Katastrophen im Jahr 2017 für die Versicherungen so teuer wie nie | Wirtschaft | DW | 04.01.2018
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Rückversicherer

Katastrophen im Jahr 2017 für die Versicherungen so teuer wie nie

Rekord-Schadensbilanz der Versicherungen: Als Hauptursache nennt die Munich Re die Serie schwerer Hurrikans in der Karibik und an der US-Ostküste. Und auch ihre Experten sehen starke Indizien für einen Klimawandel.

USA Florida Hurrikan Irma (Reuters/S. Yang)

Hurrikan "Irma" über Florida wurde für die Versicherungen besonders teuer

Man werde sich an derartige Größenordnungen gewöhnen müssen: so der lakonische Kommentar von Ernst Rauch von der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Das Jahr 2017 sei "kein Ausreißer", man habe schlicht eine "neue Normalität", sagte der Experte der Munich Re der Nachrichtenagentur Reuters. Diese "neue Normalität" bedeutet für die Versicherungen das teuerste Jahr ihrer Geschichte. 

Ernst Rauch Munic Re (Munic Re)

Klimafachmann der Munich Re: Ernst Rauch

Das Münchner Unternehmen, der größte Rückversicherer der Welt, bezifferte die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen auf 135 Milliarden Dollar. Insgesamt verursachten Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen 2017 einen Schaden von 330 Milliarden Dollar. Das bisher schadenträchtigste Jahr war 2011 mit dem Tsunami und der folgenden Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, die - zu heutigen Werten - zusammen 354 Milliarden Dollar kosteten.

Hauptursache für die Rekordwerte war die Serie schwerer Wirbelstürme, die im vergangenen Herbst die Karibik und die US-Ostküste traf. Die Klimaexperten der Munich Re sehen in ihren Daten der vergangenen Jahrzehnte zwar keinen Beweis, aber doch starke Indizien für die Auswirkungen des Klimawandels. Denn die ungewöhnlich hohen Naturkatastrophenschäden häufen sich.

In den historischen Daten der Münchner Rück gibt es nur drei Jahre, in denen die versicherten Schäden inflationsbereinigt mit über 100 Milliarden Dollar zu Buche schlugen - und diese sämtlich innerhalb der vergangenen 13 Jahre. "Vor 2005 gab es kein Jahr, in dem wir auch nur annähernd an hundert Milliarden herangekommen wären", bilanziert der Geophysiker Rauch. 

Immer mehr Katastrophen - und immer gewaltiger

Der Kostenanstieg ist laut Rauch vor allem durch Unwetter getrieben - "einerseits, weil es mehr davon gibt, andererseits, weil sie immer größere Schäden anrichten". Das liege daran, dass es immer mehr Menschen, Städte und Werte in gefährdeten Gebieten gibt, aber auch an der Klimaerwärmung. "Vor allem bei den schweren Gewittern in Nordamerika und Europa können wir den Einfluss des Klimawandels heute belegen."

Die teuerste Naturkatastrophe war im vergangenen Jahr der erste der drei Wirbelstürme: "Harvey" richtete in Texas allein rund 85 Milliarden Dollar Schaden an. Für die Versicherer war allerdings "Irma" mit Windgeschwindigkeiten über 300 Kilometer pro Stunde noch kostspieliger: Sie müssen 32 Milliarden Dollar an ihre Kunden dafür auszahlen.

Nicht jeder kann sich eine Versicherung leisten 

Ungewöhnlich hoch war 2017 der Anteil der versicherten Schäden: 41 Prozent des Gesamtschadens aus Naturkatastrophen mussten die Versicherer begleichen, weil die Hurrikane über Regionen mit einer hohen Versicherungsdichte niedergingen und nicht in Asien und Afrika, wo die Münchener Rück weiterhin große Lücken sieht. Im langjährigen Durchschnitt sind nur gut ein Viertel der Schäden versichert.

SC/sam (rtr, dpa)

 

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