bank-Mitarbeiter | Wirtschaft | DW | 22.03.2019
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Bankenbranche

Knapp zwei Milliarden Boni für Deutsche Bank-Mitarbeiter

Mitarbeiter der Deutschen Bank zu sein, hat sich im vergangenen Jahr auch für das eigene Konto gelohnt. Und Ex-Chef John Cryan wurde generös abgefunden.

Die Deutsche Bank zahlt an ihre rund 90.000 Mitarbeiter für das zurückliegende Geschäftsjahr insgesamt 1,9 Milliarden Euro an Boni aus. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht des größten deutschen Geldhauses hervor. Für 2017 hatte die Belegschaft, die damals allerdings noch um einiges größer war, 2,3 Milliarden Euro bekommen. 2018 hatte der Finanzkonzern einen Gewinn von 341 Millionen Euro eingefahren, im Jahr zuvor hatte ein Verlust von 735 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Das Top-Management um den seit April amtierenden Bank-Chef Christian Sewing verzichtete dieses Mal wegen des erreichten Gewinns nicht auf seinen Bonus. Die Vorstände bekommen zusammen 55,7 Millionen Euro von ihrem Arbeitgeber überwiesen, nachdem das oberste Führungsgremium drei Jahre lang keinen Bonus erhalten hatte. 2017 hatte die Vergütung der Top-Manager bei 29,8 Millionen Euro gelegen. Der Unterschied ergibt sich zum einen aus der variablen Vergütung, zum anderen dadurch, dass es im Jahr 2018 zahlreiche Wechsel im Vorstand gab und Ex-Mitglieder des Leitungsgremiums noch Geld bekamen.

Bilanz Deutsche Bank (picture-alliance/dpa/B. Roessler)

John Cryan führte die Deutsche Bank von Juni 2015 bis April 2018

Ex-Chef John Cryan kann sich zur Ruhe setzen

Sewing selbst bekam 2018 ein Gesamtgehalt von sieben Millionen Euro, das erhöhte Salär als Vorstandsvorsitzender jedoch nur für neun Monate. Deshalb ist das Einkommen des 48-Jährigen nur bedingt mit dem seines Vorgängers John Cryan vergleichbar. Der Brite hatte 2017, in seinem letzten vollen Jahr an der Spitze des Instituts, ein Grundgehalt von 3,4 Millionen Euro bezogen, 400.000 Euro weniger als 2016. Cryan erhielt für das Jahr 2018, in dem er lediglich noch drei Monate für die Bank gearbeitet hatte, eine Gesamtvergütung von 1,9 Millionen Euro.

Als Abfindung wegen seiner vorzeitigen Ablösung bekam Cryan rund 8,7 Millionen Euro und zudem 2,2 Millionen, weil er nicht für einen Konkurrenten arbeiten darf.

Auch die anderen 2018 aus dem Vorstand ausgeschiedenen Top-Banker bekamen teils üppige Zahlungen. Die frühere IT-Chefin Kim Hammonds etwa erhielt eine Abfindung von 3,3 Millionen Euro und eine Zahlung von 1,6 Millionen Euro wegen des nachvertraglichen Wettbewerbsverbots. Die Managerin hatte bei einer internen Tagung des Konzerns gesagt, die Bank sei das "dysfunktionalste Unternehmen", für das sie je gearbeitet habe. 

Keine Rücklagen im Fall Danske Bank

Die Deutsche Bank sieht sich auch nach der Beilegung großer Verfahren mit zahlreichen Klagen konfrontiert. Im laufenden Jahr erwartet das Geldhaus "signifikant" höhere Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten als die "relativ niedrigen" Aufwendungen 2018, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht der Bank hervorgeht. Das Geldhaus schwieg sich dazu aus, in welchen Fällen es mit einer Entscheidung in diesem Jahr rechnet. Für Rechtsstreitigkeiten hat die Deutsche Bank aktuell 1,2 Milliarden Euro zurückgestellt.

Für den Geldwäscheskandal bei der Danske Bank hat der Dax-Konzern weiterhin keine Vorsorge gebildet. Die Deutsche Bank hatte für die estnische Danske-Filiale, die im Zentrum des Geldwäsche-Skandals steht, einen Großteil der verdächtigen Gelder abgewickelt. Das Frankfurter Geldhaus stellt sich auf den Standpunkt, man habe als sogenannte Korrespondenzbank keine Kenntnis der Danske-Kunden und ihrer Machenschaften gehabt und auch nicht haben müssen.

hb/zdh (rtr)

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