Klaviatur gegen Rechts: Beethovenpreis für Igor Levit | Kultur | DW | 06.12.2019
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Klassik

Klaviatur gegen Rechts: Beethovenpreis für Igor Levit

Der Pianist Igor Levit erhält den Internationalen Beethovenpreis in Bonn. Auf der Bühne zählt er weltweit zu den Besten seines Fachs, auf Twitter äußert er sich politisch zum Klimawandel und gegen Faschismus.

Der Auszeichnung wohnt bereits eine Komponente inne, die über das rein Künstlerische hinausgeht: Der Internationale Beethovenpreis wird für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion verliehen. Der Pianist Igor Levit nahm ihn am 6. Dezember in Bonn entgegen.

Der 32-jährige Levit, den Kritiker und Publikum zu den weltweit besten Pianisten der Gegenwart zählen, bedient jedoch nicht nur die Tasten seines Instruments, sondern auch die virtuellen seines Smartphones. Auf Twitter äußert er sich fast täglich zu gesellschaftlichen und politischen Themen, ihm folgen dort mehr als 33.000 Nutzer.

Exot als politischer Kommentator

Seine Kommentare haben ihm auch abseits der Konzertsäle viel Aufmerksamkeit eingebracht - in einer Zeit, in der sich wenige Künstler offensiv politisch äußern, birgt eine Positionierung immer auch das Risiko, es sich mit Teilen des Publikums zu verscherzen oder Shitstorms zu ernten. Levit ist ein Exot. 

Er sitzt nun in Talkshows wie der von Maybrit Illner, wo er zum Thema "Worte, Wut, Widerspruch - Hass verbieten, Meinung aushalten?" diskutiert, er spricht auf einem Podium mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble über Meinungsfreiheit und das Grundgesetz.

CD-Cover Igor Levit Beethoven Complete Piano Sonatas

Gefeiertes Werk: Igor Levits aktuelles Album umfasst alle 32 Klaviersonaten Beethovens

Er argumentiert dann reflektiert, ruhig und sachlich. Beim Bundesparteitag der Grünen spielte Igor Levit Beethovens "Ode an die Freude", die Europahymne. Seinen Echo Klassik gab er 2018 aus Protest gegen die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang und ihre antisemitischen und frauenfeindlichen Texte zurück.

Mehr als "Tasten drücken"

Er spielte bei der #Unteilbar-Demo in Berlin und bei Fridays for Future, bei Konzerten steckt er sich einen Button der jungen Klimabewegung an. Den gerade gewonnenen Opus Klassik widmete er den Opfern des Terroranschlags in Halle. Der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Levit kürzlich, er wolle "nicht nur der Mann sein, der die Tasten drückt". Auch in der Auswahl seiner Kompositionen erkennen Kritiker ein Statement.

Igor Levit füllt Konzertsäle in Berlin, New York, Paris und Wien und spielte auch bei den Salzburger Festspielen. Vor dem kommenden Beethoven-Jahr, in dem sich der Geburtstag des Komponisten zum 250. Mal jährt, hat Levit Beethovens 32 Klaviersonaten eingespielt, die britische "Times" wählte "Beethoven: Complete Piano Sonatas" zum Klassik-Album des Jahres. Seit diesem Wintersemester lehrt Igor Levit als Professor Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.   

Das Wunderkind

Am dortigen Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter spielte und lernte Levit bereits als 13-Jähriger. 1995 waren seine Eltern mit ihm und seiner Schwester aus dem russischen Gorki (heute Nischni Nowgorod) als jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland übergesiedelt. Bereits mit drei Jahren hatte ihm seine Mutter Jelena Klavierunterricht gegeben. Sein erstes Solokonzert gab Igor Levit in seiner Heimatstadt mit gerade mal vier Jahren. 2010 machte er in Hannover seinen Abschluss - mit der höchsten Punktzahl in der Geschichte der Hochschule. Mit Mitte 20 nahm er sein erstes Album auf: "Beethoven: The Late Piano Sonatas".

Der mit 10.000 Euro dotierte Beethovenpreis reiht sich in eine beeindruckende Sammlung ein, zu der 2018 der nur alle vier Jahre verliehene Gilmore Artist Award kam - dotiert mit 300.000 US-Dollar. Der Großteil des Preisgeldes muss in die Kunst der Prämierten investiert werden, verprassen geht nicht, spenden auch nicht. Levit plant ein musikalisches Projekt - kombiniert mit einer politischen Ebene.

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