″Kabul hätte zerstört werden können″ | Aktuell Amerika | DW | 25.10.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Afghanistan

"Kabul hätte zerstört werden können"

Der Truppenabzug aus Afghanistan hätte nach Einschätzung des zurückgetretenen US-Sonderbeauftragten für das Krisenland noch "viel schlimmer" verlaufen können. Deutliche Kritik übte Zalmay Khalilzad an Präsident Biden.

USA Sondergesandter für Afghanistan Zalmay Khalilzad

Zalmay Khalilzad war Sonderbeauftragter für Afghanistan von September 2018 bis vergangene Woche

"Ich sage nicht, dass es ein geordneter Rückzug (aus Afghanistan) war. Es war eine hässliche Schlussphase, kein Zweifel", sagte Zalmay Khalilzad dem Sender CBS. Doch der Abzug der US-Truppen aus dem Land am Hindukusch "hätte viel schlimmer sein können. Kabul hätte zerstört werden können. Es hätte zu Straßenkämpfen kommen können", betonte der Top-Diplomat.

Die letzten US-Soldaten waren Ende August aus Afghanistan abgezogen. Bereits zwei Wochen zuvor hatten die Taliban die Hauptstadt Kabul kampflos erobert, weil die afghanischen Sicherheitskräfte keinen Widerstand leisteten. Kurz vor dem Ende der US-Evakuierungsmission waren bei einem Anschlag der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) am Flughafen Kabul 13 amerikanische Soldaten und Dutzende Afghanen getötet worden.

"Nicht auf Grundlage der Realität"

Khalilzad war vergangene Woche von seinem Posten als Sonderbeauftragter für Afghanistan zurückgetreten. Ein Grund dafür sei gewesen, dass die Debatte über den Abzug innerhalb der US-Regierung "nicht wirklich auf der Grundlage der Realität und der Fakten" geführt worden sei, sagte der 70-Jährige. US-Präsident Joe Biden habe entschieden, den Abzug nicht mehr von Bedingungen abhängig zu machen, "sondern einem Kalender zu folgen".

Katar Unterzeichnung Abkommen USA mit Taliban

Handschlag mit Taliban-Mitbegründer Baradar: Khalilzad 2020 in Doha

Die Bemühungen, eine Demokratie in Afghanistan aufzubauen, seien "nicht erfolgreich" gewesen, räumte Khalilzad bei CBS ein. "Dieser Kampf geht weiter."

Der im afghanischen Masar-i-Scharif geborene US-Diplomat war maßgeblich daran beteiligt, ein im Februar vergangenen Jahres in Katar unterzeichnetes Abkommen zwischen der damaligen Trump-Regierung und den Taliban auszuhandeln. Viele Afghanen finden, Khalilzad habe den militanten Islamisten zu viele Zugeständnisse gemacht. Der ehemalige Geheimdienstchef Rahmatullah Nabil schrieb etwa auf Twitter, Khalilzad habe Afghanistan in eine irreversible Katastrophe geführt.

wa/ack (dpa, CBS)

Die Redaktion empfiehlt