Kinder-Aktivistin ringt mit dem Tod | Aktuell Asien | DW | 11.10.2012
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Aktuell Asien

Kinder-Aktivistin ringt mit dem Tod

Sie setzte sich für Rechte von Mädchen ein und wehrte sich gegen Islamisten, die 14-jährige Malala Yousufzai. Die Taliban haben sie bei einem Überfall in Pakistan schwer verletzt. Ärzte kämpfen um ihr Überleben.

Sie war mit zwei Freundinnen auf dem Weg von der Schule im oberen Swat-Tal nach Hause, als die Attentäter zuschlugen. Zwei Schüsse trafen Yousufzai, eine in den Kopf, die andere zwischen die Schultern. Auch auf die beiden anderen Mädchen wurde geschossen. Eines von ihnen konnte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen, das andere ist nach wie vor in "kritischem Zustand".

Am Mittwoch entfernten Ärzte im Krankenhaus von Peschawar die Kugel aus Malalas Kopf. Durch den Schuss seien "Teile des Gehirns" geschädigt worden, sagte der Arzt Mumtaz Khan. Am Donnerstag erfolgte die zweite Operation. Auch die Kugel aus ihrem Körper wurde entfernt. Anschließend wurde sie in ein Militärkrankenhaus in Rawalpindi verlegt. Ihr Zustand sei weiter kritisch, sagen die Ärzte, die Überlebenschancen lägen bei 70 Prozent.

Mutig schon mit elf Jahren

Malala Yousufzai ist mutig. Seit ihrem elften Lebensjahr setzt sich die Jugendliche für das Recht von Mädchen auf Bildung ein. Bekannt wurde sie im Jahre 2009, als sie unter anderem Namen als Bloggerin für den britischen Sender BBC über das Vorgehen islamistischer Milizen im Swat-Tal berichtete. Dort hatten 2007 die Taliban die Herrschaft übernommen. Die radikalen Islamisten zerstörten oder schlossen tausende von Mädchenschulen, weil sie die weltliche Unterrichtung von Mädchen ablehnen.

Zwei Jahre später vertrieb die Armee die Taliban aus dem Tal. Am Ende der Kämpfe wurde Malalas Identität bekannt. Für ihre Berichte über die Gräueltaten der Taliban wurde sie mit dem pakistanischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Moslem-Extremisten ohne Gnade

Zu der Tat bekannte sich die Organisation Terhrik-i-Taliban Pakistan (TTP). Ein Sprecher verteidigte den Angriff: Jede Frau, die sich ihnen entgegenstelle, müsse getötet werden. Das Alter des Opfers sei kein Grund für Milde. Das Mädchen werde nicht verschont, sollte es überleben.

Der pakistanische Armeechef, General Ashfaq Parvez Kayani, der Malala am Mittwoch im Krankenhaus besuchte, sagte dazu, es sei "an der Zeit aufzustehen und gegen die Verbreiter einer solchen barbarischen Denkweise und ihre Sympathisanten zu kämpfen". Die Behörden lobten eine Belohnung von zehn Millionen Rupien aus (umgerechnet mehr als 80.000 Euro) für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen.

"Empört und angewidert"

In Pakistan löste der Anschlag Entsetzen aus. Kritisiert wurde vor allem, dass die Angreifer hatten unerkannt fliehen können. Innenminister Rehman Malik versprach, alles zu tun, um die Täter dingfest zu machen. Die Bevölkerung forderte er auf, während der Freitagsgebete für Malala zu beten.

Auch international wurde die Tat verurteilt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer "widerwärtigen und feigen" Attacke auf ein 14-jähriges Mädchen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich entsetzt. Der Präsident sei "angewidert" von dem Attentat, sagte sein Sprecher. Gewalt gegen Kinder sei "barbarisch" und "feige". Und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) erklärte, dieser kriminelle Akt müsse vor Gericht gebracht werden und dürfe nicht ungestraft bleiben.

gmf/SC (afp, kna, rtre)