Keine Ruhe in Köthen, das aber ″störungsfrei″ | Aktuell Deutschland | DW | 16.09.2018
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Köthen

Keine Ruhe in Köthen, das aber "störungsfrei"

Und wieder zogen viele Menschen durch die sachsen-anhaltinische Kreisstadt. Und wieder machten sie Kanzlerin Merkel für die Todesfälle in Chemnitz und Köthen verantwortlich. Eine Gegendemo gab's auch. Nur kleiner.

Zu dem Aufzug auf dem Marktplatz von Köthen hatte der rechtsgerichtete, brandenburgische Verein "Zukunft Heimat" aufgerufen, unterstützt unter anderem von "Pegida", der rechtsextremen Plattform "Ein Prozent", dem Bündnis "Kandel ist überall" und AfD-Politikern. Etwa 1400 Menschen lauschten den Rednern. Die kritisierten die Asylpolitik und machten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Todesfälle in Chemnitz und Köthen verantwortlich. Zudem warnten sie davor, sich nicht von der "Antifa vor und hinter der Kamera" provozieren zu lassen.

Begleitet wurden die Reden von "Lügenpresse"-Sprechchören. Im Anschluss zogen die Demonstranten zu einem Trauermarsch durch die Stadt. In Köthen waren Plakate wie "Volksverräter absetzen", "Heimatliebe ist kein Verbrechen" und "Es reicht, Frau Merkel, sie muss weg" zu sehen. Mehr als 1000 Polizisten aus mehreren Bundesländern sicherten das Geschehen ab. Reiterstaffeln waren im Einsatz, Wasserwerfer standen bereit.

Linke Initiativen versammelten etwa 850 Teilnehmer zum Gegenprotest. Zeitweise kamen sich die Demonstrationszüge sehr nahe. Die Demos liefen laut Polizei nach vorläufigen Erkenntnissen aber weitestgehend störungsfrei.

Am Vortag hatte die Kleinstadt mit gut 26.000 Einwohnern ein Zeichen für ein friedliches Köthen gesetzt: Es wurden auf zahlreiche Straßen und Plätze bunte Kreidebotschaften wie "Frieden für Köthen" und "bunt ist schön" gemalt. Die Botschaften zierten den Markt auch noch während der rechtsgerichteten Demo am Sonntag. Auch die Köthener Jakobskirche öffnete am Sonntagnachmittag erneut ihre Türen und hielt mit Hunderten Teilnehmern einen Friedensgottesdienst ab.

Hintergrund der Demos ist der Tod eines 22-Jährigen vor einer Woche. Nach Behördenangaben starb der schwer herzkranke Deutsche an einem Infarkt, nachdem er sich schlichtend in einen Streit zwischen mehreren Afghanen eingeschaltet hatte und ins Gesicht geschlagen wurde. Zwei 18 und 20 Jahre alte Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Seit dem Tod des Mannes gab es mehrere Demos in der Stadt. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Volksverhetzung.

Tausende demonstrieren in NRW gegen Rechts

Während in Köthen die Neonazis marschierten, setzten bei mehreren Kundgebungen in Köln, Dortmund und Gelsenkirchen Tausende Menschen ein Zeichen gegen Rechts. Rund 12.000 Menschen forderten am Sonntag in Köln eine menschliche Flüchtlingspolitik als Zeichen gegen Rechts und Rassismus. Mehr als 120 Initiativen, Organisationen, Parteien, Wohlfahrtsverbände und die beiden Kirchen hatten zu der Kundgebung "Köln zeigt Haltung!" aufgerufen. Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker trat auf. 

Deutschland Protest Köln zeigt Haltung | Solidarität mit Gleflüchteten (Reuters/W. Rattay)

Demonstranten in Köln

In Gelsenkirchen wurde bei einem Protestmarsch rechter Gruppierungen und einer Gegendemonstration ein 65 Jahre alter Mann verletzt. Er habe vermutlich eine Flasche an den Kopf bekommen, sagte ein Polizeisprecher. Nach ersten Erkenntnissen gehörte der 65-Jährige wohl zu den Gegendemonstranten, die für mehr Toleranz und Demokratie protestierten. Die Polizei sprach von rund 350 Teilnehmern auf der Seite der Rechten und bis zu 2000 Gegendemonstranten. 

Zu Pöbeleien von Rechtsextremen kam es laut Polizei bei einer Ansprache des Dortmunder Oberbürgermeisters Ullrich Sierau (SPD) beim "Fest für Demokratie und Vielfalt". Als die Beamten die Gruppe zurückdrängen wollten, wurden sie von einigen Rechten angegriffen. Neun Verdächtige wurden in Gewahrsam genommen, fünf Männer aus der Gruppe wurden unter anderem wegen versuchter Körperverletzung angezeigt. Ein Beamter wurde bei den Übergriffen leicht verletzt.

rb/ehl (afp, dpa, epd)

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