Kind | Sprachbar | DW | 01.01.1970
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Sprachbar

Kind

An der Sache mit dem Christkind kommt zurzeit mal wieder niemand vorbei. Da diese Geschichte jedoch bekannt sein dürfte, werfen wir heute einen Blick auf all die anderen Kinder – und nennen das Kind sozusagen beim Namen…

Was uns einfällt unmittelbar vor dem Heiligen Abend? "Christkind" zum Beispiel. Wir könnten stichwortartig die Geschichte vom Kind in der Krippe erzählen. Vom Jesuskind, dessen Eltern sich auf der Flucht befanden und für die kein Platz in der Herberge war. Arme Eltern, armes Kind. Aber wir wollen auch an die anderen Kinder denken und fassen das Thema allgemein. Stichwort "Kind" also.

Wohin mit den Keimen der Gesellschaft?

Daran, dass es seit Menschengedenken arme Eltern und arme Kinder gibt, hat sich nichts geändert. "Kinderarmut", "Kinderarbeit" sind heutige Begriffe. "Kindersoldaten" und "Kinderprostitution" auch. Da gilt es, alle Jahre wieder, verstärkt in der Weihnachtszeit, das soziale Gewissen derer, denen es gut geht, wachzurütteln. Kinderhilfsorganisationen rufen zu Spenden auf, die SOS-Kinderdörfer werben auf großen Plakaten für ihre gute Sache und bitten um Unterstützung; auch die Einrichtungen für behinderte Kinder sollen nicht zu kurz kommen an Weihnachten. Kinder, so heißt es, sind unsere Zukunft, und die Zukunft ist wichtig.

Das hat mit großem Ernst auch ein Mann namens Friedrich Wilhelm August Fröbel erkannt. Allerdings hat er sich nicht mit dieser Erkenntnis begnügt, sondern etwas getan. Ihm ist jene Einrichtung zu verdanken, die wir bis heute "Kindergarten" nennen. "Wie in einem Garten", schrieb Fröbel 1840, "unter Gottes Schutz und unter der Sorgfalt erfahrener einsichtiger Gärtner (…) die Gewächse gepflegt werden, so sollen hier die edelsten Gewächse, Kinder als Keime und Glieder der Gesellschaft, in Übereinstimmung mit sich (…) erzogen werden".

Kinder, Kinder, was es nicht alles gibt

Kindererziehung, ein Kapitel für sich, zu vielschichtig, zu umfangreich, um es als Stichwort abhandeln zu können. Wir müssen uns vielmehr darauf beschränken, in einem kleinen Streifzug durch die Wörterbücher und Lexika das Wort "Kind" vorzustellen. Ungezählte Komposita finden wir. Von A bis Z. Da haben wir den Kinderarzt, der sich nicht nur mit Kinderkrankheiten auskennt, das Kindermädchen, das sich um die Kleinen kümmert, wenn die Eltern zu wenig Zeit haben; den Kindergeburtstag und am Schluss des Alphabets gibt es die Kinderzeitschrift.

Dazwischen zum Beispiel, hochaktuell, das Kinderspielzeug. Kinderspielzeug? Jawohl, es gibt auch Spielzeug für Erwachsene und Spielzeug für Große und Kleine gleichermaßen. Das weiß doch jedes Kind, dass die Spielzeugeisenbahn oder die Autorennstrecke Papi mindestens genauso viel Spaß macht wie seinen Kindern. "Das Kind im Manne" zeigt sich da aufs Allerschönste.

Das Kind mit Feuer, Bad und Schaukel

Sie haben es gemerkt? Unversehens sind wir zu Redensarten gelangt, die das Stichwort "Kind" enthalten. Es gibt noch mehr. Zum Beispiel: "Gebranntes Kind scheut das Feuer." Das trifft nicht nur auf Kinder zu. Wer, ob groß oder klein, einmal böse Erfahrungen mit etwas oder jemandem gemacht hat, wird in Zukunft vorsichtiger sein. Oder: "Das Kind mit dem Bade ausschütten", was so viel heißt wie im Übereifer das Gute einer Sache mit dem Schlechten in eines setzen und verwerfen.

