Kaum Fortschritte im Kampf gegen Hunger | Welt | DW | 01.10.2013
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Welt

Kaum Fortschritte im Kampf gegen Hunger

Der Welternährungsbericht liefert ernüchternde Zahlen. Beim weltweiten Kampf gegen den Hunger geht es nur wenig voran. Warum geht noch immer jeder achte Mensch auf der Welt hungrig ins Bett?

"Die Lage hat sich noch nicht so verbessert, dass wir von großen Erfolgen sprechen können", sagt Simone Pott von der Welthungerhilfe anlässlich der Veröffentlichung des Welternährungsberichts. "Wir sind froh über jeden Menschen, den wir aus der Spirale von Hunger und Armut herausholen, aber noch geht jeder achte Mensch hungrig ins Bett."

Zwölf Prozent der Weltbevölkerung hatten zwischen 2011 und 2013 nicht genug zu essen - so die aktuellen Zahlen des "Berichts über weltweite Ernährungsunsicherheit", der am Dienstag (01.10.2013) in Rom vorgestellt wurde. Das Papier stellt jedes Jahr die Lage im Kampf gegen den Hunger dar.

Ziel verfehlt

Simone Pott, Welthungerhilfe (Foto: Eva Haeberle)

Sieht noch keinen Durchbruch - Simone Pott von der Welthungerhilfe

Die Gesamtzahl der Hungernden weltweit sank demnach gegenüber dem Bericht von 2012 leicht um etwa drei Prozent. Das Ziel des Welternährungsgipfels von 1996, bis 2015 die Zahl der Hungernden gegenüber 1990 zu halbieren, ist schon lange außer Reichweite. Danach dürfte es heute nur noch etwa 550 Millionen unterernährte Menschen geben - es sind aber 842 Millionen. Lediglich das wesentlich weniger ambitionierte "Milleniumsziel", eine prozentuale Halbierung der Hungernden im gleichen Zeitraum, kann noch erreicht werden. Der Unterschied zwischen einer Reduzierung der absoluten Zahl und der Prozentzahl ist enorm, da die Weltbevölkerung jedes Jahr stark wächst.

Die größten Erfolge bei der Bekämpfung des Hungers gab es in Südostasien. Dort ging der Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung von rund 30 auf zehn Prozent zurück. Auch in Lateinamerika wurden gute Fortschritte gemacht.

Kriege fördern Hunger

Ausgetrockneter Boden (Foto: picture-alliance/chromorange)

Trockenheit und Dürre müssen nicht zwangsläufig zu Hungersnöten führen

In Afrika dagegen breitet sich der Hunger sogar weiter aus. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. "In Nordafrika und im Nahen Osten spielen vor allem Bürgerkriege und ähnliche Zustände eine große Rolle", erklärt Josef Schmidhuber, stellvertretender Direktor bei der UN-Ernährungsorganisation FAO, die die Studie vorstellte. "Gleichzeitig hat die Region aber auch die natürlichen Ressourcen ausgeschöpft, um Nahrungsmittel zu produzieren." So würden in einigen Gegenden bereits 99 Prozent der Anbauflächen genutzt.

Afrika bleibt der Kontinent mit dem höchsten Anteil an Unterernährten. Laut Welternährungsbericht 2013 leidet dort weiterhin jeder fünfte Mensch an Hunger. Neben dem Klima, schlechter Bildung und dem starken Bevölkerungswachstum ist hier vor allem die fehlende Infrastruktur ein Grund für die mangelnde Versorgung. "Wenn es in einer bestimmten Region eines Landes eine gute Ernte gab, aber einige Provinzen weiter westlich Dürre herrscht, dann ist es oft unmöglich, diese gute Ernte vom einen Teil des Landes in den anderen zu bringen", erklärt Simone Pott.

Satte Produktion

Josef Schmidhuber, stellvertretender Direktor bei der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (Foto: Josef Schmidhuber)

Mahnt größere finanzielle Anstrengungen an - Josef Schmidhuber, stellvertretender Direktor bei der FAO

Weltweit gesehen gibt es keinen Mangel an Nahrungsmitteln, sondern in erster Linie ein Verteilungsproblem. "Die Welt kann genügend Nahrungsmittel für alle produzieren und sogar darüber hinaus", so Josef Schmidhuber. Trotzdem mag er das Wort Verteilungsproblem nicht. "Das impliziert immer, dass es jemanden gibt, der Nahrungsmittel verteilt." Tatsächlich müsse es darum gehen, Kaufkraft zu schaffen, damit die Menschen Nahrungsmittel bezahlen können.

Für die Zukunft ist er trotz aller Probleme optimistisch, dass es eine Welt ohne Hunger geben kann. Jedoch seien dafür finanziell wesentlich höhere Aufwendungen notwendig als bislang erbracht. Auch Simone Pott glaubt an eine Zukunft ohne Unterernährung: "Hunger und Armut sind vom Menschen gemachte Probleme, und deshalb werden wir auch in der Lage sein, diese Probleme zu überwinden."

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