Kambodschas Pressefreiheit leidet unter Verkauf einer der letzten unabhängigen Zeitungen | Aktuell Asien | DW | 07.05.2018
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Pressefreiheit in Südostasien

Kambodschas Pressefreiheit leidet unter Verkauf einer der letzten unabhängigen Zeitungen

Die "Phnom Penh Post" war eine der letzten unabhängigen Zeitungen des Landes. Nun gehört sie einem malaysischen Investor, der prompt in die Berichterstattung eingriff. Mindestens vier Journalisten haben schon gekündigt.

Kambodscha Tagesteitung Phnom Penh Post (Getty Images/AFP/Tang Chhin Sothy)

Die "Phnom Penh Post" war eine der letzten unabhängigen Zeitungen Kambodschas - bis sie verkauft wurde

Die Pressefreiheit in Kambodscha ist weiter im Sinkflug: Eine der letzten unabhängigen Zeitungen in Kambodscha, die "Phnom Penh Post", ist an einen Investor aus Malaysia verkauft worden. Der neue Eigentümer Sivakumar Ganapathy beteuerte zwar, die Unabhängigkeit erhalten zu wollen. Mit seiner Firma "Asia PR" hatte er jedoch unter anderem für den autokratischen kambodschanischen Ministerpräsidenten Hun Sen gearbeitet.

Kambodscha Premierminister Hun Sen (Getty Images/AFP/Tang Chhin Sothy )

Kambodschas autokratischer Premierminister Hun Sen bei einer Rede im Tempelkomplex Angkor Wat

Journalisten kehren dem Blatt den Rücken

Mindestens vier Journalisten der englischsprachigen Tageszeitung haben seitdem gekündigt. Der Reporter Ananth Baliga, der an einem Artikel über die Verbindungen des Investors Ganapathy zum Regierungschef mitgearbeitet hatte, gab seine Kündigung bei Twitter bekannt: "Der neue Eigentümer zwang uns, einen Artikel über den Verkauf der Zeitung aus dem Blatt zu nehmen. Ich werde nicht länger für die (Phnom Penh) Post arbeiten." In einem anderen Tweet schreibt Baliga, der bisherige Chefredakteur Kay Kimsong sei gefeuert worden.

Kambodschas Pressefreiheit ist auf Rang 142 abgerutscht

In der Ende April veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit 2018 von Reporter Ohne Grenzen ist Kambodscha um 10 Plätze auf den 142. Rang abgerutscht. Der stellvertretende Asien-Chef von Human Rights Watch, Phil Robertson, nannte den Verkauf ein "Desaster für die Pressefreiheit", für die das einzige logische Argument die Schwächung der regierungskritischen Berichterstattung sein könne.

Im vergangenen Jahr waren in Kambodscha rund 30 Radiosender geschlossen worden. Die älteste englischsprachige Zeitung "The Cambodia Daily" musste im September ihre Arbeit einstellen, nachdem Behörden eine Steuernachzahlung von umgerechnet mehr als sechs Millionen US-Dollar eingefordert hatten. Die Zeitung hatte sich mit Verweis auf die eigenen Bilanzen vergeblich dagegen gewehrt.

Der Fall erinnert an die Schließung der "Cambodia Daily"

Auch im aktuellen Fall der "Phnom Penh Post" sollen Steuerschulden in Höhe von 3,9 Millionen US-Dollar beglichen worden sein, über weitere Details der Übernahme wurde zunächst nichts bekannt. Bisheriger Eigentümer war der australische Bergbauunternehmer Bill Clough. Er teilte am Samstag mit, er habe sich wegen sinkender Werbeeinahmen zum Verkauf der 1992 gegründeten Zeitung entschlossen.

de/kle (dpae, rtre, epd)

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