Köln verliert gegen Hoffenheim: 97 Minuten Drama | Sport | DW | 09.11.2019
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Bundesliga-Freitagsspiel

Köln verliert gegen Hoffenheim: 97 Minuten Drama

Der 1. FC Köln kann den freien Fall gegen Hoffenheim nicht stoppen. Sporvorstand Armin Veh und der Klub trennen sich mit sofortiger Wirkung und auch Trainer Achim Beierlorzer muss gehen.

Fußball Bundesliga 1. FC Köln - SC Paderborn Achim Beierlorzer (picture-alliance/G. C. von der Laage)

Achim Beierlorzer muss nach der Niederlage gegen Hoffenheim gehen

Es läuft die siebte Minute der Nachspielzeit in Köln-Müngersdorf: Nach langem Funkkontakt mit den Kollegen auf der anderen Seite des Rheins im Video-Control-Center in Köln-Deutz schaut Schiedsrichter Dr. Robert Kampka sich die vorangegangene Szene im Kölner Strafraum noch einmal an. Kölns Dominick Drexler war gegen Sargis Adamyan zu spät gekommen und trifft bei seinem Klärungsversuch den Gegner am Bein, nicht aber den Ball. So bitter Zeitpunkt und Entscheidung für zuvor couragiert aufgetretene Kölner in diesem Moment sind: Der Elfmeter-Pfiff des Unparteiischen ist völlig korrekt. Jürgen Locadia tritt gegen Timo Horn an, Tor, 2:1 Hoffenheim, fassungslose Kölner stehen mit leeren Händen da, der Trainer kann ein sarkastisches Lächeln nicht zurückhalten. Es ist der dramatische letzte Akt der "Ära Achim Beierlorzer" beim 1. FC Köln. 

Vieles stimmt, das Ergebnis nicht

Das Engagement kann man dem Trainer an diesem Abend mal wieder nicht absprechen: Der 51-Jährige lässt im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim nichts unversucht: Drei Neue in der Startelf, verändertes Spielsystem und der Trainer selbst, der die Seinen über nahezu die gesamte Spielzeit zu pushen versucht und auch das lautstarke Verbalduell mit dem Schiedsrichter-Gespann nicht scheut. Doch nach dem Spiel bleibt die bittere Erkenntnis: Achim Beierlorzer probierte vieles und erreichte nichts - auch im vierten Spiel in Folge bleiben die Kölner sieglos, müssen mit sieben Punkten weiter im Tabellenkeller verharren und auf den dritten Saisonsieg warten. Gut gekämpft, trotzdem wieder unterlegen. Diese bittere Wahrheit war nach Abpfiff in die Gesichter aller Beteiligten - Beierlorzer inklusive - geschrieben.  

Cordobas Tor und Moral reichen nicht

Dabei hatte es zwischenzeitlich durchaus so ausgesehen, als könne es gegen zunächst recht passive Gäste aus dem Kraichgau etwas werden mit dem dritten Saisonsieg nach Erfolgen gegen Freiburg (3. Spieltag) und Paderborn (8. Spieltag): Köln war zu Beginn das aktivere Team, präsentierte sich hinten stabiler und vorne ideenreicher als in der Vorwoche bei der 0:2-Niederlage im Rhein-Derby gegen Düsseldorf. Folgerichtig fiel in der 34. Minute das Tor für die Gastgeber: Jhon Cordoba, von Beierlorzer neben Simon Terodde in Doppelspitze berufen, war zur Stelle und erzielte mit seinem ersten Saisontor die Kölner Führung.

Fußball Bundesliga TSG 1899 Hoffenheim - 1. FC Köln (picture-alliance/U. Hufnagel)

Jhon Cordoba (Mitte) bejubelt sein erstes Saisontor

Doch wer auf den ganz großen Brustlöser für Cordoba und den 1. FC Köln gehofft hatte, der wurde in der zweiten Halbzeit enttäuscht: Nach einem feinen Flankenball von Sebastian Rudy war Adamyan, im Strafraum sträflich allein gelassen, zur Stelle (48.) und vollendete volley zum 1:1 - ein Tiefschlag für die Gastgeber. Diese erholten sich zwar und zeigten bis zum Ende des Spiels eine engagierte und kämpferisch Leistung, doch am Ende gelang trotz des Aufwands und der Einwechslungen von Beierlorzer, bei denen der ehemalige FC-Toptorjäger Anthony Modeste nicht zum Zuge kam, kein weiterer Treffer.

Und das aus einem schlichten Grund: Gegen einen durchschnittlich auftretenden Gegner fanden die Kölner wieder mal nicht die Werkzeuge, um in der Offensive zwingend zu werden. Bezeichnend: In der dritten Minute der Nachspielzeit hatten Cordoba und Terodde die Doppelchance auf den Lucky Punch, doch in diesen schwierigen Kölner Wochen wollte der Ball auch in dieser Situation einfach nicht ins Tor. Die Richtung stimmt, aber Kampf, Moral und ein einziges Tor reichten nicht. Vier Minuten später glitt den Kölnern dann auch noch mit dem dramatischen Schlusspunkt dieses denkwürdigen Spiels der eine Punkt durch die Finger. "Es ist zum Kotzen", lautete die bezeichnende und ungewöhnliche Tor-Ansage des Kölner Stadionsprechers Michael Trippel - eine Wortwahl, die man ihm an diesem Abend zugestehen kann. 

Veh und Beierlorzer müssen gehen  

Zum Drama auf dem Rasen gesellte sich dann auch noch das in Köln alles andere als unbekannte "Theater" neben dem Rasen. Kaum waren Trippels Worte und der Schlusspfiff im Stadion verhallt, gab der Klub per Pressemitteilung die sofortige Trennung von Geschäftsführer Armin Veh, der seinen Abschied zum Saisonende bereits verkündet hatte, bekannt - es passt zu diesem Abend in Köln-Müngersdorf, bei dem einem Fans, Mannschaft und Trainer des 1. FC Köln sogar dann leid tun konnten, wenn man nicht mit Sympathien für den Klub ausgestattet ist. 

Vier Spiele in Folge ohne Sieg, Trainer Beierlorzer zeigte sich am Mikrofon des Streamingdienstes "DAZN" dennoch gefasst: "Wir haben heute ein gutes Spiel gespielt. Wir hatten zu Beginn der zweiten Halbzeit mit der Umstellung ein paar Minuten lang Probleme, Hoffenheim bekam zwei Chancen, von denen eine leider drin war", sagte der Trainer und gab anschließend zu erkennen, dass er sich wieder vom Schiedsrichter-Gespann benachteiligt fühlt: "Es ist schon bitter, was uns auch im Bezug auf die Schiedsrichter-Entscheidungen momentan passiert", so der Trainer, der zum letzten Mal als Trainer des 1. FC Köln an der Seitenlinie gestanden hatte. Am Samstag-Mittag gab der Klub die Entlassung Beierlorzers bekannt. 

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