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Kaum noch Hoffnung

17. April 2014

Nach dem Untergang der "Sewol" rechnen Rettungskräfte kaum mit weiteren Überlebenden. Derweil wächst die Kritik an der Besatzung und vor allem am Kapitän der Fähre. Viele Angehörige der Vermissten sind empört.

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Taucher an der gesunkenen Fähre "Sewok" (Foto: Reuters)
Bild: Reuters

Mehr als 500 Taucher standen zum Einsatz bereit. Über 150 Schiffe und zahlreiche Flugzeuge sind an der Bergungsaktion beteiligt. Es dürfte das schlimmste Schiffsunglück in Südkorea seit zwei Jahrzehnten sein. Fast 180 Menschen konnten nach offiziellen Angaben gerettet werden. Am frühen Morgen (Ortszeit) hatten Bergungskräfte bereits 25 Leichen aus den Wasser gezogen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet. Immer mehr Opfer trieben im Meer. Zugleich wurden noch mehr als 250 Menschen vermisst.

Die Chance, weitere Menschen lebend zu finden, schwindet: Bei einer Wassertemperatur von zwölf Grad könnten Schiffbrüchige im Wasser höchstens zwei bis drei Stunden aushalten, bevor die Unterkühlung einsetze, sagte ein Experte dem staatlichen Sender Arirang.

Schlechtes Wetter, starke Strömung

Um in dem Wrack überleben zu können, müsse man eine Luftblase finden, allerdings sinke der Sauerstoffgehalt. Schlechtes Wetter, starke Strömungen und eingeschränkte Sicht erschwerten die Rettungsarbeiten.

325 Jugendliche einer Oberschule in der Nähe der südkoreanischen Hauptstadt Seoul waren zusammen mit ihren Lehrern auf dem Weg von der westlichen Küstenstadt Inchon zur südlichen Ferieninsel Cheju, als das Schiff am Mittwochmorgen in Seenot geriet und einen Notruf absetzte.

Etwa zwei Stunden später sank die mehrstöckige Fähre beinahe komplett. Allein der Bugwulst ragt noch aus dem Meer hervor. Dies sei damit zu erklären, dass das Wasser an der Stelle nur etwa 30 bis 40 Meter tief und die Fähre mehr als 140 Meter lang sei, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Kräne würden in den nächsten Tagen zur Unglücksstelle gebracht, um das Wrack zu heben.

Südkoreas Staatspräsidentin Park Geun Hye im Gespräch mit Angehörigen der Vermissten (Foto: Reuters)
Staatspräsidentin Park (rechts) muss sich gegen scharfe Kritik der Angehörigen verteidigen.Bild: REUTERS

Wut und Empörung

Aufgebrachte Angehörige stellten Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye bei einer tumultartigen Begegnung auf der Insel Jindo nahe dem Unglücksort zur Rede. "Was tun Sie, wenn Menschen sterben? Die Zeit läuft davon!" schrie eine Frau. Park versuchte sie zu beschwichtigen.

Doch einige Eltern entgegneten, sie würden nicht unterrichtet und bekämen Informationen nur häppchenweise. Regierungschef Chung Hong Won war zuvor beschimpft, angerempelt und mit Wasserflaschen beworfen worden.

Herzzerreißende Botschaften

Unterdessen verbreiteten die Medien herzzerreißende Botschaften, die Schüler kurz vor dem Sinken der Fähre an Verwandte schickten. "Sende dir das für den Fall, dass ich es nicht noch einmal sagen kann. Mama, ich liebe dich!"

Die Mutter schrieb zurück: "Ich liebe dich auch, mein Sohn!" Sie konnte nicht wissen, dass Shin Young Jin zu diesem Zeitpunkt einen Kampf auf Leben und Tod zu bestehen hatte, den er glücklicherweise gewann.

Vorwürfe gegen die Crew

Warum die Fähre mit 475 Passagieren an Bord kenterte, ist nach wie vor unklar. Ermittler schlossen laut dem Rundfunksender KBS ein abruptes Wendemanöver als Grund für das Unglück nicht aus. Dem Kapitän drohten Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, hieß es. Ein Vertreter der Küstenwache wollte diese Angaben auf Anfrage nicht bestätigen.

Überlebende kritisierten, dass sich mehr Passagiere hätten retten können, wenn sie nicht angewiesen worden wären, am Platz zu bleiben. Nach Angaben südkoreanischer Medien wird auch hinterfragt, weshalb die meisten Rettungsboote nicht zu Wasser gelassen worden seien.

jj/uh (dpa, AFP, rtr)