Kein Visum für ausländische Studierende ohne Präsenzpflicht | Deutschlehrer-Info | DW | 27.08.2020
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Deutschlehrer-Info

Kein Visum für ausländische Studierende ohne Präsenzpflicht

Wegen der Corona-Pandemie gibt es für ausländische Studierende weiterhin Hürden bei der Einreise nach Deutschland. Ein Visum bekommt nur, wer Anwesenheitspflicht an der Uni nachweisen kann. Das stößt auf Kritik.

Studierende sitzen in den vollbesetzten Reihen eines Hörsaals an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Archivbild aus dem Jahr 2017

Volle Hörsäle wie hier im Jahr 2017 sind derzeit eine Seltenheit an deutschen Universitäten.

Studierende aus Nicht-EU-Ländern, die an einer deutschen Hochschule studieren wollen, können nach Angaben der Bundesregierung auch zum beginnenden Wintersemester 2020/2021 weiter nur eingeschränkt einreisen. Ein Visum bekomme nur, wer nachweisen kann, dass das Studium wegen Anwesenheitspflicht an der Uni nicht vollständig aus dem Ausland möglich sei. Dies geht aus einer Antwort des Bundesbildungsministeriums auf eine Anfrage der Grünen.

Weiter heißt es dort, die Einreise zu einem Online- oder Fernstudium sei aber weiterhin nicht vorgesehen. Die Einschränkung gilt nicht für Studierende, die bereits in Deutschland sind. Wer bereits mit einem Visum in Deutschland war und nun beispielsweise für die Ferien in die Heimat geflogen ist, könne auch wiederkommen, wenn das Visum noch gültig ist, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die meisten Unis hätten ohnehin den Präsenzbetrieb wieder aufgenommen.

Dies bestätigt zum Beispiel die Sprecherin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, Michaela Grün: Im Wintersemester finden nach ihren Angaben dort wieder in allen Studiengängen neben Online- auch Präsenzveranstaltungen statt. Ausländische Studierende erhalten wegen der Einschränkungen mit ihren Zulassungspapieren von der Viadrina derzeit auch automatisch ein Formular, mit dem sie die Präsenzpflicht gegenüber den deutschen Auslandsvertretungen nachweisen können, erklärte Grün.

Kritik an der Entscheidung kommt zum Beispiel vom Bundesverband ausländischer Studierender. Deren Sprecher Kumar Ashish sagte in einem Fernsehinterview der ARD: „Was nutzt es einer Studentin in Indien, online an ihren deutschen Uni-Seminaren teilzunehmen, wenn sie nicht in die Uni-Bibliothek gehen kann?“ Gerade in Indien gelte immer noch eine Ausgangssperre, daher komme die Studentin nicht mal an die Literatur in ihrer Stadt – so sei ein Studium unmöglich.

Kai Gehring spricht in Deutschen Bundestag. Archivbild aus dem Jahr 2018

Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) vergleicht die Visums-Regelung mit den Plänen Donald Trumps.

Auch der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring kritisierte die Regelung scharf. Es sei eine „irrige Annahme“, dass ein Studienaufenthalt nur für den Besuch von Vorlesungen und Seminaren gedacht sei, sagte er. „Austausch“, so Gehring, „dient auch dazu, Kultur und Gesellschaft des Gastlandes kennenzulernen“.

Mit Blick auf die von US-Präsident Donald Trump zunächst angedrohten Ausweisungen ausländischer Studierender, die auch in Deutschland auf Empörung stießen, sprach Gehring zudem von „Doppelmoral“. Die US-Regierung hatte im Juli nach Protesten eine geplante Visa-Regelung zurückgenommen, mit der ausländische Studierende bei der ausschließlichen Belegung von Online-Kursen im Wintersemester zur Ausreise gezwungen werden sollten. Sie dürfen nun bleiben.

Wegen der in der Corona-Pandemie verhängten Einreisesperren konnten ausländische Studierende ab dem 17. März nicht mehr einreisen. Die neue Regelung mit dem Nachweis von Präsenzpflichten gilt laut Bundesbildungsministerium seit dem 2. Juli.

rh/bwar (mit epd, dpa, afp)
 

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