Kandel: Mias Mörder ist tot | Aktuell Deutschland | DW | 10.10.2019
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Justiz

Kandel: Mias Mörder ist tot

Der tödliche Messerangriff auf die 15-jährige Mia in Kandel in Rheinland-Pfalz sorgte vor zwei Jahren deutschlandweit für großes Entsetzen. Jetzt ist ihr Mörder tot in seiner Zelle aufgefunden worden.

Trauerbekundungen vor einem Drogeriemarkt in Kandel, wo die 15-Jährige Mia ermordet wurde (picture-alliance/dpa/A. Arnold)

Trauerbekundungen am Tatort in Kandel (Dezember 2017)

Mia starb kurz vor Weihnachten 2017, erstochen von ihrem Ex-Freund Abdul B. Vor gut einem Jahr hatte das Landgericht Landau den mutmaßlich aus Afghanistan stammenden jungen Mann wegen Mordes und Körperverletzung zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Seitdem saß Abdul B. in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt. In seiner Zelle dort wurde er jetzt tot aufgefunden.

Diskussion um die Altersfeststellung

Ersten Erkenntnissen zufolge hat er sich erhängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Der Mord an der 15-jährigen Mia in einem Drogeriemarkt in Kandel hatte die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen angefacht. Denn unklar war, woher B. stammte und wie alt er wirklich war. Rechtspopulistische Gruppen nahmen den Fall zudem zum Anlass, um in Kandel gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren.

Deutschland Demonstrationen der rechtspopulistischen Initiative Kandel ist überall (picture alliance/dpa/U. Deck)

Rechtspopulistendemo in Kandel (im März 2018): Protest gegen Asylpolitik

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war.

Mord aus Eifersucht?

Verurteilt wurde er nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte. Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte. Der damalige Anwalt von Abdul D., Maximilian Endler, sagte jetzt zur Todesmitteilung über seines ehemaligen Mandanten: "Ich weiß von nichts und kann daher auch nichts dazu sagen." Er hatte nach dem Urteil gesagt, er rechne damit, dass sein Mandant nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben werde.

Die Deutsche Welle berichtet zurückhaltend über das Thema Suizid, da es Hinweise darauf gibt, dass manche Formen der Berichterstattung zu Nachahmungsreaktionen führen können. Sollten Sie selbst Selbstmordgedanken hegen oder in einer emotionalen Notlage stecken, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Wo es Hilfe in Ihrem Land gibt, finden Sie unter der Website befrienders.org. In Deutschland hilft Ihnen die Telefonseelsorge unter den kostenfreien Nummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

AR/gri (dpa, afp)

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