Katar verlässt Opec | Wirtschaft | DW | 03.12.2018
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Ölkartell

Katar verlässt Opec

Katar will sich auf die Förderung von Gas konzentrieren und tritt aus der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) aus. Für den weltweiten Ölmarkt hat der Schritt des Emirats voraussichtlich wenig Folgen.

Wenige Tage vor dem nächsten Ministertreffen der Opec hat Katar seinen Ausstieg aus dem Ölkartell bekannt gegeben. Wie Energieminister Saad Sherida al-Kaabi am Montag ankündigte, werde Katar zum Jahresbeginn 2019 die Opec verlassen. Das Emirat habe die Organisation bereits über den Rückzug informiert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur QNA. Der Ausstieg spiegele den Wunsch Katars wider, sich auf die Steigerung der Gasproduktion zu konzentrieren, zitierte Qatar Petroleum den Minister. 

Energieminister Al-Kaabi zufolge will Katar die Gasförderung bis spätestens 2024 von jährlich 77 Millionen Tonnen auf 110 Millionen Tonnen erhöhen. Das Gas stammt vom South-Pars-Feld vor der Küste des Emirats, dem größten Gasfeld der Welt. Katar teilt es sich mit dem Iran. Katar ist bereits heute der größte Flüssiggasproduzent der Welt. Das Golf-Emirat liefert dem Weltmarkt rund 30 Prozent der Gesamtmenge. 

Nur an 11. Stelle der Opec-Ölproduzenten

Die Nachricht wurde am Ölmarkt recht gelassen aufgenommen. Experten erwarten angesichts der relativ geringen Fördermenge im Golf-Emirat keine größeren Verwerfungen oder Preisschwankungen. Katar gehörte der Opec seit 1961 an. Das Land ist der elftgrößte Erdölproduzent der Opec mit einer Fördermenge von etwa 610.000 Barrel pro Tag im Oktober.

Saudi-Arabien sowie seine Verbündeten Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten im vergangenen Jahr eine Blockade über Katar verhängt. Sie werfen dem Land die Förderung von Terrorismus vor sowie zu enge Kontakte zum schiitischen Iran, dem Erzfeind Saudi-Arabiens. Beobachter sehen in der Blockade jedoch den Versuch, Katar auf die politische Linie Riads zu bringen. Katar gehört wegen seiner Gasvorräte zu den reichsten Ländern der Welt. Seit Beginn der Blockade arbeitet das Emirat daran, seine Wirtschaft unabhängig von den Nachbarländern zu entwickeln.

Andere Faktoren treiben den Ölpreis 

Für die Opec und den internationalen Ölmarkt insgesamt dürfte der Ausstieg Katars mit Blick auf seine Produktionsmenge nicht viel verändern. Es sei zudem prinzipiell möglich, dass sich Katar als kooperierender Nicht-Opec-Staat auch weiterhin an die wichtigsten Abkommen des Kartells halten werde, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Die Opec-Staaten hatten gemeinsam mit den kooperierenden Nicht-Opec-Staaten im Dezember 2016 eine Förderkürzung beschlossen.

Derzeit deutet alles daraufhin, dass diese Kürzung beim kommenden Halbjahrestreffen am Donnerstag und Freitag in Wien verlängert oder gar verschärft wird. Laut der internationalen Energieagentur liegt der Bedarf an Opec-Öl für das Jahr 2019 rund 1,7 Millionen Barrel unter der aktuellen Produktion.

Die Ölpreise haben am Montag stark zugelegt. Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg zeitweise sogar um mehr als 5 Prozent auf 62,60 Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der größte Kurssprung seit zwei Jahren. Grund dafür waren vor allem die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der erneuerte Pakt zwischen Russland und Saudi-Arabien zur stärkeren Kontrolle des Ölmarkts.

Experten gehen im Vorfeld des Opec-Treffens von einer Drosselung der Produktion aus - die Frage ist dabei aber vor allem, wie stark die Fördermenge gesenkt werden soll und wie einig sich die Staaten sind. In Kanada, das nicht zur Opec gehört, hatte die Provinz Alberta bereits am Wochenende reagiert. Die wichtigste Ölförderregion des Landes will ab Januar die Produktion deutlich reduzieren, um die hohen Lagerbestände abzubauen.

tko/hb (dpa, afp, rtr)

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