″Kampf der Schiene″ in Frankreich startet | Aktuell Europa | DW | 03.04.2018
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Streiks

"Kampf der Schiene" in Frankreich startet

Der Konflikt könnte sich monatelang hinziehen: Eine Streikwelle französischer Eisenbahner richtet sich gegen die geplante Reform der staatlichen Bahngesellschaft SNCF. Ein "schwarzer Dienstag" für Reisende.

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Streikwelle in Frankreich

Aus Protest gegen die von der französischen Regierung angekündigte Bahnreform wollen 77 Prozent der Lokführer ihre Arbeit niederlegen, wie die staatliche SNCF bekanntgab. Der "Kampf der Schiene" startete am Montagabend, an diesem Dienstag ging es richtig los: "Der ist wirklich blockiert", berichtete ein Reporter des Senders Franceinfo am Dienstagmorgen vom Pariser Nordbahnhof. Das Gebäude sei ungewöhnlich ruhig, bei den Fernstrecken würden nur einige internationale Verbindungen angezeigt.

Auch bei den für Pendler wichtigen Pariser Vorortzügen gab es Probleme: Dort sollte durchschnittlich nur jeder fünfte Zug fahren. Bei den TGV-Fernzügen sah es mit gerade 12 Prozent der geplanten Züge noch schlechter aus. Medien sprachen von einem "schwarzen Dienstag" für Bahnkunden.

Betroffen sind auch die TGV-Schnellzugverbindungen nach Deutschland, etwa zwischen Paris und Frankfurt am Main oder Stuttgart. Hier dürften zwei Drittel der Züge ausfallen. Bei den Thalys-Zügen, die unter anderem zwischen Paris und Köln unterwegs sind, soll es hingegen kaum Einschränkungen geben.

Kraftprobe für Macron

Mit den Streiks wehren sich die Bahn-Gewerkschaften gegen die Pläne zum Umbau der SNCF, die Präsident Emanuel Macron im Rahmen von Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen umsetzen will. So ist beispielsweise vorgesehen, dass SNCF-Beschäftigte ihren beamtenähnlichen Status verlieren. Die Regierung will das hoch verschuldete Staatsunternehmen auf die Öffnung des Bahnverkehrs für den Wettbewerb vorbereiten - der Bahnverkehr soll schrittweise für Konkurrenzanbieter geöffnet werden.

Elisabeth Borne (picture-alliance/dpa/MAXPPP/T. Padilla)

Ministerin Borne: kein Verständnis für den "Schlamassel"

Die Gewerkschaften haben gedroht, dass die Streikwelle bis Ende Juni dauern könnte: Sie wollen fortan immer im Wechsel zwei Tage streiken und drei Tage arbeiten. Frankreichs Transportministerin Elisabeth Borne kritisierte, es sei unverständlich, dass die Gewerkschaften einen langen Streik begännen, obwohl Gespräche über die Ausgestaltung der Bahnreform noch nicht beendet seien und die Regierung den Dialog suche. "Die Franzosen haben keine Lust, drei Monate Schlamassel zu ertragen, der durch nichts gerechtfertigt ist", sagte Borne.

Die konservative Zeitung "Le Figaro" kommentierte, Macron und die Regierung riskierten viel: Falls sie einknickten, könnten sie auch Reformplänen in anderen Bereichen Adieu sagen, so das Blatt. Die linksliberale "Libération" kritisierte dagegen, mit ihrem forschen Auftreten bei der Bahnreform habe die Regierung die Gewerkschaften zusammengeschweißt.

Am Dienstag wollen zudem Beschäftigte der Müllabfuhr, des Energiesektors und der Fluggesellschaft Air France die Arbeit niederlegen. Die Streiks gelten als Belastungstest für die Durchsetzungskraft sowohl der Gewerkschaften als auch der Regierung Macron.

wa/ar/cgn (afp, dpa)

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