Köln feiert 200 Jahre Jacques Offenbach | Musik | DW | 05.01.2019
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Offenbach-Jahr 2019 startet

Köln feiert 200 Jahre Jacques Offenbach

Bewundert und verkannt gleichermaßen, das ist das Schicksal des deutsch-französischen Operetten-Komponisten Jacques Offenbach. Dass er mehr konnte als nur Operette, zeigt das Jubiläumsjahr 2019.

Den Saum opulenter Rüschenröcke in den Händen und dann im wirbelnden Tanz hoch die Beine mit den Spitzenhöschen. Ganz klar, bei diesem Tanz handelt es sich um den "Cancan", Höhepunkt einer jeden Pariser Varieté-Show. Die berühmteste Musik zu diesem Tanz schuf der Komponist Jacques Offenbach in seiner Operette "Orpheus in der Unterwelt". Den "Cancan" und die "Barcarole" aus der phantastischen Oper "Hoffmanns Erzählungen" verbindet man unweigerlich mit seinem Namen. In Köln wurde er 1819 geboren, in Paris ist er 1880 gestorben.

Jacques Offenbach gilt als Begründer der modernen Operette, als Meister der Unterhaltung, als Genie der Leichtigkeit mit "rheinischem Humor und französischem Esprit".

Deutschland Jaques Offenbach Jahr 2019 (DW/G. Reucher)

Plakatcollage aus der Ausstellung zum Jubiläumsjahr

Mehr als Klischees und Legenden

Erst vor drei Jahren hat sich in Köln die "Jacques-Offenbach-Gesellschaft" gegründet, nicht zuletzt, um dieses Jubiläum unter dem Motto "Yes, we Cancan" vorzubereiten. Denn selbst in seiner Geburtsstadt wird der Deutsch-Franzose nicht entsprechend gewürdigt, findet Claudia Hessel, die das Offenbach-Jahr koordiniert. "Wir wollen Offenbach wieder stärker ins Bewusstsein rufen und zeigen, dass er mehr kann als Cancan."

Mit Klischees und Legenden aufräumen will auch der Musikwissenschaftler Ralf-Olivier Schwarz, den die Offenbach-Gesellschaft als Experten zu Rate gezogen hat.

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Der berühmte Cancan von Jacques Offenbach aus seiner Operette Orpheus in der Unterwelt

"Über keinen der bekannteren Komponisten ist so viel dummes Zeug erzählt worden, wie über ihn", meint Schwarz. So habe Offenbach in seinen Werken keinesfalls frivole, beinschwingende Damen auftreten lassen. "Man sagt auch, seine Operetten seien leicht und spielerisch dahin geworfen, mit einfachen Strophenliedern. Aber wenn man genau hinschaut, dann ist alles musiktheatralisch und kompositorisch bis ins Letzte durchdacht."

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres hat Schwarz eine kleine Wanderausstellung mit den wichtigsten Stationen im Leben des Komponisten konzipiert. Die Ausstellung wird später auch in Berlin und Paris zu sehen sein.

Von Köln über Paris in die Welt

Offenbachs Vater war Musiklehrer und jüdischer Kantor. Der talentierte Jacob trat mit seinem Cello in Kölner Gasthäusern auf. Um dieses Talent weiter zu fördern, schickte ihn der Vater 1833 nach Paris. In den Salons machte Jacob alias Jacques Offenbach als Cello-Virtuose schnell Karriere. Namhafte Pariser aus der bürgerlichen Gesellschaft scharten sich um ihn. Legendär die Freitagabende im Hause Offenbach, wo sich bekannte Künstler und Musiker die Klinke in die Hand gaben.

Pressebilder Jaques Offenbach Jahr 2019 (Urban Media Project)

Nicht von Pappe: Jacques Offenbach soll in der Ausstellung in einem neuen Licht erscheinen

Obwohl Offenbach 1850 musikalischer Leiter der Comédie Française war, blieben ihm und seiner Musik unter Kaiser Napoleon III. die staatlichen Musiktheater verschlossen. Kurzerhand gründete er sein eigenes, das Théâtre des Bouffes Parisiens. Mit Witz, Satire und Parodie nahm er die Herrschenden aufs Korn. "Das Publikum soll lachen", schrieb Offenbach, "aber nicht über harmlose Nebensachen, sondern darüber, dass gefährliche Hauptsachen sich bezwingen lassen."

Bewundert, vergessen, wiederentdeckt

Mit "Orpheus in der Unterwelt" gelang Offenbach 1858 der große Erfolg. "Dort taucht der Götterkönig Jupiter als Fliege auf und wird durch den Schmutz gezogen", erläutert Ralf-Olivier Schwarz. "Das wird als Anspielung auf Kaiser Napoleon gesehen, denn die Familie hat ja als Wappentier die Biene."

Offenbachs Werke verbreiteten sich in ganz Europa, bis hin nach Brasilien, China und Japan. Trotz seiner großen musikalischen Erfolge war Jacques Offenbach als Person immer wieder in einer Außenseiterrolle. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 sahen die Franzosen in ihm einen Spion Bismarcks. Die Deutschen verurteilten ihn als "frivolen Franzosen" und Verräter. In beiden Ländern wurden antisemitische Strömungen in der Gesellschaft immer stärker. Auch nach dem Krieg konnte Offenbach in Frankreich nicht mehr richtig an seine früheren Erfolge anknüpfen. Bei Gastspielen in den USA zur Weltausstellung 1876 wurde er dagegen groß gefeiert.

Unbekannte Schätze im Jubiläumsjahr

Neben zahlreichen Operettenaufführungen, Kammerkonzerten, Parodien und Vorträgen will man im Jubiläumsjahr auch verborgene Schätze von Offenbach wieder ans Tageslicht bringen. So etwa ein Singspiel zum jüdischen Purimfest, das aus der Feder von Offenbachs Vater Isaac stammt. Es wurde in den USA wiederentdeckt. Im Historischen Archiv der Stadt Köln fand man ein Bürgerwehrlied, komponiert von Jacques Offenbach während der Märzrevolution 1848.

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Die Barcarole aus "Hoffmanns Erzählungen"

Den musikalischen Auftakt zum Jubiläumsjahr bestreitet das Kölner Gürzenich-Orchester mit seinem Neujahrskonzert am 6. Januar in der Kölner Philharmonie. Das Gürzenich-Orchester unter Dirigent Alexandre Block folgt Offenbachs Spuren vom Rhein bis nach Paris mit Stücken aus seiner romantischen Oper "Die Rheinnixen" und seiner Operette "Pariser Leben". Im Gepäck hat das Orchester aber auch selten gespielte Cellostücke von Offenbach und die Erstaufführung eines rekonstruierten Einakters mit dem humorigen Titel "Oyayayae", was soviel heißt wie "Ohjemineh". Gastspiele des Orchesters sind auch in Paris geplant.

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