Klimaaktivistin in Indien festgenommen | Aktuell Asien | DW | 15.02.2021
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Fridays for Future

Klimaaktivistin in Indien festgenommen

Kritiker halten die Anschuldigungen gegen Disha Ravi für konstruiert. Auch der Regierungschef von Delhi spricht von einem "nie dagewesenen Angriff auf die Demokratie".

Indien Festnahme Prozess Umweltaktivistin Disha Ravi Protest

Protestkundgebung gegen die Festnahme von Disha Ravi in Mumbai

Die indische Polizei hat im Süden des Landes eine Klimaaktivistin festgenommen. Die 22 Jahre alte Disha Ravi soll Kampagnenmaterial im Zusammenhang mit den großen Bauernprotesten auf dem Subkontinent bearbeitet und verbreitet haben. Ihr wird vorgeworfen, sie sei Teil einer Verschwörung von Sikh-Separatisten und säe Feindschaft zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Bei einer gerichtlichen Anhörung in der Hauptstadt Neu Delhi wies Ravi die Anschuldigungen zurück. Sie habe lediglich zwei Zeilen des Materials redigiert, sagte sie dem Fernsehsender NDTV zufolge. Die Mitgründerin des indischen Ablegers der Klimaschutzbewegung Fridays for Future soll der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg ein Papier geschickt haben, das Möglichkeiten aufzeigt, wie die Proteste der indischen Bauern unterstützt werden können. Thunberg hatte sich auf Twitter mit den Landwirten solidarisiert.

"Bauern zu unterstützen ist keine Straftat"

Der Regierungschef des Unionsterritoriums Delhi, Arvind Kejriwal, kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf. Die Festnahme sei ein noch nie dagewesener Angriff auf die Demokratie. "Unsere Bauern zu unterstützen ist keine Straftat", schrieb Kejriwal ebenfalls auf Twitter. In mehreren Städten des Landes demonstrierten zahlreiche Menschen gegen das Vorgehen der Behörden.

Indien Disha Ravi, Klimaaktivistin Fridays for Future

Disha Ravi ist Mitbegründerin des indischen Ablegers von Fridays for Future (Archivbild)

Bereits seit November stößt eine Agrarreform der Regierung auf heftigen Widerstand. Zehntausende Bauern kampieren aus Protest rund um die Hauptstadt. Ende Januar wurde bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften ein Kundgebungsteilnehmer getötet.

Mindestpreise gestrichen

Bisher wurde Getreide auf staatlich organisierten Großmärkten zu garantierten Mindestpreisen gehandelt. Nach der Reform sollen die Bauern ihre Ware ohne Zwischenhändler auch direkt an Privatfirmen verkaufen können. Während die Regierung argumentiert, die Erzeuger könnten so höhere Gewinne erzielen, fürchten Landwirte einen Preisverfall, da sie bei Verhandlungen mit Agrarkonzernen in einer schwächeren Position wären.

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Auch in Bangalore gehen Menschen gegen das Vorgehen der Behörden auf die Straße

Viele Bauern in Indien haben wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zwar steuert die Landwirtschaft nur noch rund 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern bei. Sie bildet jedoch die Lebensgrundlage für etwa 60 Prozent der Erwerbstätigen.

jj/ehl (dpa, rtr, ap)