Kampf gegen Klimawandel: Inder pflanzen Millionen junge Bäume | Aktuell Asien | DW | 09.08.2019
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Indien

Kampf gegen Klimawandel: Inder pflanzen Millionen junge Bäume

Die Zahlen sind gigantisch: Mehr als eine Million Menschen haben in Indien an nur einem Tag 220 Millionen Baumsetzlinge in die Erde gebracht. Die Aktion in Uttar Pradesh soll die Folgen des Klimawandels mildern.

Indien, Prayagraj: Weltrekord im Bäume pflanzen (picture-alliance/P. Kumar Verma)

Diese indischen Schülerinnen beteiligen sich an der Pflanzaktion

Mit einer groß angelegten Kampagne hat die Regierung des indischen Bundesstaats Uttar Pradesh ein Zeichen gegen die Veränderung des Klimas gesetzt. Mehr als eine Million Menschen, darunter Schüler, Abgeordnete und Beamte, hätten Setzlinge an Straßen, Eisenbahngleisen und in Wäldern gepflanzt, sagte der Forstbeamte Bivhas Ranjan. Das Ziel der Aktion, 220 Millionen neue Bäume, sei nach einigen Stunden erreicht worden. Die Setzlinge wurden unter anderem in 60.000 Dörfern und an 83.000 Stellen in Waldgebieten in die Erde gebracht.

Die gesamte Aktion könne man online verfolgen, sagte ein Regierungssprecher. Die Gruben für die jungen Bäume seien fotografiert und mit ihren geographischen Koordinaten registriert worden. Jeder Setzling trage einen QR-Code. "So können wir feststellen, wie viele Setzlinge wo gepflanzt wurden." Normalerweise überleben langfristig etwa 60 Prozent der Setzlinge, der Rest geht wegen Krankheiten oder Wassermangel zugrunde. In Uttar Pradesh hatte eine ähnliche Kampagne bereits im Juli 2016 stattgefunden, damals wurden 50 Millionen Bäumchen gepflanzt.

Die indische Regierung will mit der Aktion die Umweltbedingungen im bevölkerungsreichstem Staat des Landes verbessern. Mehr als 200 Millionen Einwohner leben in Uttar Pradesh, im Norden Indiens. Indien hat sich verpflichtet, ein Drittel seiner Fläche bewaldet zu lassen - eine Herausforderung bei 1,3 Milliarden Einwohnern und schnell wachsender Industrie. Bäume entziehen der Luft durch Fotosynthese das Treibhausgas Kohlendioxid und können so den Klimawandel bremsen.

Indien, Prayagraj: Weltrekord im Bäume pflanzen (picture-alliance/AP/R. Kumar Singh)

Schülerinnen im Großeinsatz zum Baumplanzen im indischen Prayagraj

Auch Äthiopien pflanzt fleißig

Eine ähnliche Kampagne hatte Anfang vergangener Woche in Äthiopien stattgefunden. Bei einer landesweiten Pflanzaktion wurden der Regierung zufolge innerhalb eines Tages 350 Millionen Bäume gepflanzt. Sollte die Zahl stimmen, wäre dies ein neuer Weltrekord - inoffiziell, denn angemeldet wurde das Vorhaben nicht als Rekordversuch. Für die Aktion waren Staatsbeschäftigte vom Dienst beurlaubt worden.

Äthiopien verfolgt den ambitionierten Plan, bis Oktober vier Milliarden Bäume zu pflanzen, um die Wälder aufzuforsten und die natürlichen Ressourcen im Kampf gegen den Klimawandel zu schützen. Nach Angaben der Regierung in Addis Abeba wurden seit Mai bereits fast drei Milliarden Setzlinge in die Erde eingebracht. Kritiker bezweifeln die Zahlen zwar, loben aber das Engagement der äthiopischen Regierung. "Wir haben unsere Fähigkeit bewiesen, an einem Strick zu ziehen um unsere gemeinsame Vision zu verwirklichen", sagt Billene Seyoum, eine Sprecherin des Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. 

Video ansehen 01:56

Bäume pflanzen gegen den Klimawandel? (05.07.2019)

Zweifel an den Zahlen

"Ich persönlich glaube nicht, dass so viele Bäume an nur einem Tag gepflanzt wurden", sagt Selalem Workagegnehu, ein Sprecher der Oppositionspartei Esema. Auch hunderte Esema-Mitglieder beteiligten sich nach seinen Angaben an der Aktion. "Wir haben dies als eine gute Möglichkeit gesehen, um unsere Solidarität mit den Bürgern zu zeigen", erklärt er. "Uns geht es um das Erbe des Planeten, darum, aus Äthiopien ein ökologisches Land zu machen."

Vor rund fünfzig Jahren bedeckten Wälder noch 40 Prozent der Fläche Äthiopiens. Heute sind es nach Angaben von Abiyot Berhanu, dem Vorsitzenden des äthiopischen Instituts für Umwelt und Forstwirtschaft, nur noch rund 15 Prozent. "Die Rodung der Wälder hat sich in vielen Teilen des Landes zu einem sehr ernsten Problem entwickelt", sagt er.

kle/mir (dpa, afp, ape, tagesschau.de)

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