Klima und Wohlstand brauchen Wald und gute Böden | Wissen & Umwelt | DW | 20.12.2017
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Umwelt

Klima und Wohlstand brauchen Wald und gute Böden

Was haben Wälder und Böden mit Klimaschutz, Zukunftssicherung und Flüchtlingen zu tun? Auf dem Global Landscapes Forum in Bonn werden Zusammenhänge aufgezeigt und nachhaltige Lösungen diskutiert.

Die derzeitige globale Wirtschaftsweise ist alles andere als nachhaltig. "Waldzerstörung und Landnutzungsänderungen tragen etwa zwölf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen bei", sagt Karin Kemper von der Weltbank, Leiterin für Umwelt und natürliche Ressourcen auf dem Global Landscapes Forum GLF in Bonn.

Die Kosten, die durch Entwaldung, degradierte Böden und klimabedingte Trockenheit für die Menschen vor Ort, für die Länder und weltweit entstehen, seien enorm. "In extremen Fällen, wie in Indonesien, verursachten einige Monate Torfbrände im Jahr 2015 Schäden in Höhe von 16 Milliarden Dollar; in Burundi belaufen sich die Kosten der Landdegradierung auf vier Prozent des BIP und in Kolumbien liegen die Kosten für Landdegradierung einschließlich Entwaldung bei über 1,5 Prozent des BIP", sagt Kemper. "Die Degradierung von Wald und Land hat einen hohen Preis, und wir müssen uns dringend mit diesen Fragen befassen."

Aufklären und Umdenken bringt Wohlstandsgewinn

Erstmalig tagt die Weltkonferenz zur nachhaltigen Entwicklung von Landschaft in Bonn. Das Global Landscapes Forum (GLF) ist die weltweit größte, unabhängige, wissenschaftsbasierte, Aktionsplattform für Landnutzung und Wälder und tagte zuvor immer zeitgleich im Schatten der UN-Klimakonferenzen. Seit Dienstag (19.12.) treffen sich rund 1000 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft immer unabhängig von der Klimakonferenz und hoffen so auf mehr internationale Aufmerksamkeit.

Bei der Arbeit wird das GLF auch vom Umwelt- und das Entwicklungsministerium mit jeweils 5,5 Millionen Euro unterstützt und ein Sekretariat wurde jetzt am UN-Standort Bonn eingerichtet.

"Wenn im Kongo der Wald abgeholzt wird, bleibt in Äthiopien erst der Regen, dann die Ernte aus – mit dramatischen Folgen für die Menschen", sagt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. "Wir brauchen zukunftsfähige ländliche Räume, in denen eine intakte Natur langfristig Überlebensperspektiven bietet und die Menschen gleichzeitig Beschäftigung und Einkommen finden. Solche Lösungsansätze müssen wir stärker diskutieren – das Global Landscape Forum bringt die richtigen Experten dazu zusammen", so Müller.

Nach Angaben von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks haben die Böden, Wälder und landwirtschaftliche genutzte Flächen zugleich auch ein großes Potential für den Klimaschutz. "Sie können Treibhausgase binden und sind so die drei großen grünen natürlichen Senken. Sie stehen uns als natürliche Emissionspuffer zur Verfügung", betont Hendricks. Die praktische Umsetzung von einer nachhaltigen Wirtschaftsweise sei deshalb zugleich Klimaschutz, erhalt der Biodiversität und die Bekämfpung der Wüstenbildung. "Hier trifft sich alles wieder. Es ist das Momentum diese Senken auszubauen. Das ist wichtig, um das zwei-Grad-Ziel zu halten."

Das sieht auch der Direktor vom UN-Umweltprogramm Erik Solheim so. "Die Politik kann hier alles zugleich lösen. Klima, Biodiversität, Entwaldung und verändert Landnutzung gehören zusammen, sie sind die großen Verschmutzer des Planeten, nur viele wissen das nicht. Und die Degradation von Böden und der Klimawandel lassen sich zugleich lösen". Solheim zeigt sich im DW-Interview optimistisch, dass das viel schneller gelingen kann als viele denken und jeder durch sein Verhalten, durch Kaufentscheidungen und Wahlen viel verändern kann. 

Stefan Schmitz, Direktor der Initiative "One World - no Hunger" betont auf der Konferenz den Zusammenhang mit der weltweiten Migrationsbewegung. "70 Prozent der armen und hungernden Menschen in der Welt leben im ländlichen Raum, in Afrika sind es sogar 75 Prozent. Arbeits- und Perspektivlosigkeit hat ein ländliches Gesicht, insbesondere unter jungen Menschen", so Schmitz.

Krise im Norden von Mali Flüchtlinge in Burkina Faso (picture-alliance/dpa)

Flüchtlinge in Burkina Faso: Degradation, Dürre, Klimwandel, Krise und Flucht

Jedes Jahr gingen durch die bisherige Wirtschaftsweise zudem 10 Millionen Hektar fruchtbarer Boden verloren. "Produktives Land wird zu einem immer knapperen und umkämpften Gut. Der jährliche Verlust an Naturwald in den Tropen liegt etwa in der gleichen Größenordnung."Damit würde nicht nur der Klimawandel beschleunigt, sondern würden auch die lokalen Lebensbedingungen veschlechtert mahnt Schmitz. "Wenn Hunger, Ausbeutung der Natur und Klimawandel zusammenkommen, dann wachsen Krisen und Konflikte, wächst auch die Zahl der Kriegs, Wirtschaft und Umweltflüchtlinge. Das ist nicht Zukunftsmusik, das ist bereits heute so."

Die Präsidentin von Mauritius, Ameenah Gurib-Fakim stimmt Schmidt zu, der Klimawandel sei längst Realität und für die Menschen existenziell. "In Afrika sehen wir den Zerfall der Landschaften und Menschen müssen deswegen fliehen." Es brauche einen einheitlichen Ansatz, um Hunger, Armut, den Verlust an Artenvielfalt und weitere Folgen des Klimawandels erfolgreich zu bekämpfen.Zugleich gelte es, beim Kampf gegen den Klimawandel stärker auf das Wissen der indigenen Bevölkerung zurückzugreifen. "Harte Wissenschaft" alleine reiche nicht aus.

Auf der Konferenz werden Zusammenhänge, weltweite Lösungsansätze aufgezeigt und ein globales Netzwerk für Kooperationen geknüpft. Als wichtiger Schlüssel gelten eine nachhaltige Landwirtschaft, Bildung und Aufklärung. Böden können wieder so bewirtschaftet werden, dass wieder CO2 im Boden gebunden wird und Grundwasser sauber und erhalten bleibt. Die Politik, Banken und die Zivilgesellschaft können hier sehr viel tun, würden so nachhaltigen Wohlstand mit mehr neuen Jobs schaffen und eine zerstörerische Wirtschaftsweise beenden.

"Das Thema ist auch für Lateinamerika fundamental”, sagt auf der Konferenz der Ex-Präsident von Mexico Felipe Calderón im DW-Interview. "Die nachhaltige Nutzung von Böden und Wald kann zu hohen Wachstumsraten in der Wirtschaft mit neuen Jobs führen, paradoxerweise in den ärmsten Regionen der Welt, in ländlichen Regionen mit indigener Bevölkerung. Leider bekommen aber diese indigenen Gebiete nicht genug Aufmerksamkeit und politische Unterstützung, damit sie die Nachhaltigkeit weiter entwickeln."

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