Königlich statt trumpelig! Benimmregeln für Trump bei der Queen | Europa | DW | 13.07.2018
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Trump bei der Queen

Königlich statt trumpelig! Benimmregeln für Trump bei der Queen

Wenn US-Präsident Donald Trump die britische Queen trifft, kommt es sehr auf die Etikette an. Damit im Buckingham Palace nichts schiefgeht, gibt Adelsexperte Thomas Latschan ihm ein paar Verhaltenstipps mit auf den Weg.

Queen Elizabeth und Prinz Philip (picture-alliance/dpa/A. Rain)

Ob Queen Elizabeth und Prinz Philipp wissen, was da auf sie zukommt?

Lieber Donald,

heute triffst Du ja die britische Queen Elizabeth, eine echte Königin und sehr feine Dame. Und auch wenn Du bisher nicht so nett zu uns Deutschen gewesen bist, wollen wir heute einmal nett zu Dir sein und Dir ein paar Regeln mit an die Hand geben, die Du unbedingt beachten solltest. Die Queen steht sehr auf Etikette. Und damit meint sie nicht die kleinen Dinger, die man im Supermarkt von den Waren knibbeln kann. Also los!

Die Begrüßung:

Auch wenn es Dir sicher schwerfällt, Donald: Wenn Du auf die Queen zugehst, halte Deinen Kopf leicht gesenkt – und warte darauf, dass sie Dir die Hand ausstreckt. Schüttele die Hand auf gar keinen Fall zu fest! Die Queen ist immerhin schon 92 und leidet an Arthritis; ihre Handknochen sind auch ohne Druck schon weiß! Auf keinen Fall solltest Du sie auf die Wange küssen oder ihr eine Hand auf die Schultern legen. Rede sie beim ersten Mal mit "Ihre Majestät" an, danach mit "Ma'am", nicht etwa mit "Grandma", "Sweetie" oder gar mit "Smart Cookie"! Und bitte, Donald, gib auf keinen Fall einen Kommentar darüber ab, wie gut Elizabeth sich gehalten hat!

Großbritannien | May empfängt Trump zu Galadinner in Blenheim Palace (picture-alliance/empics/W. Oliver)

Regel 1: Die Gesprächspartnerin auf keinen Fall hinter sich herziehen!

Das Gespräch:

Ganz wichtig: Quatsche nicht als Erster los, sondern warte, bis die Queen das Wort ergreift. Dann darfst Du höflich antworten. Sprich nicht über Zölle, die NATO oder Putin. Am besten redet Ihr überhaupt nicht über Politik. Bitte vermeide auch Themen, über die Du sonst in der Männerumkleide rumbaldowerst! Und wenn die Queen einmal ein Gespräch begonnen hat, bleibe dabei. Wechsele nicht von Dir aus das Thema. Am liebsten spricht sie übrigens über Sport. Aber vielleicht lieber nicht über Fußball, das ist gerade ein eher wunder Punkt. Pferderennen gehen immer. Oder Golf, da kennst Du Dich ja auch selbst gut aus. Auch Gespräche über ihre Enkel und Urenkel bieten sich an. Frag aber bitte auf keinen Fall, wie es ihren geliebten Hunden geht. Die Antwort wäre: Schlecht! Der letzte ist nämlich im April gestorben. Achte auch auf die Handtasche der Queen. Sollte ihr das Gespräch zu unangenehm werden, wechselt sie nämlich einfach die Tasche vom linken auf ihren rechten Arm. Damit sendet sie ein heimliches Signal an ihre Mitarbeiter, die sie sofort aus der Unterhaltung befreien.

Belgien Brüssel NATO Gipfel | Donald Trump (Getty Images/AFP/G. vanden Wijngaert)

Regel 2: Auch wenn das Gespräch mal wieder länger dauert, nicht ungeduldig werden!

