Kein Schönwetterprinz: Der britische Thronfolger Prinz Charles wird 70 | Kultur | DW | 14.11.2018
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Royals

Kein Schönwetterprinz: Der britische Thronfolger Prinz Charles wird 70

Seine Söhne William und Harry mussten als Kinder Müll sammeln. Damals galt Prinz Charles als spleenig, heute sind seine Ideen für ökologische Landwirtschaft und Umweltschutz aktueller denn je. Er ist sich treu geblieben.

"Es ist immer nur Platz für einen Regenten, nicht gleichzeitig für zwei", sagt Prinz Charles lächelnd in der aktuellen TV-Dokumentation "Prince, Son and Heir: Charles at 70", die vom britischen Sender BBC anlässlich seines 70. Geburtstages ausgestrahlt wurde.

Die BBC-Reporter durften den "Prince of Wales", geboren am 14.11.1948, ein Jahr lang mit der Kamera begleiten, und konnten seine engsten Familienangehörigen, seine Freunde und Wegbegleiter über ihn befragen.

Herausgekommen ist ein differenziertes Bild vom britischen Thronfolger, das ganz neue, unbekannte Seiten an ihm aufblättert. Charles geht als Sohn der Queen sehr humorvoll mit seinem Erbe der Thronfolgerposition um - und sieht sich nicht in Wartestellung. Zur Zeit mache er einfach einen anderen Job und genieße den Freiraum, scherzt er vor der Kamera: "Wenn du Souverän wirst, dann spielst du die Rolle, die von dir erwartet wird."

Royales Bildungsprogramm für Aussteiger

Auch die Adelsexpertin Julia Melchior sieht in dem jetzigen Wirken von Prinz Charles, das er dezent im Hintergrund verfolgt, viel Potenzial für Großbritannien. Schon 1976 hat er den "Prince's Trust" gegründet, eine Wohltätigkeitsorganisation, unter deren Dach mehr als 15 karitative Einrichtungen nachhaltig arbeiten. Damit ermögliche er jungen Leuten aus sozialen Problembezirken, Schulbildung und auch ökologisches Bewusstsein nachzuholen und damit neue Aufstiegschancen zu erreichen.

Prinz Charles und Königin Elisabeth II (picture-alliance/dpa/Nick Knight)

Prinz Charles mit Queen Elizabeth II

Als "Royal" muss sich der Kronprinz aus der offiziellen Politik seines Landes raushalten - so sieht es die Verfassung von Großbritannien vor. Aber als Impulsgeber für gesellschaftspolitische Veränderungen ist Prinz Charles ein wirkmächtiger Faktor in der britischen Gesellschaft, erklärt Julia Melchior. "Er steht auch für Dinge, die total zeitgemäß sind. Er ist einer der ersten gewesen, der ein radikales Umweltbewusstsein entwickelt hat. Damals hielt man ihn für einen Spinner, aber eigentlich war er schon immer ein Vordenker."

Engagement für eine "enkelgerechte Zukunft"

Prinz Charles, der sich auch "Duke of Cornwall" nennen darf, möchte „sein Land" Großbritannien, und im Grunde die ganze Welt, umweltbewusster, kulturvoller, sozialer und vor allem grüner machen. Für seinen Enkel George hat er einen ganzen Wald neu gepflanzt.

Wenn er davon erzählt, blitzt leidenschaftliche Freude und Stolz in seinen Augen auf. Er nimmt die Möglichkeiten, sich als Mitglied der königlichen Familie gesellschaftlich einzumischen, nachhaltig wahr. Seine Utopie von einer enkelgerechten Zukunft treibe ihn bis heute an. "Ich frage mich immer, was 'einmischen' heißt. Ich dachte immer, das hieße motivieren", sagt er im BBC-Interview.

Emotionale Herkulesaufgabe

Was Charles tue, mache er mit allen Kräften und großer Passion, sagt Julia Melchior. Sie begleitet den europäischen Hochadel als TV-Journalistin und sachkundige ZDF-Adelsexpertin seit vielen Jahren und hat auch Charles' persönliche Entwicklung vom Buhmann der "Royals" zum "Prince Charming" beobachtet

Für den erstgeborenen Sohn der Queen sei das emotional eine Herkulesaufgabe gewesen: "Wenn man sich das mal überlegt, was der eigentlich durchgemacht hat", erzählt sie im DW-Interview. "Er hatte eine sehr einsame und freudlose Kindheit, eine unglückliche Ehe, dann diese dramatischen Jahre mit dem grausamen Scheidungskrieg. Das war alles sehr tragisch. Und er stand immer in der Kritik - als offizielle Persönlichkeit, aber auch als Privatmensch."

