Kirgisistan: Wahlen statt Sonnenbaden | Europa/Zentralasien | DW | 05.07.2018
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Europa/Zentralasien

Kirgisistan: Wahlen statt Sonnenbaden

Ferien! Auf ins Sommercamp! Zelten, Lagerfeuer – und Demokratie. In Kirgisistan hat die DW Akademie ein Media Democracy Camp mitveranstaltet. Dort ging es um Politik und die Rolle der Medien.

Spaß und lernen schließen sich nicht aus! Trainerin Bermet Abdykadyrova und Jugendliche im Media Democracy Camp. (A. Usupbaeva)

Spaß und lernen schließen sich nicht aus! Trainerin Bermet Abdykadyrova und Jugendliche im Media Democracy Camp.

"Das Camp hat meine Denkweise total verändert", sagt Arina Taran, Schülerin aus dem Gebiet Chui. "Ich habe viel Neues gelernt. Ich weiß jetzt, wie Wahlen abgehalten werden, wie man ein Wahlprogramm gestaltet. Ich bin aufmerksamer geworden und denke jetzt kritischer. Ich weiß jetzt auch, wie ich Medien konsumieren sollte. Und ich weiß, was ich werden will: Juristin."

Die Botschaft: Medien gehören zur Demokratie

Medien waren zum ersten Mal ein Thema des Camps. Die Jugendlichen erfuhren zum Beispiel, wie schwierig es ist ein gutes Interview zu führen. (L. Rahnert)

Die Jugendlichen machten die Erfahrung, wie schwierig es ist ein gutes Interview zu führen.

Während andere Kinder in den Ferien mit ihren Eltern ans Meer oder in die Berge fahren, kamen 60 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 15 und 17 Jahren am Issyk-Kul See im Norden Kirgisistans zusammen, um am Media Democracy Camp teilzunehmen. Die IFES (International Foundation for Electoral Systems) veranstaltet diese Camps mit Unterstützung von USAID in Kirgisistan bereits seit zwölf Jahren. Zum ersten Mal war diesmal auch die DW Akademie mit ihrem Projektpartner Media Support Center dabei.

Die 60 Jugendlichen bekamen während der zehn Tage im Camp täglich vom Trainerteam neue Aufgaben gestellt, die sie in Gruppen umsetzen sollten. Mal ging es um Fake News und Medienkonsum, mal musste ein Zeitungs- oder TV-Beitrag produziert werden. Dann ging es um die politische Gewaltenteilung und deren Sinn oder darum, wie eine Medien-Ecke in der Schule aufgebaut wird.

Der Neuntklässler Anatoli Razgonjaev hat im Camp viel gelernt – und neue Freunde gefunden. (A. Usupbaeva)

Der Neuntklässler Anatoli Razgonjaev hat im Camp viel gelernt – und neue Freunde gefunden.

"Das Thema Medien haben wir zum ersten Mal aufgenommen", sagt Trainerin Bermet Abdykadyrova. "Den Kindern hat es sehr gefallen, die journalistische Arbeit kennen zu lernen. Sie haben nicht gewusst, wie viel Zeit und Kraft das kostet. Wie schwierig es ist, Informationen von den Gesprächspartnern zu bekommen. Aber dass es auch eine wahnsinnig interessante Arbeit ist. Wichtig fand ich auch, die Frage der "Internet-Hygiene" mit den Schülern zu besprechen, damit sie überlegen, wie sie ihre persönlichen Daten schützen können."

Eine Präsidentenwahl im Camp mit echter Wahlurne

Einer der spannendsten Tage für die Jugendlichen war der Tag der Präsidentenwahl. Jedes Team hatte am Vorabend einen Kandidaten aufgestellt und politische Diskussionen geführt. Am Wahltag selbst war die Aufregung spürbar. Ab dem frühen Morgen arbeiteten die Teams an Wahlprogrammen und machten im Laufe des Tages Wahlkampf für ihre Kandidaten. Einige versuchten, Stimmen bei den anderen Teams zu kaufen – auch das gehört zu den Herausforderungen einer echten Wahl.

Wahlkampf im Media Democracy Camp. Die Jugendlichen haben alles selbst gemacht: von den Wahlplakaten bis zum -programm. (L. Rahnert)

Wahlkampf im Media Democracy Camp. Die Jugendlichen haben alles selbst gemacht: von den Wahlplakaten bis zum -programm.

Die drei Kandidaten debattierten öffentlich und stellten sich kritischen Fragen: Was willst Du tun, damit das Camp sauberer wird? Was muss getan werden, damit das Essen warm auf den Tisch kommt? Wie willst Du kontrollieren, dass alle ihren Aufgaben nachkommen? Einige Jugendliche übernahmen die Rolle der Journalisten, die über den Verlauf der Wahlen berichteten.

Am Wahltag besuchten Lydia Rahnert, die Ländermanagerin der DW Akademie für Kirgisistan, und Michael Karhausen, Teamleiter Asien und Europa, das Camp. Die Erwachsenen konnten sofort eine Rolle übernehmen: Sie spielten internationale Wahlbeobachter.

Sie erlebten am Abend eine Abstimmung mit allem, was dazu gehört: Registrierung der Wähler, Wahlkabinen, Wahlbeobachtern und einer echten elektronischen Wahlurne, die die Zentrale Wahlkommission in Bischkek für das Training zur Verfügung gestellt hatte – samt Personal, das den Jugendlichen die Funktionsweise der Urne erklärte.

Zhasmina Asanbaeva, gewählte Präsidentin des Media Democracy Camp. (L. Rahnert)

Zhasmina Asanbaeva, gewählte Präsidentin des Media Democracy Camp.

Die Wahl verlief dann ruhig. Bei der Auszählung der Stimmen wurde es spannend: Zum Schluss lag Zhasmina Asanbaeva mit knappen sechs Stimmen vorne und wurde Camp-Präsidentin. 

"Ich bin in das Camp gekommen, um etwas Neues zu lernen", sagt Anatoli Razgonjaev, Schüler der 9. Klasse im Dorf Abdyldaevo, Gebiet Chui. "Und das ist mir gelungen. Ich habe zum Beispiel gelernt, Interviews zu führen. Aber vor allem habe ich sehr viele Freunde aus verschiedenen Regionen des Landes gewonnen."

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