″Kein schneller Deal zwischen USA und Nordkorea″ | Asien | DW | 09.05.2018
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Internationale Diplomatie

"Kein schneller Deal zwischen USA und Nordkorea"

Nordkorea hat drei US-Bürger mit US-Außenminister Pompeo ausreisen lassen. Trotz Hoffnung auf ein erfolgreiches Treffen zwischen Kim und Trump erwartet DGAP-Experte Bernt Berger keine schnelle Einigung.

Deutsche Welle: Was erwarten Sie vom geplanten Gipfeltreffen von Kim und Trump? Nordkorea hat am Mittwoch (9. Mai 2018) drei US-Bürger südkoreanischer Abstammung freigelassen, um den guten Willen zu unterstreichen.

Bernt Berger: Das Treffen zwischen den USA und Nordkorea wird hoffentlich auf vorherigen Konsultationen basieren und symbolischen Wert haben. Beide Länder möchten demonstrieren, dass sie sich einem Friedensprozess verpflichtet fühlen.

Vorher muss aber auch geklärt werden, dass es keine schnellen Lösungen geben kann. Eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel kann nur ein Teil des Prozesses sein und nur mittel- bis langfristig erreicht werden.

Der schwierigere Teil wird es sein, eine sicherheitspolitische Lösung zu finden, die die Interessen aller Parteien berücksichtigt. Aus diesem Grund wäre es falsch, jetzt schon einen schnellen "Deal" zu erwarten.

Im Vorfeld des Treffens zwischen Kim und Trump will China weiterhin "im Spiel" bleiben. Was kann China jetzt noch in seinem eigenen Interesse bewegen?

China Ministerpräsident Xi Jinping emfängt norkoreanischer Präsident Kim Jong Un (picture-alliance/dpa/XinHua/Ju Peng)

Kim braucht mehr Zeit für die Denuklearisierung

China wird bei den zukünftigen Konsultationen mit "an Bord" sein. Das Ziel ist, das existierende Waffenstillstandsabkommen durch ein Friedensabkommen zu ersetzen. Bei diesem Prozess ist China zwangsläufig Partei.

Anfang der Woche haben sich Kim Jong Un und Xi Jinping zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen in China getroffen. Gibt es ihrer Meinung nach Dinge, die beim ersten Treffen Ende März nicht hätten besprochen werden können?

Der  Annäherungsprozess zwischen Nord- und Südkorea steht im Zentrum des Geschehens. Um aber mittel- bis langfristig Resultate in einem Friedensprozess zu erreichen, müssen China und die USA Teil des Prozesses werden.

Es scheint eine Art Arbeitsteilung zwischen Süd- und Nordkorea zu geben, nämlich die, die jeweilige Schutzmacht zu informieren. Für Kim ist es auch wichtig, sich mit China abzustimmen, bevor ein potentielles Treffen mit US-Präsident Donald Trump stattfindet.

Darüber hinaus war es stets ein Anliegen Chinas, einen wirtschaftlichen Reformkurs in Nordkorea anzustoßen. Die Treffen der Staatsoberhäupter der beiden Länder kann dabei dienlich sein.

China Ministerpräsident Xi Jinping emfängt norkoreanischer Präsident Kim Jong Un (picture-alliance/Xinhua News Agency/Xie Huanchi)

Kim und Xi am Dienstag in der ostchinesischen Küstenstadt Dalian

Kim hat im Gespräch mit Xi seine Vorstellung von Denuklearisierung dargelegt. Nordkorea brauche deutlich länger als die von den USA geforderten sechs bis zwölf Monate. Steht China hinter Nordkoreas Plan?

China hat konsistent alle Schritte unterstützt, die zum Ziel der Denuklearisierungführen. Daran hat sich bisher nichts geändert. Nachdem China das Sanktionsregime gestärkt hat, wird es jetzt auch eine diplomatische Lösung unterstützen, die eine Lösung der Nuklearfrage beinhaltet.

Bernt Berger ist Senior Fellow und Leiter der Asien-Programme an der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin.

Das Interview führte Haiye Cao.

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