Lieblings-Prinzenrolle: "Opa Wales"

Mittlerweile ist Charles Großvater von acht Enkelkindern: drei aus seiner eigenen Familie und fünf Sprösslinge aus der Familie seiner zweiten Frau Camilla.

Inzwischen hat die "Herzogin von Cornwall" ihren Platz in der königlichen Familiendynastie gefunden - als "Grandma". Im Falle der Inthronisierung von Charles wird Camilla allerdings nicht Königin, sondern nur "Princess Consort" (auf deutsch "Prinzessingemahlin"). Auf den Titel "Princess of Wales", den Diana inne hatte, hat sie verzichtet.

Die Queen gab höchstpersönlich den Segen für die umstrittene zweite Ehe ihres ältesten Sohnes mit der ebenfalls geschiedenen Camilla Parker Bowles. Als Elizabeth II. 2013 ihr offizielles Regierungsprogramm im britischen Parlament verlas, ließ sie sich öffentlichkeitswirksam von Prinz Charles und Camilla begleiten.

Großbritannien Skurrile Geschehnisse in der Royal Family (Bildergalerie) (C. De Souza/AFP/Getty Images)

Vertrauter Anblick: ein Brite mit Schirm

Den nächsten Generationen verpflichtet

Im Frühjahr 2019 erwarten nun Prinz Harry und Herzogin Meghan ihr erstes Kind. Schwiegervater Charles hat die junge Schauspielerin, die als Amerikanerin aus einem völlig anderen Kulturkreis kommt, sehr fürsorglich in die königliche Familie aufgenommen und zeigt als Familienmensch weitere Facetten seiner Persönlichkeit.

Mit seinem britischen Humor baut er ihr Brücken, um die strenge, jahrhundertealte Hofetikette im Buckingham Palast verstehen und die skurrile Welt des britischen Hochadels mit Gelassenheit nehmen zu können.

Die Zukunft der jüngeren Generationen der königlichen Familie sei ihm Freude und Verpflichtung zugleich, sagt Prinz Charles im BBC-Interview: "Ich werde bald ein weiteres Enkelkind bekommen. Es scheint für mich ein Irrsinn, wenn wir ihnen eine so verschmutzte, beschädigte und zerstörte Welt hinterlassen."

Ehrenplatz in der Geschichte Großbritanniens

Seine Aufgabe als ökologisch aufmerksamer Vater, Onkel und Großvater dabei ist klar: Solange er als Kronprinz den Freiraum dafür hat, wird er sein soziales und umweltpolitisches Engagement fortsetzen, betont er in diesem Interview. Seine Söhne gestanden unlängst, dass sie als Kinder Müll von anderen Leuten aufsammeln mussten.

Bei aller Bodenständigkeit gehört Charles trotzdem und vor allem zur britischen "Upper Class". Bei Polo-Turnieren und auf der Pferderennbahn von Ascot wirft er sich mit Gattin Camilla gern in Schale.

Royal Ascot Pferderennbahn - Meghan Markle und Prinz Harry (Getty Images/Ascot Racecourse/N. Baker)

Eleganter Cut, Zylinder und Stockschirm: Charles mit Familie beim Pferderennen in Ascot

Schritt für Schritt zum König

Wann der "Prince of Wales" König wird, steht offiziell noch nicht fest. Längst aber hat er ohne viel Aufhebens einen Großteil der königlichen Pflichten seiner 92-jährigen Mutter übernommen. Mehr als 600 offizielle Termine nimmt er im Jahr wahr. 14-Stunden-Tage sind bei ihm die Regel. Auslandsreisen macht die Queen gar nicht mehr, solche politischen Repräsentationsaufgaben sind an Charles übergegangen.

Seinen Platz in der Geschichte Europas hat der ewige Thronfolger längst erobert. Zweifel, dass Prinz Charles der 63. König von Großbritannien wird, hegt dort niemand, sagt Adelsexpertin Julia Melchior. "Die Verfassung sieht ganz klar vor, wie das sein wird: Er ist der Thronfolger und er wird seiner Mutter auf den Thron folgen. Solange seine Gesundheit mitspielt."

Charles wird dann auf jeden Fall der älteste König der britischen Monarchie sein - sein royales Alleinstellungsmerkmal.

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