Der Fototermin:

Sei pünktlich und lass die Queen nicht warten. Achte darauf, dass Dein Anzug korrekt sitzt und die Krawatte nicht wild herumfliegt – vor allem, wenn der Fototermin im Freien stattfindet. Sag deiner Frau Melania lieber mal, dass mit flotten Sprüchen beflockte Oberteile für diesen Anlass eher unpassend sind. Lasse der Queen immer den Vortritt und schiebe Dich nicht einfach an ihr vorbei. Selbst Prinz Philipp muss immer zwei Schritte hinter der Queen hergehen, damit die Hierarchie gewahrt bleibt. Und denke daran, die Queen steht nicht auf aufdringliche Gerüche. Wenn Du also Dein Rasierwasser aufgetragen hast, dann stelle dich immer auf die windabgewandte Seite der Königin. Lächele freundlich und achte darauf, das Kinn nicht zu sehr nach vorne durchzustrecken, das wirkt immer so herrisch.

USA Präsident Donald Trump beobachtet totale Sonnenfinsternis ohne Schutzbrille in Washington (picture-alliance/abaca/CNP/S. Ron)

Regel 3: Vor dem Fototermin immer erst die Windrichtung prüfen!

Das Essen:

Bitte, Donald, setz Dich erst hin, nachdem die Queen Platz genommen hat. Elizabeth beginnt das Essen mit einem Toast (nein, Donald, das ist keine erhitzte Brotscheibe!), erst dann kommst Du. Lamm in Pfefferminzsauce und Yorkshire-Pudding mögen auf den ersten Blick nicht ganz so schmackhaft aussehen, aber frage beim Dinner trotzdem nicht nach Steaks, Cola oder Ketchup. Auch ganz wichtig: Schalte Dein Handy während des Essens auf lautlos – oder noch besser, ganz aus. WÄHREND DES ESSENS WIRD NICHT GETWITTERT! Verlasse Deinen Platz nicht, um etwa mit anderen Gästen zu quatschen. Und wenn Ihr fertig seid, bleibe am Tisch sitzen, bis die Queen den Raum verlassen hat.

Donald Trump (Getty Images/W. McNamee)

Regel 4: Egal, was man Dir vorsetzt, Messer und Gabel benutzen!

Die Verabschiedung

Wenn die Zeit des Abschieds naht, dann rufe bitte auf keinen Fall ein lautes "See ya!" in die Runde. Auch zum Abschied auf den Tisch klopfen ist eher unangebracht. Warte stattdessen, bis die Queen das Wort ergreift, und grüße dann auf die gleiche Weise zurück. Danach lässt Du ihr den Vortritt, bis sie sich zurückgezogen hat. Erst danach darfst auch Du den Raum verlassen – aber bitte still und unauffällig! 

Donald Trump unterzeichnet Veteranen Act (picture-alliance/dpa/M. Riley)

Regel 5: Beim Eintragen ins Goldene Buch des Buckingham Palace einen Füller benutzen und keinen Filzschreiber!

Und danach?

Uff, Du hast es geschafft. Im Flieger kannst Du jetzt entspannen. Aber Vorsicht, Donald, wahre die Etikette auch jetzt noch! Sende keine kompromittierenden Tweets, verschicke keine Selfies von Dir und Elizabeth, und bitte schicke auch keine Drohungen an das Vereinigte Königreich. Und selbst wenn Dir etwas an Eurem Treffen missfallen hat, trete nicht nach! Die Queen wäre sonst ganz sicher not amused!

US-Präsident Donald Trump (picture-alliance/AP Photo/E. Vucci)

Regel 6: Wenn Du nicht mehr weiter weißt, nachfragen!

Ach ja, und hier noch ein Tipp zum Schluss: Mit der Etikette ist es kompliziert und es gibt am britischen Hof tausende von Möglichkeiten, sich zu blamieren. Solltest Du einmal in die Bredouille kommen und nicht mehr weiterwissen, ist es wahrscheinlich besser, Deine Unwissenheit zuzugeben. Versuche nicht, Dich irgendwie aus der Situation rauszuschummeln. Frage lieber einen Protokollbeamten oder einen anderen Bediensteten – sie werden Dir sicher weiterhelfen. Und wenn Du wenigstens zwei Prozent all dieser Regeln beachtest (besser wären natürlich vier Prozent!), dann wird Euer Treffen ganz sicher tremendous und great! Also, Donald, good luck!

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