Jugendliche in Deutschland: Wissen ja, Handeln nein | Deutschlehrer-Info | DW | 29.10.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Jugendliche in Deutschland: Wissen ja, Handeln nein

Schüler in Deutschland fühlen sich gut über globale Fragen wie Armut und Klimawandel informiert. Das führt laut Pisa-Studie aber nicht dazu, dass sie sich überdurchschnittlich stark engagieren würden – ganz im Gegenteil.

Schüler und Schülerinnen in einer Klasse. Neben der Tafel hängt eine Weltkarte

Wissen über die Welt ist nicht das Problem.

15-Jährige in Deutschland lernen oft mehrere Sprachen, haben Freunde aus anderen Ländern und wissen gut über aktuelle Probleme wie den Klimawandel Bescheid, ohne viel dagegen zu tun. Das legt zumindest ihre eigene Einschätzung nahe, wie sie aus einer aktuellen Pisa-Sonderauswertung hervorgeht.

3800 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland haben dafür im Jahr 2018 einen gesonderten Fragebogen zum Thema „globale Kompetenz" ausgefüllt – neben den eigentlichen Tests in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Zugleich haben aber auch Jugendliche aus 65 anderen Ländern diesen Fragebogen bearbeitet.

Und der Ländervergleich zeigt: Die Fremdsprachenkenntnisse deutscher Schülerinnen und Schüler sind den Angaben zufolge höher als im Länderschnitt, der Respekt für Menschen aus anderen Kulturen ist im Schnitt größer. Zugleich aber war das Interesse, etwas über andere Kulturen zu lernen, vergleichsweise gering.

Bei Fragen nach globalen Themen wie Hunger und Armut oder Klimawandel gaben in Deutschland mehr Jugendliche als in anderen Ländern an, gut informiert zu sein. Doch wenn es darum geht, selbst tätig zu werden, etwa den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren, umweltbewusst einzukaufen oder sich an Petitionen zu beteiligen, zeigten sich Schülerinnen und Schüler in Deutschland deutlich passiver als anderswo.

Allerdings unterschied sich das Ergebnis aus Deutschland nicht sehr von dem aus anderen Ländern mit vergleichbarer Demografie, kultureller Prägung und ähnlichen politischen Rahmenbedingungen, etwa Österreich, Frankreich und Großbritannien. Für die deutsche Pisa-Koordinatorin Kristina Reiss könnte das daran liegen, „dass ein hohes Verständnis für die Komplexität der globalen Probleme eher zu der Einschätzung führt, dass man als Individuum wenig zur Lösung beitragen kann.“

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher betonte, dass Schulen und Bildungssysteme, denen es am besten gelänge Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen in Bezug auf globale Entwicklungen bei jungen Menschen zu fördern, etwas gemeinsam hätten: „Sie haben Lehrpläne, in denen Weltoffenheit eine wichtige Rolle spielt, sie sorgen für eine positive und inklusive Lernumgebung und sie bieten Möglichkeiten, Beziehungen mit Personen aus anderen Kulturen einzugehen.“

ip/bwar (mit dpa, epd, AFP)

 

Die Redaktion empfiehlt