Katalonien stellt Segrià unter Quarantäne | Aktuell Europa | DW | 04.07.2020
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Corona-Pandemie

Katalonien stellt Segrià unter Quarantäne

Nach neuen Corona-Ausbrüchen müssen in Spanien wieder mehr als 200.000 Menschen scharfe Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit hinnehmen. Gibt es Anzeichen für den Beginn einer "zweiten Welle"?

Erstmals seit der Lockerung der Corona-Maßnahmen in Spanien ist dort wieder eine Großstadt wegen steigender Infektionszahlen unter Quarantäne gestellt worden. Wie Kataloniens Regionalpräsident Quim Torra mitteilte, darf niemand mehr in die Stadt Lleida und umliegende Gemeinden der Gegend Segrià reisen oder sie verlassen - außer um zur Arbeit zu gelangen. In Segrià sei ein "sehr deutlicher Anstieg" von Ansteckungen bestätigt worden, erläuterte Torra die Lage.

Betroffen von den Ausgangsbeschränkungen, die seit Samstagmittag (Ortszeit) gelten, sind mehr als 200.000 Menschen. Die Polizei errichtete Kontrollposten an den Zufahrtsstraßen. In Segrià seien bis auf Weiteres auch wieder Treffen von mehr als zehn Menschen verboten, präzisierte die katalanische Gesundheitsministerin Alba Vergés. Bewohner von Altersheimen dürften vorübergehend keinen Besuch mehr empfangen.

Kein Lockdown

Ein Lockdown innerhalb der Quarantänezone sei aber bisher noch nicht nötig, erklärte Vergés. Geschäfte und Restaurants müssten deshalb nicht wieder schließen, die Menschen dürften ihre Wohnungen jederzeit verlassen. Die Ministerin rief die Bevölkerung dennoch dazu auf, Versammlungen zu meiden und familiäre Feiern stark zu begrenzen oder zu verschieben.

Im Laufe dieser Woche waren in Segrià nach Angaben der Behörden insgesamt 365 neue Infektionsfälle registriert worden. In Krankenhäusern von Lleida würden 28 an COVID-19 erkrankte Menschen behandelt, davon sechs auf Intensivstationen. Die meisten Infektionen stünden mit Agrarbetrieben, Seniorenheimen und einem Wohnviertel in Zusammenhang, berichtete die Zeitung "Las Provincias".

Quim Torra mit Mundschutz bei einer Plenarsitzung im Parlament

Verkündete die neue Beschränkung: Regionalpräsident Quim Torra

Spanien ist eines der am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas. Der Tod von mehr als 28.300 Menschen wird in Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion gebracht. In der Hochphase der Krise hatte der Staat eine der schärfsten Ausgangssperren weltweit verhängt, die erst ab Mai gelockert wurde. Seit 22. Juni lässt Spanien auch wieder Touristen aus Europa ins Land.

Keine zweite Welle

Die Weltgesundheitsorganisation sieht in den steigenden Infektionszahlen in etlichen Ländern kein Anzeichen einer "zweiten Welle". Vielmehr handele es sich um einen zweiten Höhepunkt der ersten Welle, sagte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan. Um so mehr müssten Maßnahmen wie Handhygiene, Abstand halten und Isolation von Infizierten und ihren Kontakten konsequent weiter angewendet werden.

"Sonst könnten wir eine Situation bekommen, wo das Infektionsniveau anhaltend höher ist als wir es wirklich wollen", betonte Ryan. Das Potenzial einer zweiten Welle sei da, etwa im Winter, wenn wieder mehr Menschen eng in Räumen zusammen seien und das Virus sich dadurch leichter von Mensch zu Mensch verbreiten könne als jetzt.

wa/uh (dpa, afp, rtr)

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