Juden im Iran - ein Leben in der Diaspora? | Kultur | DW | 26.08.2007
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Kultur

Juden im Iran - ein Leben in der Diaspora?

Trotz des ähnlichen Lebensstils, haben von den rund 100.000 Juden, die vor 30 Jahren im Iran lebten, dreiviertel das Land verlassen. Als einen Grund nennt die Iranerin Zohre Mohammadie den Iran-Irak-Krieg: "Wegen des Krieges mussten wir in andere Städte fliehen. Jüngere Juden wanderten gleich ins Ausland aus", sagt die 62-Jährige, deren Kinder in Deutschland leben. “Unsere Stadt war sehr klein, aber die Hälfte der Einwohner bestand aus Sunniten und Juden. Sowohl auf Hochzeiten als auch auf Trauerfeiern verbrachten wir gemeinsame Stunden. Wenn unsere jüdischen Nachbarn für ihre Festlichkeiten Brot gebacken hatten, bekam die ganze Nachbarschaft etwas davon ab. An den Samstagen (Anm. Sabbat) machte ein Nachbarmädchen für unsere Juden das Feuer für den Samowar", erinnert sie sich.

Erst die Islamische Revolution (1979), dann der Iran-Irak Krieg (1980-1988) und schließlich die Wirtschaftssanktionen. Soziales Elend und eine fehlende Demokratie sind für viele Iraner Gründe genug, auszuwandern. Bis zu 70 Prozent der iranischen Juden hätten sich für die Diaspora entschieden, hauptsächlich in den USA und Europa, sagt Abaie, andere seien nach Israel gegangen.

Der Holocaust ist vielen Iranern kein Begriff

Im November 2005 erklärt der iranische Präsident, Mahmoud Ahmadinedschad, seine Regierung werde den Staat Israel von der Landkarte tilgen. Monate später sorgt er weltweit für Empörung, als er den Völkermord an sechs Millionen Juden, den Holocaust, leugnet. Während seine Provokation weltweit hohe Wellen schlug, fragten sich viele Iraner, was denn der Holocaust überhaupt bedeute. ”Bis dahin hatten die meisten Iraner das Wort Holocaust noch nie gehört, denn die iranischen Juden waren verschont geblieben.", erklärt Abaie. Durch die Entfernung zu Europa und die fehlenden Emigrationsmotive der damaligen Juden, sei die jüdisch-iranische Glaubensgemeinschaft nicht vom Holocaust gezeichnet. "Nach der Islamischen Revolution im Jahre 1979 wurde der Holocaust im Iran besonderes verschwiegen”, so der iranische Jude, Arash Abaie.

Als der Ungar Imre Kertész für sein Buch “Roman eines Schicksallosen” 2002 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, schrieb Abaie im Magazin “Bina” über die Holocaust-Erfahrungen des jungen Kertész. Daraufhin wurde er offiziell gebeten, dieses Thema fallen zu lassen. "Mit dem Amtsantritt Ahmadinedschads spürte man zwar als iranischer Jude keine wesentlichen Veränderungen im Alltagsleben", so Abaie weiter, aber für die intellektuellen Juden sei es umso schwerer geworden: "Je informierter man ist, desto mehr leidet man unter den jetzigen Umständen".

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