Karlsmedaille für Historiker Ian Kershaw | Geschichte | DW | 20.02.2018
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Geschichte

Karlsmedaille für Historiker Ian Kershaw

Der britische Historiker gilt nicht nur als Experte für die Geschichte des Nationalsozialismus. Er hat sich auch mit der neueren europäischen Geschichte und dem Brexit befasst.

Der britische Historiker Sir Ian Kershaw bekommt in diesem Jahr die Karlsmedaille für sein europäisches Engagement. Kershaw wurde besonders durch seine Schriften zum Nationalsozialismus und durch seine zweiteilige Hitler-Biografie bekannt. In seinen Büchern habe er eindrucksvoll dargestellt, warum die europäische Einigung ein Friedensprojekt sei, heißt es in der Begründung des Aachener Vereins "Médaille Charlemagne pour les Médias Européens", der den Preis seit dem Jahr 2000 vergibt. Kershaw sei ein "wahrer Unterstützer eines gemeinsamen Europas", der in seinen Büchern eindrucksvoll die neuere europäische Geschichte dargestellt und analysiert habe.

Analyse der Europäischen Geschichte

Mit der Karlsmedaille werden Menschen und Institutionen aus dem Medienbereich ausgezeichnet, die in besonderer Weise zur europäischen Einigung und zu einer europäischen Identitätsfindung beigetragen haben. 

Ian Kershaw mit Hitlerbiographie an seiner Seite (AP)

1998 erschien der erste Band von Ian Kershaws Hitler-Biografie

Ian Kershaw wurde 1943 in Oldham geboren und studierte Geschichte in Liverpool und Oxford. Mitte der 80er Jahre war er Gastprofessor an der Ruhr-Uni Bochum und lehrte später bis zu seiner Emeritierung an der University of Sheffield. Zu seinen Werken der deutschen Zeitgeschichte gehören auch die Bücher "Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg" und "Das Ende. Kampf bis in den Untergang". Neben Kershaws zweibändiger Hitler-Biografie erwähnte der Vorsitzende der Komission, Michael Kayser, besonders sein Werk "Höllensturz", in dem der 74-jährige Historiker die europäische Geschichte von 1914 bis 1949 analysiert.

Engagement gegen den Brexit

Kayser hob hervor, dass sich Kershaw vor dem Brexit-Referendum auch vehement gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU ausgesprochen habe. "Nicht nur für uns Deutsche, sondern für alle Mitglieder ist die Europäische Union ein sicherer Hafen. Großbritannien hat sich nun durch den Brexit aufgemacht, eben diesen sicheren Hafen zu verlassen", sagte Kayser. Kershaw habe früh erkannt, dass hierdurch das gesamte Projekt Europa Gefahr laufe zu scheitern.

Zu den bisherigen Preisträgern der Karlsmedaille zählen neben den Regisseuren Fatih Akin und Abdellatif Kechiche auch der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom sowie die Organisation "Reporter ohne Grenzen", die "Stiftung Berliner Philharmoniker" und der "Eurovision Son Contest".  Im vergangenen Jahr ging die Medaille an den deutschen ARD-Korrespondenten und EU-Experten Rolf-Dieter Krause.

Dem Verein "Médaille Charlemagne pour les Médias Européens" gehören unter anderem die Städte Aachen und Maastricht, die Film- und Medienstiftung NRW sowie die Sender Arte, BBC World News und die Deutsche Welle an. Der Preis an Ian Kershaw wird am 3. Mai in Aachen verliehen.

gr/ka (dpa, epd)

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