Kiew und Separatisten tauschen Kriegsgefangene aus | Aktuell Europa | DW | 27.12.2017
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Hoffnungsschimmer im Ukraine-Konflikt

Kiew und Separatisten tauschen Kriegsgefangene aus

Ist es ein Zeichen der Entspannung im Ukraine-Konflikt? Die beiden Kriegsparteien - die Ukraine und die prorussischen Separatisten - haben mehr als 300 Gefangene ausgetauscht.

Es handelte sich um einen der größten derartigen Austausche seit Beginn des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine im April 2014. Nun wurden beim ersten Gefangenenaustausch seit September vergangenen Jahres insgesamt 306 Gefangene ausgetauscht - 73 wurden von den prorussischen Rebellen freigelassen, 233 von ukrainischer Seite. Am Flughafen von Kiew bereiteten hunderte Menschen den ersten Heimkehrern einen begeisterten Empfang.

Viele wollten nicht zurück

Ursprünglich sollten insgesamt 380 Gefangene ausgetauscht werden. Dass es am Ende weniger waren, lag vor allem daran, dass Dutzende von Kiews Gefangenen nicht zu den Rebellen zurückwollten. Andererseits entschieden sich zwei Betroffene, auf der Rebellenseite zu bleiben. Im September 2016 hatte die ukrainische Armee zuletzt vier Gefangene freigelassen, die Separatisten zwei.

Der aktuelle Gefangenenaustausch fand auf einer Straße in der Nähe der Stadt Gorliwka statt. Die von Kiew kontrollierte Gegend liegt rund 40 Kilometer nordöstlich der Rebellenhochburg Donezk. Die Gefangenen versammelten sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt an der Übergabestelle. Nach Verlesung ihrer Namen bestiegen sie Busse.

Weiterer Austausch geplant

Der ukrainische Politiker Viktor Medwedtschuk, der als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin gilt und für die Kiewer Regierung mit den Rebellen verhandelte, kündigte einen weiteren Gefangenenaustausch an, bei dem 19 Gefangene der Rebellen gegen 74 von Kiew festgehaltene Personen ausgetauscht werden sollten. Ein Datum dafür wurde zunächst nicht genannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßten die Aktion als "wichtige humanitäre Geste und Schritt zur Umsetzung" der Friedensvereinbarungen von Minsk.

Schwelender Konflikt

In der Ostukraine kämpfen Soldaten der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten. Von beiden Seiten gibt es immer wieder Verstöße gegen das Friedensabkommen von Minsk aus dem Jahr 2015, das neben dem Austausch von Gefangenen unter anderem einen Waffenstillstand und eine Entwaffnung der Rebellen vorsieht. Die Ukraine und westliche Staaten werfen Russland vor, die Separatisten zu unterstützen. Moskau weist dies entschieden zurück.

sam/gri (AFP, AP, dpa)

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