Kinderarbeit breitet sich wieder aus | Aktuell Welt | DW | 10.06.2021
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Vereinte Nationen

Kinderarbeit breitet sich wieder aus

Das Kinderhilfswerk UNICEF und die Internationale Arbeitsorganisation ILO stellen ernüchtert fest: Erstmals seit zwei Jahrzehnten sind die Fortschritte im Kampf gegen Kinderarbeit ins Stocken geraten.

DR Kongo Kinderarbeit in Mine

Verschärft hat sich die Lage insbesondere in Subsahara-Afrika

Fast jedes zehnte Kind auf der Erde muss Arbeit verrichten, die für die kindliche Entwicklung schädlich ist: Weltweit waren es Anfang 2020 schätzungsweise rund 160 Millionen, wie aus einem neuen Bericht von UNICEF und ILO hervorgeht. Dies bedeute eine Zunahme um 8,4 Millionen Kinder innerhalb von vier Jahren, heißt es darin.

Damit habe sich die zuvor positive Entwicklung umgekehrt. Zwischen 2000 und 2016 war die Zahl der Mädchen und Jungen in Kinderarbeit noch um 94 Millionen gesunken, so das UN-Kinderhilfswerk und die Internationale Arbeitsorganisation.

"Zeit für neues Engagement"

ILO-Direktor Guy Ryder bezeichnete die Zahlen als Weckruf. "Wir können nicht tatenlos zusehen, wie eine neue Generation von Kindern in Gefahr gerät", mahnte er. Es brauche umfassende Schutzmaßnahmen für Familien, verstärkte Investitionen in die ländliche Entwicklung und menschenwürdige Arbeit in der Landwirtschaft. Derzeit stehe die Welt an einem entscheidenden Punkt. "Es ist Zeit für neues Engagement und Energie, um die Trendwende zu schaffen und den Kreislauf von Armut und Kinderarbeit zu durchbrechen", betonte Ryder.

Iran Kinderarbeit in Ziegelei

Ein junges Mädchen arbeitet in einer Ziegelei im Iran

Laut dem Bericht könnten bis Ende kommenden Jahres weitere neun Millionen Kinder durch die Corona-Pandemie in Kinderarbeit gedrängt werden. Die COVID-19-Krise habe zudem das Risiko für diejenigen Kinder erhöht, die schon vorher Kinderarbeit leisten mussten: Die Bedingungen hätten sich verschlechtert, schlimmere Formen von Kinderarbeit hätten sich ausgebreitet, während viele Eltern ihre Einkommensmöglichkeiten verloren hätten.

"Im zweiten Jahr mit Lockdowns, Schulschließungen, wirtschaftlichen Verwerfungen und schrumpfenden nationalen Budgets stehen manche Familien vor einer herzzerreißenden Wahl", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Sie rief Regierungen und Entwicklungsbanken auf, dafür zu sorgen, dass Kinder aus der Arbeit zurück auf die Schulbank kommen.

wa/rb (kna, epd, dpa)

 

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