Wenn dies einmal geschehen ist, gilt es mitunter, die Geschichte wieder in Ordnung zu bringen, unter dem Motto: "Wir werden das Kind schon schaukeln". Da kann es in aller Regel durchaus hilfreich sein, das Kind beim Namen zu nennen, also klarzustellen, was Sache ist, um dann gezielt zu handeln. Eine andere, aber weniger verlässliche Möglichkeit wäre, sich lieb Kind zu machen; sich einzuschmeicheln.

Auch Erwachsene können lieb Kind sein

Wer bei jemandem lieb Kind ist, hat es – zum Beispiel im Beruf – eine gewisse Zeit lang durchaus leichter; aber auch das erwachsene liebe Kind befindet sich – wie jedes andere auch – in einem Abhängigkeitsverhältnis. Genau dieses kann für Kinder zur Gefahr werden, weil es oft genug aufs Erschreckendste und Widerwärtigste ausgenutzt wird. Wir ersparen Ihnen und uns Beispiele. Schlimm genug, dass eine Institution wie der "Kinderschutzbund" überhaupt sein muss. Was auch immer eine gute Kindererziehung sein mag, Schutz und Sorgfalt gehören dazu.

Vielleicht auch das, was etwas altertümelnd eine "gute Kinderstube" genannt wird. Merkwürdigerweise ist die verneinende Form, nämlich "er oder sie hat keine gute Kinderstube" im heutigen Sprachgebrauch weitaus geläufiger. Die "gute Kinderstube" ist Ausdruck für eine bestimmte Art von Wohlerzogenheit, die Freundlichkeit, gutes Benehmen mit Artigkeit und Respekt gegenüber den Eltern und anderen zu vereinbaren sucht. Die Redewendung selbst stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Eine staatsgefährdende Revolution

Friedrich Fröbel hatte keine gute Kinderstube. Seine Mutter starb 1783, als er noch kein Jahr alt war. Einsam und sich selbst überlassen verbrachte er seine frühe Kindheit. Ohne elterliche Liebe. Fröbels Kindergartenidee, es sollten "freie, denkende, selbsttätige Menschen" herangebildet werden, machte Schule, war geradezu revolutionär. 1851 wurden alle Fröbelkindergärten in Preußen verboten. Offensichtlich war es staatsgefährdend, Liebe und Zuneigung zu Kindern als fundamentale Bestandteile eines pädagogischen Programms zu begreifen und auch noch danach zu handeln. Arme Kinder. Armes Land. Aber das ist ja lange vorbei?

Fragen zum Text:

Wann gab es die ersten Kindergärten?

1. in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

2. Ende des Mittelalters

3. Nach dem Zweiten Weltkrieg

Wer das Kind schon schaukeln wird, der…?

1. arbeitet als Kindergärtner/In

2. wird eine Sache in Ordnung bringen

3. nimmt eine Sache zu leicht

Wer sich nicht zu benehmen weiß,…?

1. hatte keine gute Kinderstube

2. schüttet das Kind mit dem Bade aus

3. ist ein gebranntes Kind

Arbeitsauftrag:

In Deutschland ist es weniger als in anderen europäischen Ländern üblich, Kinder unter drei Jahren in einen Kindergarten, eine Kinderkrippe zu geben. Gerade in letzter Zeit ist in Deutschland – angesichts des Geburtenrückgangs – jedoch verstärkt die Forderung nach mehr solcher Betreuungsplätze vertreten worden. Was ist Ihre Meinung: Ab welchem Alter sollten Kinder einen Kindergartenplatz erhalten? Diskutieren Sie zunächst mit Ihrem Nachbarn darüber und stellen Sie anschließend Ihre Ergebnisse vor.

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