Köttbullar und Billy für Ikea-Indien | Wirtschaft | DW | 09.08.2018
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Märkte

Köttbullar und Billy für Ikea-Indien

Ikea wagt sich auf einen schwierigen Markt vor: In der indischen Metropole Hyderabad eröffnet der Möbelgigant seine erste Filiale auf dem Subkontinent. Die Herausforderungen liegen nicht nur in der Höhe der Preise.

Der Riesenladen von Ikea in Hyderabad ist kaum zu übersehen: blaue Fassade, 37.000 Quadratmeter. In der Gegend gibt es auch Niederlassungen von Microsoft, Facebook und anderen IT-Firmen. An Kunden sollte es in der Millionen-Metropole nicht fehlen - Ikea hofft auf sieben Millionen Besucher im Jahr.

Aber der Möbelhersteller hat sich darauf eingestellt, dass der Marktzugang im Land nicht ganz einfach wird: "Wir haben im Vorfeld über Tausend Haushalte besucht und Interviews gemacht", sagte Patrik Antoni von Ikea India vor der Eröffnung der Deutschen Welle. "Wir wollten verstehen, was die Menschen brauchen, wovon sie träumen, was sie sich zuhause wünschen."

Hunderte Menschen kamen am Donnerstag (09.08.2018) durch die Eingangstore, als das Einrichtungshaus um 10:00 Uhr öffnete. Begrüßt wurden sie von Ikea-Mitarbeitern in den typischen gelb-blauen Polo-Hemden, die indische und schwedische Fähnchen schwenkten. Eine Kapelle spielte Militärmusik.

Ikea-Eröffnung in Hyderabad, Indien (AFP/Getty Images/N. Seelam)

Blau und nicht zu übersehen: neue Ikea-Filiale in Hyderabad

Das 24-Stunden-Schlafzimmer

Ikea versucht, sich auf die lokalen Gepflogenheiten einstellen. Das schlägt sich im Angebot wieder. "Es geht gar nicht darum, neue Produkte zu entwickeln", sagt Ikea-Manager Antoni. "Wir haben schon rund 10.000 Produkte im Angebot. Die Frage ist, wie man diese Produkte kombiniert, um den indischen Erwartungen gerecht zu werden."

Beispiel Schlafzimmer: "In Indien würde ich von einem 24-Stunden-Schlafzimmer sprechen", so Antoni zur Deutschen Welle. "Der Raum wird in Indien den ganzen Tag über genutzt. Die Leute schlafen hier, sie schminken sich, sie sehen fern und lagern irgendwelche Dinge hier - vielleicht gibt es sogar ein gemeinsames Abendessen hier." In Schweden oder in Portugal sei das anders: "Da ist das Schlafzimmer der Raum, wo man schläft und kein Ort für irgendwelche Aktivitäten."

So passt das Möbelhaus sein Sortiment an indische Gepflogenheiten an. Neben Ikea-Klassikern wie dem Billy-Regal finden sich dort auch Matratzen aus Kokosfasern, Decken mit indischen Mustern, typische indische Frittierpfannen und gerahmte Bilder vom Taj Mahal. Und dazu Köttbullar aus Hähnchenfleisch - im Ikea-eigenen Restaurant mit seinen 1.000 Plätzen sind die Fleischbällchen Köttbullar aus religiösen Gründen nicht aus Schweine- oder Rindfleisch, sondern aus Huhn oder vegetarisch. Und auf der Karte steht auch das indische Reisgericht Biryani.

Ikea-Eröffnung in Hyderabad, Indien (AFP/Getty Images/N. Seelam)

Schwedisch-indisches im Ikea-Restaurant für 1.000 Kunden

1.000 Produkte für 2,50 Euro

Um Geld geht es dabei natürlich auch. Indiens Mittelschicht zählt zwar bereits rund 267 Millionen Menschen. Bis 2025 könnte sich die Zahl verdoppeln, glauben Experten. Aber auch die wohlhabenderen Kunden sind sehr preisbewusst.  Mehr als 1.000 Produkte kosten weniger als 200 Rupien - umgerechnet gerade einmal rund 2,50 Euro. Ein Angebot für Menschen "mit großen Erwartungen für ihr Heim, aber einem kleinen Geldbeutel", so Filialleiter John Achillea.

Und dann ist da noch das Ikea-typische Probleme mit den Schrauben, Inbusschlüssel und Bauanleitungen. Weil indische Mittelstandsfamilien es nicht gewohnt sind, Möbel selber aufzubauen, kooperiert Ikea jetzt in der Stadt mit der Online-Plattform UrbanClap, die Handwerker vermittelt.

Zweiter Anlauf

Das Möbelhaus in Hyderabad soll für Ikea nur der Auftakt für einen neuen Anlauf auf dem indischen Markt sein. 2006 war ein erster Versuch der Expansion nach Indien an einem Gesetz zu ausländischen Investitionen gescheitert. Die Regeln hat Indien geändert, und nun sind bis 2025 landesweit 24 weitere Filialen geplant, die nächste kommendes Jahr in der Wirtschaftsmetropole Mumbai. 1,5 Milliarden Dollar will Ikea investieren.

Ikea-Eröffnung in Hyderabad, Indien (AFP/Getty Images/N. Seelam)

Das erste Ikea-Möbelaus von insgesamt 25 in Indien?

Experten sehen die Expansionspläne der Schweden aber skeptisch. Der indische Markt sei "extrem vielfältig", sagt etwa Satish Meena vom Marktforscher Forrester Research. Es gebe nicht zwei Bundesstaaten oder Städte mit einer vergleichbaren Nachfrage nach Möbeln. "Das wird ein Flop", prognostiziert auch der Möbelhändler Siddarth gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Der normale Möbelkäufer will massive Holzmöbel aus indischer Produktion." Und die kaufe er lieber im kleinen Laden um die Ecke. 

Wenn aber die Filiale in Hyderabad ein Erfolg wird, dann wäre Indien das 50. Land weltweit, in dem Ikea seine Regale, Sofas und Köttbullars unters Volk bringt. 

ar/nm (afp – DW)

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