Keine Nachricht von einer besseren Welt | 65 Jahre DW | 65 Jahre DW | DW | 02.05.2018
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65 Jahre DW

Keine Nachricht von einer besseren Welt

Menschen in aller Welt freien Zugang zu verlässlichen Informationen verschaffen: Das ist seit 65 Jahren zentrales Anliegen der DW. Es gilt heute um so mehr angesichts zunehmender Einschränkungen der Pressefreiheit. 

Das russische Außenministerium schäumte. Es sei „eine besonders zynische und perfide Form der Einmischung in die russische Wahlsphäre“. Wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen im März 2018 war ein Beitrag der Deutschen Welle Anlass für die Empörung in Moskau. Die Russisch-Redaktion hatte sich in dem Online-Artikel mit Strategien von Protestverhalten im Zuge der Wahlen befasst. Aus russischer Sicht ein „eklatanter Verstoß gegen die journalistische Ethik und den Grundsatz der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates“, so die Reaktion auf die DW-Analysen. 

Eine aggressive Rhetorik, die an längst vergangene Zeiten erinnert: 30 Jahre nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation zeichnet sich ein neuer „Kalter Krieg“ ab. Zwischen einem selbstbewusst-nationalistischen Russland auf der einen, den erratisch agierenden USA auf der anderen Seite – und einem verzagten, erodierenden Europa dazwischen. 

Neue Instrumente im Wettbewerb

Interessen und Ansprüche, Gesellschaftsmodelle und Wertvorstellungen stehen international wieder in heftigem Widerspruch. Der Wettbewerb der Ideen und der Kampf um die Köpfe werden – wie schon einst – auch und gerade über die Medien ausgetragen. Heute zumeist im Fernsehen und auf digitalen Plattformen. Sie sind die wirkungsmächtigen Instrumente, um Meinungen zu prägen und die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen.

Am 3. Mai 1953 gegründet, ist die DW ein Kind des Kalten Kriegs. Das mediale Wettrüsten bis 1989 ließ auch Deutschlands Auslandssender prosperieren. Mit einem Radioprogramm auf Deutsch ging die DW erstmals auf Sendung. Doch schon bald wurde aus dem Service für die „lieben Landsleute in aller Welt“, wie der damalige Bundespräsident Theodor Heuss zum Sendestart sagte, ein vielsprachiges Programmangebot. 1962 schon 17 Sendesprachen, waren es vier Jahre später 28 und 1973 deren 33. Entsprechend dynamisch wuchsen Etat und Mitarbeiterzahl.

Zwischenhoch nach Mauerfall

Der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa brachte 1989 einen Wendepunkt. Die international agierenden Sender erfuhren schmerzhafte Einschnitte. Ihre nahezu erdumspannenden und ungemein teuren Kurzwellenkapazitäten wirkten wie aus der Zeit gefallen. Abbau war die Devise. Die staatlichen Geldgeber hinterfragten die Legitimation.

Start des deutschen Auslandsfernsehens DW-TV in Berlin, Intendant Dieter Weirich, 1. April 1992 (DW)

Start des Auslandsfernsehens in Berlin - aus RIAS TV wird DW-TV: der damalige Intendant Dieter Weirich und der rote Knopf

Der DW allerdings gelang ein kleines Zwischenhoch: 1992 startete sie aus der Hauptstadt Berlin ein deutsches Auslandsfernsehen via Satellit. Das wiedervereinigte Deutschland wollte sich der Welt über die Kraft der Bilder präsentieren, als weltoffene, friedliebende und europäisch geprägte Nation. Gleichzeitig wurden die Angebote einiger Sendesprachen der DW deutlich reduziert oder eingestellt. So schienen Ungarisch, Tschechisch und Slowakisch verzichtbar mit Blick auf die Entspannungspolitik, den Prozess der europäischen Einigung und die – aus damaliger Sicht – irreversiblen demokratischen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa. 

Der Krieg im früheren Jugoslawien riss Europa aus den Friedensträumen. Aufklärung durch Radioprogramme auf Serbisch, Kroatisch, Mazedonisch und Bosnisch war bei der DW das Gebot der Stunde. Spätestens mit dem Schock von 9/11, den Kriegen in Afghanistan, Irak und Syrien zerschlugen sich wohl die letzten Hoffnungen auf eine friedlichere Welt. 

