Klimawandel trifft auch Deutschland deutlich | Aktuell Deutschland | DW | 26.11.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Bundesregierung legt Klimabericht vor

Klimawandel trifft auch Deutschland deutlich

Die Bundesregierung sieht erste ernste Zeichen des Klimawandels in Deutschland. Laut einem aktuellen Bericht lagt die Lufttemperatur zuletzt um 1,5 Grad über dem Mittel. Experten fordern Maßnahmen.

Deutschland Trockenheit | Rhein bei Kaub

Niedrigwasser im Rhein bei Kaub in der Nähe der Loreley (Archivbild)

Die Deutschen bekommen den Klimawandel nach einem Bericht, den Bundesregierung und Bundesumweltamt vorgelegt haben, in vielen Bereichen zu spüren. Die Lufttemperatur habe sich allein binnen fünf Jahren um 0,3 Grad erhöht, heißt es im zweiten deutschen Klima-Monitoringbericht. Im Mittel war die Lufttemperatur damit im vergangenen Jahr um 1,5 Grad Celsius höher als 1881. Global ist es in dieser Zeit im Mittel rund 1 Grad wärmer geworden.

Deutschland Berlin | Monitoring-Bericht Klimawandelfolgen 2019 | Svenja Schulze, Umweltministerin

Vorstellung des Klimaberichts durch Umweltministerin Svenja Schulze (zweite von r.)

"Es ist nicht auszudenken, wenn sich dies in dieser Geschwindigkeit fortsetzen würde", sagte Umweltministerin Svenja Schulze. Starkregen und extreme Hitzeperioden würden immer häufiger. Dadurch steige die Zahl der Hitzetoten spürbar.

"Größte Naturkatastrophe in Deutschland"

Die Antwort müsse heißen: "Viel mehr Klimaschutz, und zwar weltweit." Sie wolle dafür kämpfen, dass die EU vorangehe und ihre Klimaschutz-Ziele verschärfe, erklärte Schulze. Das erhöhe auch die Lebensqualität, wenn man sich klar mache, was ein ungebremster Klimawandel bedeute. Denn selbst wenn es gelinge, die globale Erderwärmung wie im Pariser Klimaabkommen angepeilt auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, werde sich das Klima - und damit auch das Wetter - weiter verändern.

Die Präsidentin des Bundesumweltamtes, Maria Krautzberger, forderte bei der Vorstellung des Berichts ein Vorsorgeprogramm: "Das ist die größte Naturkatastrophe in Deutschland, die wir in den letzten 50 Jahren hatten."

Einige Fakten aus dem gut 270 Seiten dicken Bericht:

  • Die Zahl der heißen Tage mit 30 Grad und mehr nimmt zu: Seit 1951 von etwa drei pro Jahr auf derzeit rund zehn. Mehr als zehn gab es vor 1994 nie, 2018 waren es mehr als 20.
  • Die Sommer 2003, 2018 und 2019 waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Seit 1881 hat die mittlere jährliche Niederschlagsmenge um 8,7 Prozent zugenommen, gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel ab. Es sind Tendenzen zu mehr Starkniederschlägen in den vergangenen 65 Jahren zu erkennen, aber aufgrund der Datenlage können die Experten dazu noch keine statistisch gesicherten Aussagen machen.
  • Erstmals führt der Bericht hitzebedingte Todesfälle in Deutschland auf. Demnach sind im Jahr 2003 rund 7500 Menschen mehr gestorben, als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6000 zusätzliche Todesfälle.

Pariser Klimavertrag vor dem Scheitern?

Ebenfalls am Dienstag zeigt ein neuer Report der Vereinten Nationen, dass der Weg zu einer Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs noch weit ist: Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie aktuell, drohe die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,4 bis 3,9 Grad zu steigen, teilte das UN-Umweltprogramm UNEP mit.

Knapp eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid fordert das UN-Umweltprogramm deutlich mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung. Der Ausstoß klimaschädlicher Gase müsse drastisch gesenkt werden, sonst werde das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel verfehlt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, warnte die Behörde.

Trotz aller Warnungen und eines wachsenden Bewusstseins für den Klimawandel stiegen die Treibhausgasemissionen laut UNEP im ablaufenden Jahrzehnt jährlich um 1,5 Prozent. Weltweit hätten die Treibhausgas-Emissionen 2018 einen neuen Höchststand erreicht.

 

qu/rb (rtr, dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt