Jugendliche in Deutschland möchten ernst genommen werden | Deutschlehrer-Info | DW | 11.07.2019
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Deutschlehrer-Info

Jugendliche in Deutschland möchten ernst genommen werden

Eine aktuelle Studie zeigt, welche Sorgen und Wünsche junge Menschen in Deutschland haben. Viele von ihnen haben das Gefühl, zu wenig an Entscheidungen beteiligt zu werden.

Vertrauen, Zugehörigkeit, Sicherheit und Selbstbestimmung: Das sind die wichtigsten Themen für junge Menschen in Deutschland – so das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Um zu erfahren, welche Wünsche, Bedürfnisse und Sorgen junge Menschen in Deutschland haben, wurden im Schuljahr 2017/2018 mehr als 3000 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren befragt.

Laut der Studie, die am 3. Juli 2019 veröffentlicht wurde, fühlt sich ein Großteil der Befragten von den Erwachsenen nicht ernst genug genommen. Dies betrifft vor allem ihre Beteiligung an wichtigen Entscheidungen. Je älter sie werden, desto weniger haben Jugendliche den Eindruck, das Leben in Schule und Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können. Unter den befragten 14-Jährigen haben demnach nur 34 Prozent das Gefühl, in der Schule mitbestimmen zu dürfen – im Gegensatz dazu sind es bei den Achtjährigen noch 50 Prozent. Bei der Unterscheidung nach Schultypen sehen sich Gymnasiasten mit 13 Prozent am wenigsten beteiligt. Die Studienautoren warnen davor, diesen Trend auf die Pubertät zu schieben. Diese Haltung seitens der Erwachsenen verhindere schon lange, Kritik der jungen Generation aufzunehmen und Macht entsprechend zu teilen.

Besonders große Sorgen macht den Kindern und Jugendlichen laut Studie vor allem der Umgang mit anderen. „Mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen erfährt in der Schule Ausgrenzung, Hänseleien oder sogar körperliche Gewalt. Insgesamt ein Viertel fühlt sich an ihrer Schule nicht sicher“, erklärte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger.

Rund die Hälfte der Jugendlichen sorgt sich laut Studie auch um die Finanzen ihrer Familie. Etwa 16,3 Prozent fürchten permanent Geldnot. Um drohender Kinderarmut zu begegnen, braucht es laut Dräger ein Teilhabegeld, das Jugendlichen vor allem Freizeitaktivitäten ermöglicht.

Die Studie zeigt auch, dass viele Kinder ihre Rechte nicht oder nicht richtig kennen. An Gymnasien haben 47 Prozent der Jugendlichen kein oder nur unsicheres Wissen über ihre Rechte, an Grundschulen sind es sogar 63 Prozent der Kinder. Studienautorin Sabine Andresen von der Universität Frankfurt am Main sieht dringenden Handlungsbedarf der Politik. Im 30. Jahr der UN-Kinderrechtskonvention sei es „ernüchternd“, dass Kinder und Jugendliche oft ihre Rechte auf körperliche Unversehrtheit sowie auf Beteiligung in Dingen, die sie betreffen, nicht kennen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) zeigte sich von den Ergebnissen der Studie alarmiert: „Gewalt und Mobbing in der Schule gehen an niemandem spurlos vorbei und können schlimme Folgen haben: von der Schulverweigerung bis hin zum Selbstmord.“ Im Hinblick auf mehr Beteiligung der Jugend warb Giffey dafür, dass Jugendliche ab 16 Jahren wählen können.

sts (mit KNA, AFP)/ip

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