Zur gleichen Zeit erfuhren weltweit die Medienmärkte einen dramatischen Umbruch: Liberalisierung, Deregulierung und Digitalisierung brachten neue Akteure, verschärften den Wettbewerb und veränderten binnen weniger Jahre das Nutzungsverhalten in tiefgreifender Weise. Entwicklungen, die die Deutsche Welle – wie andere Auslandssender – technisch, programmlich und mit Blick auf ihre Verbreitungswege berücksichtigen musste. 

Neuer Auftrag – neue Aufgaben

Auch das 2005 novellierte DW-Gesetz trug der neuen Zeit Rechnung: Ausdrücklich erlaubte es der DW nun auch die Nutzung von „Telemedien“, um ihre Inhalte zu den Menschen zu bringen. 

Trotz nicht unerheblicher Budgetkürzungen seit 1998 gelingt es der DW gleichwohl, international den Anschluss zu halten. Sparprogramme und die Umschichtung von Mitteln ermöglichen es, immer wieder rasch auf politische Herausforderungen reagieren zu können. Als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA die arabische Welt und Afghanistan in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten, verstärkt die DW auch für diese Regionen ihre Aktivitäten. 2002 startet sie ein zweistündiges TV-Fenster für Afghanistan – zum ersten Mal produziert sie ein Fernsehprogramm speziell für eine Krisenregion. Gleichzeitig bildet die DW Akademie afghanische Journalisten aus. Wenige Monate später folgt ein dreistündiges TV-Angebot auf Arabisch. Ein Beitrag zum Dialog mit der islamischen Welt – und zur Konfliktprävention. 

Es sind globale Entwicklungen wie diese, die die DW wieder stärker in das Blickfeld der Politik rücken. Regierung und Parlament erkennen zunehmend den Wert, den ein leistungsfähiger Auslandssender für Deutschland hat. TV-, Radio- und Onlineangebote, Informationen in 30 Sprachen – ein wirkungsvoller Weg, deutsche und europäische Positionen und Perspektiven international zu vermitteln. 

Aufklärung versus Propaganda 

Russland Karikatur zu Gesetz über ausländische Agenten

Ein Gesetz in Russland macht ausländische Medien zu Agenten

Weitgehend unbeachtet von einer breiteren Öffentlichkeit in den westlichen Ländern, haben China, Russland und Iran in der vergangenen Dekade die Instrumente ihrer Auslandskommunikation professionalisiert, ausgebaut und ideologisch in Stellung gebracht. Ob CGTN, RT, oder Press TV – sie stehen für das Bemühen, Macht- und Außenpolitik medial zu flankieren. Mit Propaganda und Desinformation. 

Die DW tritt dem mit umfassender Aufklärung entgegen, auf der Grundlage ihrer journalistischen Werte und Qualitätsstandards. Nur so kann sie den neuen „Kalten Kriegern“ überzeugend Paroli bieten. Der massive Anstieg der Nutzung ihres russischen und ukrainischen Angebots seit Beginn des Russland-Ukraine-Konflikts belegt eindrucksvoll, dass die DW bei vielen Menschen bis heute als glaubwürdige und verlässliche Informationsquelle gilt.

Um in einer volatilen weltpolitischen Gemengelage im Interesse Deutschlands handlungsfähig zu bleiben, ist die Sprachenvielfalt der DW essenziell. Immer neue politische Brandherde erfordern mediale Reaktionen. Seien es Flucht und Migration nach Europa oder die Entwicklung der Türkei hin zu einem autokratischen System. Auch den Menschen zwischen Bosporus und Anatolien bietet die DW Informationsangebote: frei, unabhängig, vielfältig. Pläne, gemeinsam mit anderen westlichen Auslandssendern ein türkisches TV-Programm aufzulegen, werden zurzeit ausgearbeitet – und könnten rasch starten.

Jede Investition in die DW ist eine Investition in die Förderung demokratischer Werte und des weltweiten Zugangs zu verlässlicher Information – als Voraussetzung für die Meinungsbildung – und des Dialogs.